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Der Gipfel der Enttäuschung

Anselm Richard, Chefredakteur.

Obwohl die Schwierigkeiten in der Sauenhaltung seit Langem bekannt sind, passiert auf politischer Ebene wenig. Auch der sogenannte Sauengipfel blieb ohne konkrete Ergebnisse - dabei wäre es höchste Zeit!

Bitte warten! So lässt sich das Ergebnis des sogenannten Sauengipfels zusammenfassen, der über die Zukunft der deutschen Ferkelerzeuger beraten hat. Konkrete Ergebnisse hat es nämlich nicht gegeben.

Was die Sauenhalter umtreibt, ist alles andere als eine Kleinigkeit. Sie sind von dem Gipfel mehr als enttäuscht. Für drei große Problembereiche werden dringend Lösungen gebraucht, damit die deutsche Ferkelerzeugung nicht untergeht:

  • Die Haltung von Sauen in Kastenständen steht in der Kritik. Entweder wird das System ganz abgelehnt oder die Kastenstände werden als zu klein angesehen. Das „Magdeburger Urteil“ verunsichert Bauern und Behörden gleichermaßen. Eine verbindliche, einheitliche Neuregelung zu den Kastenständen gibt es nicht. Über den Höfen schwebt die Ungewissheit, obwohl ordnungsgemäß genehmigt und gebaut wurde.
  • Routinemäßiges Kürzen der Schwänze soll nicht mehr erlaubt sein. Allein: Bisher ist kein wirksames Mittel gegen Schwanzbeißerei gefunden. Experimente mit wissenschaftlicher Begleitung und unter behördlicher Kontrolle haben noch keinen Durchbruch erzielt. Ein einfaches Muster „So funktioniert das“ existiert nicht – auch wenn manche Zeitgenossen so tun, als sei mit mehr Platz in der Bucht alles zu regeln.
  • Hauptsorge aber bleibt das anstehende Ver­bot der betäubungslosen Kastration zum 1. Januar 2019 ohne praktikable Alternativen. Hier ist keine Zeit zu verlieren. Die Ferkel der Sauen, die in dieser Woche belegt werden, stehen in den ersten Januartagen 2019 zur Kastration an. Welche Vorschrift gilt dann?

Die Schwierigkeiten sind seit Langem bekannt, aber auf politischer Ebene passiert wenig. Viele Sauenhalter haben das Gefühl, dass das oft bekundete Verständnis nur vorgetäuscht ist. Solidarität mit einer Branche, die massiv in der Kritik steht, fällt Politikern nicht immer leicht. Wer weiß, vielleicht warten auch manche Volksvertreter klammheimlich darauf, dass sich das Problem durch „Aussterben“ von selbst erledigt. Derweil kommen dann die Mastferkel aus Dänemark oder Holland – von Sauen geboren, die auch in Kastenständen besamt werden, und die kleinen Eber genau so kastriert, wie es hierzulande nicht erlaubt ist, mit Betäubung durch den Landwirt.

Julia Klöckner und Ursula Heinen-Esser, die Verantwortung für die hiesige Landwirtschaft tragen, müssen sich fragen lassen, warum ihr Bekenntnis zum Veredlungsstandort Nordwestdeutschland nicht viel deutlicher ausfällt. Beide betonen, dass Sauenhalter eine Zukunftsperspektive brauchen. Dazu gehört, dass endlich konkrete Regelungen dazu geschaffen werden, was wann und wie gelten soll, ohne Wenn und Aber. Es ist höchste Zeit!