Meinung

Auf der Grünen Woche: Wer gibt die Richtung vor?

Etwas für die Bauern erreichen - dass wollen angeblich alle, die sich auf der Grünen Woche zu Wort gemeldet haben. Die Landwirtschaft aber wartet weiterhin auf Ergebnisse und Entscheidungen.

Nicht die Politik hat in diesem Jahr das ­Geschehen rund um die Internationale Grüne Woche bestimmt, sondern die Menschen auf der Straße bei Demonstrationen, Kundgebungen und anderen Aktionen.

Traditionell gilt die Grüne Woche als eines der ganz wichtigen agrarpolitischen Ereignisse zu Jahresanfang. Wichtige Initiativen oder Ereignisse werden vorzugsweise dort der Öffentlichkeit vorgestellt. Nicht so in diesem Jahr:

Die von Kanzlerin Angela Merkel geforderte Zukunftskommission, in der unter anderem der Deutsche Bauernverband und die Gruppe „Land schafft Verbindung“ (LsV) gemeinsam ein Konzept für die deutsche Landwirtschaft erarbeiten sollten, ist einfach noch nicht so weit wie erhofft.

Auch die sogenannte Borchert-Kommission, die im Auftrag von Julia Klöckner eine Strategie für die Nutztierhaltung in Deutschland entwickeln soll, hat noch keine Ergebnisse vorgelegt.

Janusz Wojciechowski, frischgebackener EU-Agrarkommissar, ist offenbar noch nicht richtig in seinem Amt angekommen. Jedenfalls war er nicht in der Lage, seine Vorstellungen von der Gemeinsamen Agrarpolitik für die Zeit nach 2020 einigermaßen konkret und detailliert vorzustellen. Seine Erläuterungen verloren sich im Grundsätzlichen und ohnehin Bekannten.

Einen „bemerkenswerten“ Auftritt hatte lediglich der Berliner Senator Dirk Behrendt, der bei der Eröffnungsveranstaltung den Regierenden Bürgermeister vertrat, und dort eine „Agrar- und Ernährungswende“ verlangte – weil die indus­trielle Landwirtschaft mit Massentierhaltung und Monokulturen keine Zukunft hat. So kann man seine Gäste auch vor den Kopf stoßen.

Zeichen setzten stattdessen vor allem Aktionen von „Land schafft Verbindung“, aber auch Behrendts Freunde von „Wir haben es satt!“. Sie brachten wieder Tausende in Bewegung, und Trecker gehören mittlerweile zum fast täglichen Bild in vielen Städten. Problematisch ist nur, dass unbeteiligte Bürger wie auch viele Berichterstatter in den Medien kaum noch auseinanderhalten können, wer da eigentlich für oder gegen was protestiert und demonstriert.

Angeblich wollen alle eines: Etwas für die Bauern erreichen. Aber trotzdem wollen längst nicht alle dasselbe. Was Bauern jetzt brauchen, ist eine Anstrengung all ihrer Organisationen gemeinsam mit der Politik. Wie wird die Agrarpolitik nach 2020 ausgestaltet? Wie sieht der Gesellschaftsvertrag aus, der Ackerbauern und Tierhaltern Sicherheit geben soll? Das ist jetzt wichtig. Die Praxis wartet auf Ergebnisse und klare Entscheidungen.


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