Spargelsaison eröffnet

"Lage in den Spargelbetrieben sehr unterschiedlich"

Trotz fehlender Saisonarbeiter sind die ersten heimischen Spargelstangen auf dem Markt. Willy Kreienbaum, Vorsitzender der Vereinigung Spargelanbauer Westfalen-Lippe, spricht im Interview über fehlende Erntehelfer, Hilfsbereitschaft und Preise.

Im Interview mit der "Spargelstrasse NRW", einer Initiative der Vereinigung, schätzt Willy Kreienbaum die Lage so ein:

Ich bin sicher, dass es zu Ostern flächendeckend frischen Spargel in ganz Nordrhein-Westfalen geben wird. Wegen des warmen Winters und der Wärme der letzten Tage starten wir in diesem Jahr gut eine Woche früher in die Saison als üblich.Bereits jetzt zeichnet sich ab, das die Qualität des Spargels in diesem Jahr sehr gut sein wird. Die ersten Hofläden und Verkaufsstände sind geöffnet. Dieses Angebot wird von unseren Kunden bereits sehr gut angenommen. In diesen schweren Zeiten legen die Menschen scheinbar vermehrt Wert auf eine gesunde Ernährung mit regional erzeugten Produkten. Gleichzeitig ist der Zuspruch der Kunden für mich auch ein Zeichen der Solidarität.

Herr Kreienbaum, seit vergangenen Freitag ist klar, dass für die Monate April und Mai ein Kontingent von jeweils 40.000 Saisonarbeitern per Flugzeug nach Deutschland einreisen darf. Ist das für die Betriebe, die noch Arbeitskräfte brauchen, ein Lichtblick?

Die Lage in unseren Betrieben ist sehr unterschiedlich. Einige habe es geschafft, vor dem Einreisestopp 60 Prozent der Belegschaft in den Betrieb zu bekommen, bei anderen sind gerade mal zwei oder drei Saisonarbeiter angekommen. Neben noch mehr zusätzlicher Bürokratie sorgt vor allem eine Bedingung bei mir und meinen Kollegen für Kopfzerbrechen: Wir dürfen die Unterkünfte wegen des Infektionsschutzes nur zu 50 Prozent belegen. Das heißt, wer Platz für 50 Saisonkräfte hat, darf nur 25 unterbringen. Ein Lichtblick ist diese Regelung auf jeden Fall, aber sie wird nicht in jedem Betrieb ausreichen, um die gesamte Ernte einzubringen.

Auf der einen Seite fehlen die Erntehelfer, auf der anderen Seite ist mit der Schließung der Gastronomie ein wichtiger Absatzmarkt weggebrochen. Wie reagieren die Betriebe auf diese Situation?

Viele von uns haben die Situation kommen sehen oder doch zumindest geahnt und einen Teil der Flächen gar nicht für die Ernte vorbreitet. Das schwankt von Betrieb zu Betrieb zwischen 10 und 30 Prozent, je nachdem, wo die Schwerpunkte beim Absatz liegen.

In den letzten Wochen mehren sich die Berichte, dass einheimisches Gemüse, zu dem ja auch der Spargel gehört, wegen des Mangels an Erntehelfern teurer werden könnte. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Ich denke, dass es beim Spargelmoderate Preissteigerungen aufgrund der Erntehelfer- Situationgeben wird. So wie es heute aussieht, ist nicht genug Ware auf dem Markt.

Mit der Internetseite www.daslandhilft.de ging vor zwei Wochen eine Internetseite an den Start, die bei der Suche nach Arbeitskräften in der Landwirtschaft helfen soll. Haben Sie durch dieses Projekt bereits Resonanz erhalten?

Bei uns sind gut 30 Anfragen eingegangen, das ist schon ein Zeichen großer Hilfsbereitschaft. Allerdings können viele der Menschen nur stundenweise arbeiten, und das sorgt dann für neue Probleme. Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist zurzeit ein autarkes, eigenständig arbeitendes Unternehmen. Wenn Saisonkräfte vor Ort sind, leben und arbeiten sie im Betrieb, Einkäufe werden geliefert oder von Dritten besorgt. Wenn ich jetzt neue Mitarbeiter über die Internetseite bekomme, muss ich die aus Infektionsschutzgründen als separate Gruppe einsetzen, die keinen Kontakt zu den anderen Mitarbeitern haben sollte. Das ist organisatorisch nur dann machbar, wenn ich Menschen finde, die möglichst den ganzen Tag und vielleicht sogar über die gesamte Saison hier arbeiten können. Sicher ist aber eines: Wer geeignet ist, wird eine Anstellung finden. Wir brauchen jede Arbeitskraft, die wir bekommen können.


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