Was ein Dorfkind nicht sagt



Wochenblatt: Stefan, wo wohnst du und was machst du, wenn du nicht gerade Sprüche sammelst?

Stefan: Ich wohne zurzeit in Bochum und studiere Geowissenschaften. Davor habe ich in Trier meinen Bachelor gemacht.

Wochenblatt:
Das sind ja nicht gerade Dörfer. Woher weißt du denn, was ein Dorfkind nicht sagt?

Stefan: Ich bin in Lauenförde, einem niedersächsischen Dorf an der Weser, aufgewachsen. Es liegt direkt an der Grenze zu Ostwestfalen und hat 2400 Einwohner.

Wochenblatt:
Und wie tickt für dich ein Dorfkind?

Stefan: Dorfkinder sind nicht so schnöselig. Das Gemeinschaftsgefühl bei ihnen ist stärker als bei Städtern. Auch weiß irgendwie jeder, was der andere macht. Und handwerkliche und landwirtschaftliche Themen stehen viel mehr im Mittelpunkt.

Wochenblatt:
Wie bist du auf die Idee gekommen Sprüche, die ein Dorfkind nicht sagt, zu sammeln?

Stefan: Im Internet begann der Hype, eine bestimmte Person sagt das und das nicht. Ich saß mit ein paar Kommilitonen in Trier bei einem Bier zusammen und wir überlegten, was sagt denn eigentlich ein Dorfkind nicht. Einen Tag später richtete ich bei Facebook eine Seite ein und veröffentlichte die ersten Sprüche.

Wochenblatt:
Kannst du dich noch an den ersten Spruch erinnern?

Stefan: Ich glaube es war: „Im Nachbarort ist es auch ganz nett“. Mit ungefähr 20 Likes ging ich ins Bett. Am anderen Tag war schon 20 000 Mal der „Gefällt mir“-Button geklickt worden.

Wochenblatt:
Wie viele Likes hat die Seite denn im Moment?

Stefan: Aktuell sind es über 374 000. Ich habe gut 150 Sprüche hochgeladen. Einzelne Fotos oder Sprüche haben bis zu 70 000 Mal den virtuellen Daumen erhalten.

Wochenblatt:
Welcher Spruch kam besonders gut an?

Stefan: „Ich kenne Rosis Nummer nicht“. Der ist sehr beliebt.

Wochenblatt: Und wie kam es dann zu dem Buch mit den Sprüchen?

Stefan: Eigentlich wollte ich die Facebook-Seite abgeben. Doch dann habe ich die gut 11 000 E-Mails zu der Seite durchforstet. Zufällig stieß ich auf eine E-Mail des Heyne-Verlages, in der wurde mir angeboten, ein Buch mit den Sprüchen zu veröffentlichen. Leider war die E-Mail schon drei Monate alt und Heyne hatte erst kein Interesse mehr. Nach gut zwei Monaten meldete sich der Verlag aber wieder.

Wochenblatt:
Wie ging es dann mit der Buchidee weiter?

Stefan: Sie wollten 1000 Sprüche abdrucken. 200 bis 300 Sprüche hatte ich schon. Die restlichen suchte ich aus E-Mails und Zusendungen zusammen. Ich musste sie meist ein wenig umformen, damit sie auch lustig sind. Daran habe ich ganz schön lange gesessen.

Wochenblatt:
Wann und wo empfiehlst du das Buch zu lesen?

Stefan: Es ist die ideale Zuglektüre wenn die Strecke zu kurz für ein längeres Buch ist. Man kann mit Freunden zusammensitzen und gemeinsam lachen. Es eignet sich aber auch zur Lektüre auf der Toilette oder dem Trecker.

Wochenblatt:
Was sind deine Lieblingssprüche?

Stefan: Ich mag vor allem: „Ein Mettbrötchen ohne Zwiebeln bitte“ und „Scheiße die Cops“. Im Buch sind aber auch drei, vier Seiten, die sich direkt auf mein Heimatdorf und meine Familie beziehen. Auf Lauenförde bezogen, ist der Spruch „Friseur und Angelgeschäft in einem Laden? So etwas gibt es?“

Wochenblatt: Wie geht es bei dir weiter? Planst du weitere Bücher?

Stefan: Nein, nicht unbedingt. Ich habe ja nicht das Rad neu erfunden. Jedes Dorfkind hätte auf die Idee kommen können. Ich war einfach der Erste.




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