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Textiles Handwerk

Blaudruck ist jetzt UNESCO-Kulturerbe

Der Blaudruck, früher ein typisches Handwerk in Westfalen, ist zum "Immateriellen Kulturerbe" der UNESCO ernannt worden. Damit soll die traditionelle Textilkunst aufgewertet werden, die neuerdings junge Modemacher auf neue Ideen bringt.

In vielen Blaudruckereien wie hier in Einbeck können Interessierte beim "Blauen Wunder" zusehen.

Die jahrhundertealte Technik des Blaudrucks zählt jetzt zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“. Das hat die Weltorganisation für Kultur und Bildung (UNESCO) auf ihrer Sitzung in Port Louis, Mauritius, entschieden. Deutschland, Österreich, die Tschechischen Republik, die Slowakei und Ungarn hatten gemeinsam den Antrag auf Anerkennung dieses Handwerks als Erbe der Menschheit gestellt.

Was ist das für ein Titel?

Der neue, für Kultur und Tourismus werbeträchtige Titel ist nicht mit dem des „Weltkulturerbes“ zu verwechseln, das Bau- und Kulturdenkmäler sowie Stätten der Natur von Weltrang unter Schutz stellt. Vielmehr soll mit dem Titel des „Immateriellen Kulturerbes“ allgemein auf die weltweite Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen, ihren Erhalt und ihre Weitergabe hingewiesen werden.

Die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes umfasst Tanz und Theater, Feste und Bräuche, Musik und Handwerkskünste. Aus Deutschland stehen auf der internationalen Liste die Genossenschaftsidee, die Falknerei, Orgelbau und Orgelmusik und nun eben auch der Blaudruck.

Druck mit Reserve, auch in anderen Farben

Der traditionelle Blaudruck ist ein Reservedruckverfahren, bei dem durchaus auch andere Farben wie etwa Rot, Grün, Gelb oder Grau verwandt werden. Leinen, Baumwolle oder auch Seide werden dabei mit einer farbabweisenden Substanz vorbereitet, deren Muster beim anschließenden Färben ausgespart, also „reserviert“ bleiben. Die farbabweisende Substanz wird mithilfe besonders gestalteter Stempel, auch Modeln genannt, aufgetragen.

In früheren Jahrhunderten wurden die Farbstoffe aus der Krapp- und der Waidpflanze gewonnen. Später setzte sich der natürliche Farbstoff Indigo durch, der seit etwa 1900 weitgehend durch das synthetisch hergestellte Indanthren ersetzt ist.

Ein Dutzend Werkstätten

Nach Angaben der UNESCO existieren in Deutschland zwölf, in anderen europäischen Ländern weitere 15 Blaudruckwerkstätten. „Die Traditionsbetriebe bestehen seit Generationen, das spezifische Wissen und Können wird innerfamiliär weitergegeben." Die in den Werkstätten gefärbten Stoffe werden meist zu Kleidung, Tischtüchern, Vorhängen oder Meterware verarbeitet. Die traditionelle Technik werde auch von jungen Modegestaltern verwandt, die mit den Tradtionswerkstätten eigene Modekollektionen entwickeln und weltweit in Modeschauen vorstellen.

Wo gibt es bei uns Blaudruckereien?

In Nordwestdeutschland gibt es noch vier Blaudruckereien, in denen das Handwerk gezeigt und ausgestellt wird:

Außerdem betreibt der Heimatverein im niedersächsischen Scheeßel eine Museums-Blaudruckerei, in der regelmäßig Vorführungen des Handwerks zu sehen sind. Näheres unter dieser Adresse: Heimatverein Schlessel, Am Meyerhof 1, 27383 Scheeßel, Tel. (04263) 6757888, www.heimatmuseum-scheessel.de.