Museum Wiedenbrücker Schule

Holzhandwerk anders: Kirchenkunst von der Ems in die Welt

Was Wiedenbrücker Handwerker aus Gips, Farbe und Holz schufen, zeigt das Museum „Wiedenbrücker Schule“. Wo es zu finden ist? Raten Sie mal ...

Hammer und Hohleisen liegen auf der Werkbank. Eine Gipsfigur steht als Vorlage bereit. Weitere Modelle bevölkern die Wand: Maria-, Josef- und Jesusfiguren in allen Lebenslagen. Daneben stehen sakrale Aufbauten und Altarbilder jeder Farbe, Form und Größe. Alles sieht aus, als käme gleich jemand durch die Tür, um seine Gerätschaften wieder in die Hand zu nehmen und am Werkstück weiterzuarbeiten.

Zu sehen ist das in Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). Ein Museum erinnert dort an die „Wiedenbrücker Schule“. Dieser Titel bezieht sich auf eine der ungewöhnlichsten, heute fast vergessenen Handwerks- und Künstlerkolonien Westfalens: Vor gut 100 Jahren existierten in der Emsstadt rund 20 Werkstätten und Ateliers für kirchliche und weltliche Kunst. „Wo immer damals im weiten Umland oder auch im Ruhrgebiet eine neue Kirche gebaut wurde, waren Wiedenbrücker beteiligt“, erzählt Christiane Hoffmann, die das Museum betreut.

Sakrale Skulpturen jeder Farbe, Form und Größe haben die "Wiedenbrücker" geschaffen. (Bildquelle: Strotdrees)

Taufkapelle in Nazareth

Aus der Emsstadt wurde jahrzehntelang in alle Welt geliefert: ob nach Afrika oder Südamerika, nach Japan, USA oder Israel – „in der Taufkapelle in Nazareth finden sich bis heute Reliefs und Figuren von Bernd Hartmann hier aus Wiedenbrück“, berichtet Hoffmann.

Bis in die 1930er-Jahre war sakrale Kunst für Wiedenbrück ein einträglicher Wirtschaftszweig, erzählt sie weiter. Bei 3000 Einwohnern in der Stadt habe es etwa 500 Arbeitsplätze in der Holzbearbeitung, Malerei und Bildhauerei gegeben.

Im Museum zeigt ein digitaler Stadtplan, wie dicht das einstige Netzwerk gewoben war. Wer mit dem Finger einen Punkt auf der Karte berührt, erfährt mehr über die einzelnen Handwerksbetriebe und Familien. „Das Besondere war das Arbeiten im Verbund“, weiß Hoffmann. Die Werkstätten kooperierten eng miteinander und konnten auf diese Weise schneller als andere arbeiten.

Handwerker mit eigener Handschrift

Die Anfänge lagen im ländlich-­kleinstädtischen Handwerk – und in einer örtlichen Gewerbeschule, die gezielt dem Nachwuchs die Tricks und Kniffe beibrachte. Ihre Vorbilder suchten sich die Kunst-­Handwerker in der Vergangenheit. Sie studierten die Romanik und Gotik, kopierten die Meister der Renaissance – und entwickelten daraus ihren eigenen, seinerzeit sehr erfolgreichen Stil des „Historismus“.

Die Werkstattstube im Museum zeigt jede Menge sakraler Gemälde, Figuren, Altarflügel und andere Werke. Planzeichnungen, Foto­grafien, Gipsabdrücke und Skizzen lassen erahnen, wie die „Wiedenbrücker“ gearbeitet haben. Kleine Mitmachstationen zeigen, wie sich Holzproben datieren lassen – oder wie sich der Feuchtegehalt auf ein Werkstück auswirkt.

In einem renovierten, ehemaligen Werkstattgebäude ist die Sammlung zu sehen. (Bildquelle: Strotdrees)

In einer alten Werkstatt

Das Dachgeschoss wirft einen Blick in die Historie der Stadt. Zu sehen sind archäologische Funde, alte Karten, Notgeldscheine oder auch die Fahne der Schreinergilde, in Wiedenbrück „Amt“ genannt.

Das Museum „Wiedenbrücker Schule“ wird von einer privaten Bürgerstiftung getragen und ist in einem renovierten, ehemaligen Werkstattgebäude untergebracht. Dort haben der in Oelde geborene Bernhard Diedrichs (1861–1912) und sein aus Wadersloh stammender Kompagnon Franz Knoche (1870–1942) eine Altarbaufirma betrieben.

Gut zu wissen
Das Museum in Rheda-Wiedenbrück, Rietberger Str. 6, ist mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem nach Voranmeldung unter Tel. (0  52  42) 3  78  55  26, www.wiedenbruecker-schule.de.


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