Brustkrebs früh feststellen

Neue Studie zeigt: Bei Frauen, die regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen, werden weniger häufig fortgeschrittene Tumorstadien entdeckt. 60- bis 69-Jährige profitieren am meisten.

Deutschlandweit erkranken jährlich mehr als 70 200 Frauen neu an Brustkrebs. Etwa 17 500 sterben jedes Jahr daran.

Warum die eine Frau daran erkrankt und die andere nicht, das weiß die Wissenschaft bis auf wenige Ausnahmen wie der genetisch bedingten Form nicht. Sicher ist jedoch, dass das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, mit dem Lebensalter steigt und bei Frauen die häufigste Tumorerkrankung darstellt.

Vorsorge soll Leben retten

Aus diesem Grunde wurde in NRW bereits vor zehn Jahren mit einem Brustkrebs-Früherkennung-Programm, dem Mammographie-Screening, begonnen. Seitdem werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Untersuchung in dafür zugelassene Arztpraxen oder Zentren eingeladen. Mit der speziellen Röntgenuntersuchung der Brust sollen bösartige Tumoren möglichst frühzeitig entdeckt werden.

„Seit Einführung des Screenings konnten erwiesenermaßen mehr kleine, nicht tastbare Mammakarzinome ohne Lymphknoten-Metastasierung und potenziell gefährliche Brustkrebsvorstufen entdeckt werden als je zuvor“, heißt es in einer Pressemitteilung des Referenzzentrums Mammographie Münster. Ziel des Programmes ist es aber, die tumorbedingte Sterblichkeit durch regelmäßige qualitätsgesicherte Früherkennung zu senken.

Regelmäßig zum Screening

Der Nachweis dafür steht noch aus. Einer der Gründe dafür: Das Screening-Programm wird bundesweit erst seit 2009 umgesetzt. Es fehlt daher an verwertbarem Zahlenmaterial über einen längeren Zeitraum. „Es braucht eine Lebensspanne von etwa zehn Jahren, um beurteilen zu können, wie sich die Krebserkrankung ausgewirkt hat“, erklärt Dr. Stefanie Weigel, ärztliche Mitarbeiterin des Referenzzentrums Mammographie am Universitätsklinikum Münster. Dennoch sind sie und Prof. Dr. Walter Heindel, Leiter des Referenzzentrums und Direktor des Ins­tituts für Klinische Radiologie, dem notwendigem Nachweis ein Stück näher gekommen.

Zahlen und Fakten
2013 erkrankten in Nordrhein-Westfalen 18 445 Frauen erneut an Brustkrebs. 16 % waren unter 50 Jahre alt, 49 % waren zwischen 50 und 69 Jahre und 35 % über 70 Jahre alt. 4233 Frauen starben 2013 durch Brustkrebs, 64 % von ihnen waren über 70 Jahre alt.
Seit zehn Jahren wird in NRW das Mammographie-Screening angeboten. Das Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster ist eines der fünf Referenzzentren in Deutschland. Es ist als eines der ersten Zentren aktiv und seit 2005 für das Screening in Nordrhein-Westfalen zuständig.
Bundesweit wird das Scree­ning an rund 400 Standorten angeboten, 85 davon in NRW.
Von 2005 bis 2014 nahmen ca. 4,75 Mio. Frauen in NRW an einem Mammographie-Screening teil. Bei 0,81 % von ihnen konnte beim ersten Screening Brustkrebs entdeckt werden. In der Folgerunde waren es 0,60 %.

Je fortgeschrittener ein Brustkrebs ist, desto ungünstiger ist die Chance auf Heilung. Mit einer neuen Studie konnten die münsterischen Wissenschaftler Weigel und Heindel nun zeigen, dass die regelmäßige Teilnahme am Mammographie-Screening das Risiko senkt, dass Brustkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. In Zusammenarbeit mit dem Krebsregister NRW bestimmten die Wissenschaftler die Rate von Brustkrebsneuerkrankungen in fortgeschrittenen Stadien von knapp 40 000 Frauen in einem Zeitraum von 2008 bis 2010.

Das Ergebnis: Bei Frauen, die wiederholt an einem Mammographie-Screening teilnahmen, wurde weniger häufig Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt als bei Frauen, die erstmalig daran teilnahmen. In der Studie profitierten vor allem Frauen im Alter zwischen 60 bis 69 Jahren von der Krebsfrüherkennung. „Günstigere Tumorstadien bedeuten eine verbesserte Prognose auch mit mehr Lebensqualität für die Frauen“, sagte Prof. Dr. Walter Heindel. Immer häufiger könne die Brust dann erhalten und auf eine Chemotherapie verzichtet werden. LHo


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