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Bellis: Harmlos und unnütz?

Das Gänseblümchen ist zur Heilpflanze des Jahres 2017 gekürt worden. Doch über die Heilwirkung der heimischen Pflanze ist wenig bekannt.

Gänseblümchen gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und blühen hierzulande meist von März bis November. Foto: Fotolia/mirkograul

Er liebt mich – er liebt mich nicht ... Jeder kennt dieses Orakel in Beziehungsfragen aus seiner Kindheit.

Aber die Aussage der gerupften Gänseblümchen war nie eindeutig. Wenig einig sind sich Wissenschaftler auch über die Heilwirkung des Gänseblümchens, mit dem lateinischen Namen Bellis perennis. Um der Sache näher auf die Spur zu kommen, hat der NHV-Theophrastus in Chemnitz die kleine Pflanze zur Heilpflanze 2017 gekürt. Damit soll auch eine neue Erforschung der Pflanze verbunden sein.

Tee soll Husten lösen

Gänseblümchen werden seit Langem volksheilkundlich eingesetzt. Durch arzneimittelrechtliche Regelungen haben sie eine „Null-Monographie“ erhalten. Das bedeutet, dass ihre Anwendung unbedenklich ist, aber auch kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Harmlos, aber unnütz.

Doch Naturheilkundler sind der Meinung, dass überlieferte Erfahrungen nicht von der Hand zu weisen sind, und wollen sie wissenschaftlich aufarbeiten. Nachzulesen ist der aktuelle Wissensstand auf der Seite www.nhv-theophrastus.de.
Erwiesen ist der Gehalt von Triterpensaponinen, Flavonoiden und ätherischem Öl. Aufgrund dessen empfehlen Volksheilkundler einen Tee aus zwei gehäuften Teelöffeln Gänseblümchenblüten und -blättern und einem Viertelliter kochendem Wasser zum Lösen von festsitzendem Husten. Außerdem soll er den Stoffwechsel bei Haut­erkrankungen wie Ekzemen und bei Rheuma anregen.

Als weitere Hustenmedizin wird empfohlen, Thymian oder junge Fichtentriebe mit Gänseblümchen in ein dunkles Glas zu schichten, mit flüssigem Honig zu übergießen und drei Wochen lang bei Zimmertemperatur ziehen zu lassen. Als Hustenmedizin wird dreimal täglich ein Teelöffel empfohlen.

Was überliefert ist

Eine historische, 500 Jahre alte Quelle empfiehlt frische, zerquetschte Gänseblümchenblätter als Auflage bei Wunden und Insektenstichen. Solche Anwendungen kannten noch unsere Großeltern. Überliefert sind auch Breit- oder Spitzwegerichblätter zu diesem Zweck. Wer schon einmal in der Natur von einem Insekt gestochen wurde und außer solchen Blättern nichts zur Hand hatte, weiß, dass ein zerriebenes Blatt auf dem Stich schnell und nachhaltig hilft. Ganz ohne Wissenschaft. Trotzdem soll bei der Anwendung auf Wunden die Hygiene nicht vernachlässigt werden!

Für die Herstellung einer Tinktur wird eine Handvoll Gänseblümchenblüten mit 40%igem Alkohol übergossen, sodass alle Blüten bedeckt sind. Der Ansatz wird täglich geschüttelt, nach drei Wochen abfiltriert und an einem dunklen Ort aufbewahrt. Die Tinktur soll als Einreibung oder Umschlag bei Blut­ergüssen, Prellungen und Quetschungen helfen. Möchten Sie selbst Bellis sammeln, suchen Sie unbelastete Wiesen abseits von Autoverkehr und Hunden auf.

Homöopathisch eingesetzt

Homöopathen verwenden Gänseblümchen unter ihrem lateinischen Namen Bellis perennis zu ganz ähnlichen Zwecken. Weil die Anwendungsgebiete denen von Arnica ähneln, wird Bellis auch die „kleine Arnica“ genannt. Zum Einsatz kommt Bellis, wenn der Mensch sich so fühlt wie das Gänseblümchen, wenn man auf der Wiese darauf getreten ist: zerquetscht und zerschlagen.

Dementsprechend hilft es bei Verletzungen tiefer gelegener Gewebe, auch nach größeren Operationen und besonders bei Verletzungen der Beckenorgane. Es wird bei Verstauchungen und Prellungen angewendet und ist auch in dem bekannten komplexhomöopathischen Mittel Traumeel enthalten. Es hilft, wenn kalter Wind Beschwerden verursacht oder kalte Getränke nicht vertragen werden, wenn der Körper erhitzt ist. Bellis soll auch helfen, wenn die Nacht früh um drei zu Ende und Wiedereinschlafen unmöglich ist. Kokemoor

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