Zum Inhalt springen
6 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Antidepressiva: Selten hilfreich

Etwa 4 Mio. Menschen nehmen in Deutschland Antidepressiva ein. Deren Nutzen ist oft fragwürdig und nur wenige Patienten profitieren davon.

Bei einer Depression werden häufig auch Antidepressiva verordnet. Manche von ihnen sind in die Kritik geraten. Foto: Gerhard Seybert/stock.adobe.com



Depressionen können einem Menschen das Leben schwer machen und Hilfe tut Not. In vielen Fällen sollen Pillen aus dem Gefühlstief helfen. Häufig werden Medikamente der neuen Generation, die sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), verschrieben. Doch ob diese Medikamente immer hilfreich sind, insbesondere in der Dauermedikation, darüber gibt es auch in der Fachwelt unterschiedliche Meinungen.

Kaum besser als Placebos

Einer, der die Verschreibung von Antidepressiva kritisch sieht, ist Dr. Peter Ansari. Der Forscher aus Niedersachsen bemängelt die steigende Verordnungspraxis von Antidepressiva, vor allem die der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SRRI). Sie sollen den Spiegel des Botenstoffs Serotonin im Gehirn erhöhen. Doch ob ein Mangel an Serotonin die Erkrankung überhaupt verursacht, sei umstritten.

Und nicht nur das: Eine im Jahr 2001 von Irving Kirsch veröffentlichte US-Studie zeige, dass Antidepressiva kaum wirkungsvoller als Scheinmedikamente (Placebos) sind. „Nur ein kleiner Effekt war bei schweren Depressionen zu erzielen“, berichtet Dr. Peter Ansari.

Achtung: Nebenwirkungen

Bewiesen sind dagegen die vielen möglichen Neben- und Wechselwirkungen der Präparate. „Dazu zählen beispielsweise sexuelle Funktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Veränderungen der Persönlichkeit, Abhängigkeit oder Neigung zum Suizid“, erklärt Dr. Ansari. Das Risiko dafür bestehe schon ab einer Einnahmezeit von sechs Monaten.

Zudem gibt es laut dem Forscher ein stark erhöhtes Risiko, eine körperliche Abhängigkeit zu entwickeln. Manchen Patienten zeigen nach dem Absetzen starke Symptome wie Schlaflosigkeit oder selbstverletzendes Verhalten. LHo

Dr. Peter Ansari hat über Studien und Erfahrungsberichte auf der Tagung des Vereins für Psychosoziale Arbeit in Herford gesprochen.

Den vollständigen Bericht über die Veranstaltung können Sie hier herunterladen:
"Lindern, ohne zu schaden" (Wochenblatt-Folge 40/2017) .