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Gärtnern mit Kindern

Fleischfresser im Aquarium

Um Grundschüler für Pflanzen zu begeistern, muss nicht gleich ein Schulgarten her. Ein altes Wasserbecken reicht. Es lässt sich zur exotischen Grünzone fürs Klassenzimmer umgestalten.

Ein „Florarium“ im Klassenzimmer regt Kinder zum Forschen an. Dieser Schüler nimmt die Fallgrube einer fleischfressenden Kannenpflanze unter die Lupe.

Wo früher Goldfische ihre Runden drehten, schnappt heute die Venusfliegenfalle zu. Und das fasziniert Schüler derart, dass sie sogar die botanischen Namen der exotischen Pflanzen mit Freude lernen. Das zeigte ein Experiment in einer Grundschulklasse.

Dort hatte ein kleines Aquarium unerwartet seinen Dienst quittiert und war ausgelaufen. Zum Wegwerfen war es zu schade. Also bauten wir es zu einer exotischen Landschaft mit fleischfressenden Pflanzen um. Während früher die Moore nach solchen Pflanzen durchsucht und geplündert wurden, lassen sie sich heute in modernen Gartenbaubetrieben züchten. In gut sortierten Gärtnereien gibt es in der Regel ein solides Angebot an sogenannten karnivoren Pflanzen zu erschwinglichen Preisen.

Nährstoffarme Spezialerde

Als Erstes dichteten wir die Nähte des Aquariums sauber mit Aquariensilikon ab. Beim Befüllen und Bepflanzen des Florariums durften die Kinder helfen. Zuerst gaben wir eine 3 bis 4 cm hohe Dränageschicht aus Blähton in das Becken. Darauf folgte eine etwa 10 cm hohe Schicht mit Spezialerde für fleischfressende Pflanzen (via Internet zu bestellen). Das Substrat muss nährstoffarm sein, denn viele fleischfressende Pflanzen nutzen es nur, um sich darin mit ihren Wurzeln zu verankern. Ihre tierische Nahrung nehmen sie über Fangmechanismen der Blätter und Blüten auf.

Zum Anfassen da

Ein Stück Treibholz sorgte für eine dekorative, horizontale Gliederung des Bodengrundes. Die Pflanzen ließen wir im Topf und versenkten sie bis zum Rand im Substrat. So können sie bei Bedarf herausgenommen und ausgetauscht werden. Denn das Florarium ist zum Anfassen für die Kinder da. Eine blitzschnell zuklappende Venusfliegenfalle müssen die Schülerinnen und Schüler auch mal hautnah erleben können. Wenn ein kleiner, neugieriger Finger der Pflanze dabei etwas zu penetrant auf den Leib rückt, darf das kein Problem sein. Das Gleiche gilt für den Sonnentau. Jedes Kind nahm die Lupe zur Hand, um die klebrigen Tropfen der Pflanze ­akribisch nach gefangenen Fliegenopfern zu untersuchen. Überlebt eine Pflanze die manchmal vielleicht etwas ruppige Unter­suchung nicht, kann sie leicht wieder ersetzt werden. Denn gute Jungpflanzen bekommt man ab etwa 5 €.

Der Klappmechanismus der Venusfliegenfalle lässt sich mit dem Finger auslösen.

Treibholz, Moos und Orchideen

Um das Becken nach oben hin interessant zu gestalten, umwickelten wir zwei große Treibholzäste mit Moos und Bindfaden und nutzten sie als Kulisse für weitere Pflanzen. Wir füllten Nylonstrümpfe mit etwas Pflanzerde und setzten ausgetopfte Pflanzen hinein. Sie wurden dann mit Moos umwickelt und an die Äste gebunden. Insbesondere die Venusfliegenfalle mit ihren Kannen kommt in der Pflanztasche gut zur Geltung. Außerdem hatte ich einige bunte Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) besorgt. Dazu zählen Bromelien, Falterorchideen und Tillandsien.

Die Pflanzen im Florarium werden mit kalkfreiem Gießwasser versorgt, das die Schüler von zu Hause aus dem Gartenteich oder der Regentonne eifrig mitbringen.

Das alte Aquarium wurde in sechs Stunden zu einer Pflanzenlandschaft umgestaltet.

Eine Pflanzen- und Materialliste sowie Tipps zum Anlegen des Florariums enthält der ausführliche Beitrag im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Ausgabe 39/2018 vom 27. September 2018.