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Wildschaden im Vertrag begrenzen? Digital Plus

Ich bin Landwirt und Mitglied unserer örtlichen Jagdgenossenschaft. Der Vorstand verhandelt gerade mit dem bisherigen Jagdpächter über einen neuen Pachtvertrag. Der Jagdpächter will den Wildschaden in Zukunft deckeln. Wer kommt für den Schaden auf, wenn der Deckelungsbetrag im jeweiligen Jahr erreicht wird? Zudem will der Jagdpächter die Schäden vorrangig durch Ersatz ausgleichen. Müssen wir das akzep­tieren?

Nach dem Bundesjagdgesetz (BJagdG) ist grundsätzlich die Jagdgenossenschaft voll für den Wildschadenersatz verantwortlich. Im Pachtvertrag kann diese Verantwortung ganz oder zum Teil auf den Jagdpächter übertragen werden. Geschieht dies nicht, ist die Jagdgenossenschaft weiter in der Pflicht. Bei einer gedeckelten Übernahme des Wildschadenersatzes bleibt folglich die Jagdgenossenschaft für alle Schäden, die über den Deckelungsbetrag hi­nausgehen, in der Verantwortung. Die Jagdgenossenschaft verfügt über einen jährlichen Reinertrag. Reinertrag ist der Unterschied zwischen den Einkünften aus der Jagdnutzung und den Aufwen

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Nach dem Bundesjagdgesetz (BJagdG) ist grundsätzlich die Jagdgenossenschaft voll für den Wildschadenersatz verantwortlich. Im Pachtvertrag kann diese Verantwortung ganz oder zum Teil auf den Jagdpächter übertragen werden. Geschieht dies nicht, ist die Jagdgenossenschaft weiter in der Pflicht. Bei einer gedeckelten Übernahme des Wildschadenersatzes bleibt folglich die Jagdgenossenschaft für alle Schäden, die über den Deckelungsbetrag hi­nausgehen, in der Verantwortung. Die Jagdgenossenschaft verfügt über einen jährlichen Reinertrag. Reinertrag ist der Unterschied zwischen den Einkünften aus der Jagdnutzung und den Aufwendungen und Kosten des jeweiligen Jagdjahres. Zu diesen Kosten gehören auch Ausgaben im Zusammenhang mit der Wildschadenregulierung. Da das Jagdgeld des einzelnen Jagdgenossen sich anteilig nach dem zur Verfügung stehenden Reinertrag bestimmt, sind derartige Ausgaben bereits vorab abgezogen worden. Übersteigen infolge hoher Wildschäden die Ausgaben die Einnahmen, ist es sogar möglich, dass die Jagdgenossen eine Umlage zahlen müssen. Dann müssen alle Genossen nach ihrer Flächengröße Geld in die Kasse einzahlen. Um dies zu vermeiden, sollte im Fall einer Wildschadendeckelung grundsätzlich eine angemessene Rücklage gebildet werden. Eine Regelung, wonach der Jagdpächter Schäden durch die Lieferung gleichwertiger Erzeugnisse ausgleichen kann, sollte man in Jagdpachtverträgen grundsätzlich vermeiden. Denn der Geschädigte kann wählen, ob er Naturalersatz oder Geldersatz verlangt. Ist im Jagdpachtvertrag gleichwohl ein Wahlrecht zugunsten des Jagdpächters formuliert, so ist das für den Geschädigten nicht bindend. Er ist nicht unmittelbarer Vertragspartner des Jagdpachtvertrages. Der Jagdgenossenschaft ist es auch verwehrt, verbindlich zulasten der Anspruchsberechtigten eine solche Vereinbarung zu treffen; sie wäre als unzulässiger Vertrag zulasten Dritter zu bewerten. Im Ergebnis kann eine solche Regelung dazu führen, dass der Jagdpächter aus der Regulierungsverpflichtung frei wird und die Jagdgenossenschaft am Ende doch die Landwirte entschädigen muss.