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Unwort des Jahres: Fast hätte es die Landwirtschaft getroffen

Jörg Kachelmann verwendet das Wort "Opfer-Abo" in Interviews – jetzt wurde es zum Unwort des Jahres bestimmt. Foto: Spichala

Moderne Tierhaltung ist ein Begriff, der in der Landwirtschaft gebräuchlich ist. Vor allem ist der Begriff dort eindeutig positiv besetzt. Umso überraschter mag so mancher Landwirt sein, wenn er hört, dass bei der Wahl zum "Unwort des Jahres 2012" die moderne Tierhaltung mit zu den häufigsten Einsendungen gehörte.

Unter den 2.241 Einsendungen, die an die Jury geschickt wurden, gab es 1.019 verschiedene Wörter. Zu den häufigsten Vorschlägen zählten neben der "modernen Tierhaltung" mit 102 Stimmen beispielsweise auch die Begriffe "Schlecker-Frauen" (163 Stimmen) und "Anschlussverwendung" (125 Stimmen). Letztendlich wählte die Jury, die aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten besteht, das Wort "Opfer-Abo" zum Unwort des Jahres. Wettermoderator Jörg Kachelmann hatte diesen Begriff in mehreren Interviews im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen verwendet.

Weckt der Begriff negative Assoziationen?

Anscheinend hat die Landwirtschaft noch einmal Glück gehabt. Denn was wäre gewesen, wenn die "moderne Tierhaltung" zum Unwort des Jahres 2012 bestimmt worden wäre? Ein Imageschaden für die Landwirte wäre vorprogrammiert. Zwar ist diese sprachkritische Aktion keine große Sache, dennoch wird das Ergebnis von allen führenden Tageszeitungen und Online-Portalen veröffentlicht – und von den Verbrauchern sicher gern gelesen.

Doch was kann die Landwirtschaft hieraus lernen? Als Erstes sollte geklärt werden, warum ein für Landwirte positiver Begriff beim Verbraucher negativ ankommt. Anscheinend ist es der falsche Begriff, wenn man mit Verbrauchern über Tierschutz, Tiergesundheit und Tierhaltung diskutiert. Weckt er vielleicht bei Laien negative Assoziationen? Hierüber sollte alle einmal nachdenken, die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreiben. KB