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Schulze Föcking unter Beschuss

Tierrechtler haben illegal Filmaufnahmen in Ställen der Familie Schulze Föcking gemacht und dem Fernsehsender RTL zugespielt. Tierschutzverbände und Grünen-Politiker fordern jetzt den Rücktritt der Landwirtschaftsministerin.

Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking wird von Tierrechtlern und politischen Gegnern massiv angegriffen. Foto: Rauss

Tierrechtler haben illegal Filmaufnahmen in Ställen der Familie Schulze Föcking gemacht und dem Fernsehsender RTL zugespielt. Tierschutzverbände und Grünen-Politiker fordern jetzt den Rücktritt der Düsseldorfer Landwirtschaftsministerin wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Das Kreisveterinäramt hat bei Kontrollen keine Auffälligkeiten festgestellt.

Kaum zwei Wochen nach ihrer Ernennung zur Landwirtschaftsministerin ist Christina Schulze Föcking ins Visier der Medien geraten. Der Fernsehsender RTL zeigte in der Sendung „stern TV“ Filmaufnahmen, die heimlich in Schweinemastställen der Familie Schulze Föcking gedreht worden sind und die kranke sowie verletzte Tiere zeigen. Erkennbar gab es Probleme mit Schwanzbeißen und Kannibalismus. Außerdem wird berichtet, dass die Buchten zum Teil verdreckt sowie die Ammoniak-Konzentration in der Stallluft deutlich zu hoch gewesen sei und dass die Wasserversorgung nicht funktioniert habe.

Aufnahmen schon älter

Bis zu ihrer Ernennung zur Ministerin war die CDU-Politikerin Christina Schulze Föcking Mitinhaberin der Betriebe. Die Filmaufnahmen datieren angeblich aus den Monaten März bis Juni dieses Jahres. Klar scheint zu sein, dass sie bei mehreren „Besuchen“ entstanden sind, von denen die Familie Schulze Föcking offenbar nichts bemerkt hat. Wer die Filme gedreht hat, ist nicht bekannt. Sicher jedoch ist, dass widerrechtlich in die Ställe eingedrungen wurde, denn eine Genehmigung seitens des Betriebes hat es nicht gegeben.

Bemerkenswert ist, dass die Bilder erst jetzt veröffentlicht wurden und nicht direkt nach ihrer Entstehung, Der Verdacht liegt nahe, dass die Verzögerung damit zu tun hat, dass erst die Ernennung zur Ministerin abgewartet werden sollte. Das Skandalpotenzial ist dann größer.

Der Betriebsleiter nimmt Stellung

Betriebsleiter Frank Schulze Föcking, der Ehemann der neuen Ministerin, hat dem Fernsehsender eine mehrere Seiten umfassende Stellungnahme übersandt, in der er tiergesundheitliche Probleme im Frühjahr dieses Jahres eingeräumt hat. Er führt das Geschehen unter anderem darauf zurück, dass die eingestallten Tiere genetisch bedingt aggressiver waren als die bis dahin gemästeten.

In aller Form weist er jedoch den Vorwurf zurück, dass die Betreuung der Tiere unzureichend gewesen sei. Detailliert listet der Landwirt auf, an welchen Tagen die Hoftierärztin, mit der er einen Beratungs- und Betreuungsvertrag abgeschlossen hat, im Bestand war und welche Behandlungen vorgenommen wurden. Er verschweigt dabei nicht, dass es auch Nottötungen gegeben hat, weil bei Einzeltieren keine Heilungschance mehr bestanden hat.

Das Krankheitsgeschehen sei plötzlich aufgetreten und habe ein außergewöhnliches Ausmaß gehabt. Die behandelten Tiere seien – nach Ablauf der vorgeschriebenen Wartezeit – untergewichtig verkauft worden, um neuerlichen Problemen durch Rangordnungskämpfe und aggressives Verhalten vorzubeugen. Zurzeit sei der Bestand gesund.

Veterinäramt hat kontrolliert

Frank Schulze Föcking weist außerdem darauf hin, dass in den Betrieben der Familie erstens eine unterdurchschnittliche Verlustrate Wirklichkeit ist und außerdem regelmäßig Kontrollen sowohl der QS-Organisation als auch des Kreisveterinäramtes stattgefunden haben – jeweils ohne nennenswerte Beanstandungen. Die letzte Routinekontrolle des Veterinäramtes hat erst in der vergangenen Woche stattgefunden.

Vertreter von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen sowie die Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff und Anton Hofreiter forderten umgehend direkt oder indirekt die Entlassung bzw. den Rücktritt der Ministerin. ri

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