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NABU kritisiert "Gülletourismus"

Das Thema Gülle sorgt immer wieder für Diskussionen. Foto: B. Lütke Hockenbeck

Ein schwerwiegender Unfall, bei dem Mitte März von einem landwirtschaftlichen Betrieb rund 1.700 m³ Gülle in das Naturschutzgebiet Neyetalsperre bei Remscheid gelangten und große Umweltschäden anrichteten, hat Kritik am Gülletourismus ausgelöst.

Der Fall zeige, dass die Entsorgung von industriell erzeugter Importgülle zunehmend zu einem Problem im ganzen Land werde, monierte der Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Josef Tumbrinck.

Der Gülletourismus aus Niedersachsen oder den Niederlanden nehme in letzter Zeit besorgniserregend zu, da in Regionen mit einem extrem hohen Viehbesatz die Stickstoffbilanzen starke Überschüsse aufwiesen. So fehlten allein im Weser-Ems-Gebiet mehr als 200.000 ha für eine umweltverträgliche Gülleausbringung. Für die Abnahme der überflüssigen Mengen würden oft hohe Beträge gezahlt. „Große Teile von Nordrhein-Westfalen werden so zur Verklappung überschüssiger Gülle missbraucht. Landwirtschaftliche Betriebe in finanzieller Krise sehen darin den letzten Ausweg“, beklagte Tumbrinck. Über Unfälle müsse man sich dann nicht wundern.

Mit Blick auf die aktuelle Novellierung der Düngeverordnung fordert der NABU daher eine massive Beschränkung der Gülleverbringung durch die Einführung einer vollständigen Hoftorbilanz für jeden Betrieb sowie die Einrichtung einer bundeseinheitlichen Dünge-Transportdatenbank in Verbindung mit einer Meldeverordnung. „Jeder Landwirt sollte zukünftig sämtliche Nährstoffströme transparent dokumentieren und Bilanzüberschüsse von 50 kg Stickstoff pro Hektar nicht überschreiten. Dem fragwürdigen Güllehandel wäre dann schnell ein Riegel vorgeschoben“, schlug Tumbrinck vor. Die Düsseldorfer Landesregierung sollte sich daher in den laufenden Verhandlungen im Bundesrat zur Düngepolitik mit Nachdruck für entsprechende Regelungen einsetzen. AgE