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Fleischatlas

Grünen-Stiftung und BUND kritisieren "zu hohen Fleischkonsum"

Einen Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung und -vermarktung fordern der Bund für Umwelt und Naturschuitz und die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung in ihrem "Fleischatlas".

Über die Formen der Produktion und die Höhe des Verzehrs von Fleisch wird wieder einmal debattiert.

Die parteinahe Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben die aktuelle Ausgabe ihres „Fleischatlas“ vorgestellt und erneut einen Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung gefordert. Bei der Präsentation in Berlin warfen Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig und der BUND-Vorsitzender Prof. Hubert Weiger der Politik „Unwillen und Untätigkeit“ vor. Dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wurde vorgehalten, ein staatliches Tierwohllabel nicht vorangebracht zu haben und nicht die Möglichkeit gekoppelter Direktzahlungen für Weidetiere aufzugreifen.

Fleisch nach Haltungsform kennenzeichnen

Unmüßig erinnerte an den weltweit hohen Flächenverbrauch für die Fleischproduktion und an die Güllebelastung der deutschen Böden und des Grundwassers in den Regionen mit einer besonders hohen Tierdichte. Sie sprach sich für die Halbierung der Tierbestände in diesen Regionen sowie für eine deutliche Reduzierung des Fleischkonsums in den Industrienationen aus. Außerdem warb Unmüßig für eine verpflichtende Fleischkennzeichnung nach Tierhaltungsform, vergleichbar der jetzigen Eier-Kennzeichnung. Damit erhofft sie sich eine Ausdifferenzierung des Marktes und eine höhere Transparenz für die Konsumenten.

Weiger nannte als weitere Lösungsansätze ein Auffächern der Züchtungsziele, die Bindung der Tierhaltung an die Flächen und eine stärkere Ausrichtung der EU-Agrarpolitik auf gesellschaftliche Leistungen der Landwirtschaft. Der BUND-Vorsitzende betonte, dass die Landwirte „Opfer eines jahrzehntelang gültigen Leitbildes in Agrarwissenschaft und Beratung“ seien. Nun sei es an der Politik, neue Leitplanken zu setzen, denn freiwillige Label könnten staatliches Handeln nicht ersetzen.

DBV: "Holzschnittartige zugespitzte Weltsicht"

Der Deutsche Bauernverband (DBV) wies die Pauschalkritik zurück und bezeichnete die Forderung nach einer Abstockung der Tierbestände für unausgegoren. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken sprach gegenüber dem Nachrichtendienst Agra-Europe von einer „nach wie vor holzschnittartigen und zugespitzten Weltsicht". Die Forderung nach einer Halbierung des Tierbestandes nannte er populistisch; viel entscheidender sei die regionale Nährstoffbilanz. Wenn die Landwirte die Vorgaben der Düngeverordnung auch mit höheren Tierbesätzen erfüllten, müsse eine solche Tierhaltung möglich sein.

Die vorgeschlagene Fleischkennzeichnung nach Tierhaltung hält Krüsken „allenfalls für sinnvoll“, wenn Tierhalter, die mehr als die gesetzlichen Vorgaben leisteten, dies auch dem Verbraucher gegenüber kenntlich machen könnten. Dies könne aber nur auf freiwilliger Basis geschehen. Die Vergleiche mit dem Erfolg der Kennzeichnung von Eiern hält der Generalsekretär nicht für geeignet: „Die Welt ist komplizierter.“ Wesentlich hilfreicher wäre es, die planungs- und genehmigungsrechtlichen Hindernisse für diejenigen Landwirte aus dem Weg zu räumen, die in neue Ställe und mehr Tierwohl investieren wollten.

Der Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff sieht sich mit dem Atlas in seiner Kritik bestätigt und mahnte „staatliches Handeln“ an. Insbesondere sieht er die SPD in den möglichen Koalitionsverhandlungen in der Pflicht. Falls die Sozialdemokraten in den Gesprächen mit der Union keine verpflichtende Haltungskennzeichnung durchsetzten, verrieten sie ihre selbstgesteckten Klimaziele ebenso wie ihre Verantwortung gegenüber den Verbraucher.