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Warten auf Wasser

Josef Große Enking, Redakteur.

Schon wieder: Höchstwerte bei Temperatur und Minusrekorde beim Niederschlag machen, ähnlich wie im Vorjahr, den Kulturen zu schaffen.

Der Juni war in Deutschland der wärmste Juni seit Beobachtungsbeginn des Deutschen Wetterdienstes. Hinzu kommt das Wasserdefizit. Die nutzbare Feldkapazität (nFK) hat in den vergangenen 14 Tagen drastisch abgenommen und tendierte am vergangenen Freitag gegen null. Das bedeutet: Wasser steht den Pflanzen für das Wachstum kaum noch zur Verfügung.

Hoffen auf Niederschlag

Etwas Entspannung hat der Regen am vergangenen Wochenende gebracht. Es bleibt zu hoffen, dass im Laufe dieser Woche neben den kühleren Temperaturen weitere Schauer hinzukommen. Zeit zum Verschnaufen für die Kulturen. Für das Getreide kommt der Regen oft aber zu spät.

Die Wintergerste hat es weniger getroffen. Die besseren Böden melden durchschnittliche bis sehr gute Erträge von 70 bis 80 dt/ha und darüber. Auf leichten Standorten wurden im Extrem nur 40 dt/ha erreicht – viel zu wenig, um wirtschaftlich mithalten zu können.

Schlimmer trifft es die späteren Kulturen. Weizen und Triticale sahen Anfang Juni noch sehr gut aus. Hier hat die Hitze Ertrag gekostet. In vielen Fällen gibt es keine grünen Fahnenblätter und Ähren mehr. Damit ist die Nährstoffein- und umlagerung zum Erliegen gekommen. Auch hier wird es in Abhängigkeit von der Bodengüte und den regional sehr unterschiedlich gefallenen Niederschlägen große Ertragsunterschiede geben. 10 bis 15 mm Regen, zum passenden Zeitpunkt gefallen, entscheiden über den Ertrag.

Sorgenkind Mais

Große Sorgen bereitet zumindest auf den leichten Standorten der Mais. Nach Feldgras vertrocknen die Pflanzen zum Teil auf den Feldern. Wenn hier nicht bald viel Wasser kommt, droht ein Totalausfall. Anders als im Vorjahr fehlen im Juni und bisher im Juli wichtige Niederschläge. Bald beginnt die Blüte, eine Phase, in der die Pflanzen viel Wasser benötigen. Fehlt das Wasser, drohen wieder kolbenlose Bestände.

Auch Wälder leiden

Auch die Wälder leiden. In 1,80 m Tiefe (Stand 2. Juli) zeigt der Dürre-Atlas des Deutschen Wetterdienstes für Ostdeutschland und für weite Teile Nordrhein-Westfalens eine außergewöhnliche Dürre an Grundwasserneubildung hat es kaum gegeben, die Defizite des Vorjahres bestehen weiterhin. Hoher Schädlingsbefall etwa durch den Borkenkäfer, schlechte Zuwachsraten und eine geringe Samenbildung sind die Folgen.

Perspektiven schaffen

Was also tun? Im Zeichen des Klimawandels müssen wir wohl häufiger mit Wetterextremen rechnen. Daher sind die Landwirte gut beraten, die Fruchtfolge auszuweiten, um das Risiko zu streuen. Auch wird guter Ackerbau wieder wichtiger. Böden, deren Struktur in Ordnung ist und deren pH-Wert und Humusgehalt im richtigen Bereich liegen, kommen mit Wetterunbilden besser zurecht.