Partner von

Obst: Sortengarten für die Vielfalt

Wo früher Militärübungen stattfanden, befindet sich heute die größte Streuobstwiese des Sauerlandes. Foto: Laarmann

06.10.2017 . Um kurz vor Zwölf wurden die Sauerländer wach. Beinahe wären die letzten regionalen Apfel- und Birnensorten verschwunden. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz sind sie nun sicher.

Äpfel statt Panzer – so lautet die Devise auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Hemer-Apricke im Märkischen Kreis. In der Region ging, wie überall auf dem Lande, die Zahl der Streuobstwiesen stark zurück. Doch solche Obstwiesen sind wichtig. Zum einen sind hier Sorten abseits der Supermarkt-Einheitsware zu finden. Zum anderen dienen die Obstwiesen als Lebensraum für zahlreiche Wildtiere.

Um zu retten, was noch vorhanden war, spürten Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Naturschutzzentrums im Märkischen Kreis alte und regionale Obstsorten in den Gärten auf. „Diese Sorten lassen sich am besten für die Zukunft sichern, indem man sie auf junge Hochstammbäume veredelt“, erklärt Klaus Schulte. Der Agraringenieur ist Mitarbeiter beim Naturschutzzentrum  Märkischer Kreis, der das insgesamt 2,5 ha große Areal betreut. Es wurde 2007 von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung gekauft und dient sowohl dem Naturschutz als auch der Naherholung.

Lüdenscheider Schafsnase

Um einer breiten Bevölkerung zu zeigen, wie viele Sorten von Apfel, Birne, Pflaume und Kirsche auch im Sauerland gedeihen, kam die Idee auf, die veredelten Hochstämme an gut sichtbarer Stelle zu pflanzen. 245 verschiedene Obstsorten sind zurzeit auf dem Gelände zu finden. Säuberlich in Dreierreihen mit je 12 m Abstand wachsen Klassiker wie die Apfelsorte Boskop oder die Speckbirne ebenso wie regionale Besonderheiten, etwa der Wünnenberger Zuckerapfel oder das Paderborner Seidenhemdchen und die Lüdenscheider Schafsnase. „Die Schafsnase ist ein Arbeitstitel. Wir konnten hier keine eindeutige Sorte zuordnen“, stellt Schulte klar. Etliche solcher Gartenfunde unbekannter Herkunft warten noch unter einem Arbeitstitel auf ihre Herkunftsklärung. 

Viele Baumpaten

Wie die Früchte der jeweiligen Sorten aussehen, zeigen kleine Infotafeln, die an den Stützpfählen der Bäume angebracht sind. Dort fallen auch Namensplaketten ins Auge. „Seit 2012 bieten wir Inte­ressenten gegen eine einmalige Spende von 150 € eine Baumpatenschaft an. Mit dem Geld finanzieren wir die Pflege des Sortengartens“, so Schulte.

Führungen

Das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis bietet jedes Jahr in seinem Veranstaltungsprogramm eine Führung durch den Sortengarten an. Für Gruppen sind spezielle Führungen nach Absprache möglich. Anfragen an das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis, Grebbecker Weg 3, 58509 Lüdenscheid, Tel. (0 23 51) 4 32 42 40. Brigitte Laarmann

Den ausführlichen Bericht lesen Sie im aktuellen Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Folge 40 vom 6. Oktober 2017.

16°C