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Gut geschützt auf Reisen

Dr. Frieder Schaumburg vom Institut für Mikrobiologie in Münster bietet regelmäßig Impfsprechstunden an. Foto: G. Lütke Hockenbeck

08.06.2017 . Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er sich vorab über Impfungen informieren. Auskunft über mögliche Risiken und Informationen über reisemedizinische Impfungen geben das Auswärtige Amt, die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert- Koch-Institut, Tropeninstitute, der Hausarzt sowie Apotheker.

Mediziner Dr. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Münster führt regelmäßig Impfsprechstunden durch. Wir haben nachgefragt, was Globetrotter bei Reisen in die Ferne beachten sollten.

Wochenblatt: Was gehört zu einem sicheren Reiseimpfschutz?

Dr. Schaumburg: Eine Auslandsreise sollte Anlass sein, seine Grundimmunisierung beim Arzt kontrollieren und bei Bedarf auffrischen zu lassen. Zu den Standardimpfungen zählen heute Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis, Hepatitis B, Pneumokokken, Rotaviren, Meningokokken C, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Influenza und Haemophilus influenzae Typ b.

Lassen Sie prüfen, ob eine Auffrischungsimpfung erforderlich ist. Welche Impfungen darüber hinaus empfehlenswert  sind, ist abhängig vom Reiseziel und -stil sowie der Reisedauer und von der gesundheitlichen Versorgung vor Ort. Auch das Alter des Reisenden spielt eine Rolle.

Wochenblatt: Welche Reiseimpfungen empfehlen Sie für Reisen in südliche Regionen Europas?

Dr. Schaumburg: Wer östlich oder südlich von Deutschland unterwegs ist, der sollte über eine Hepatitis-A-Impfung nachdenken. Das Hepatitis-A-Virus kommt weltweit vor, insbesondere in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard wie Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika, Osteuropa oder auch in Ländern am Mittelmeer.

Weitere Infos
Infos zu Impfempfehlungen in den einzelnen Ländern sowie zu den Erkrankungen finden Sie unter anderem auf den Seiten:
–WHO-Reisemedizin www.who.int/ith/
– Deutsche
Tropenmedizinische Gesellschaft: http:dtg.org
– Fit-for-Travel: www.fit-for-travel.de
– Centrum für Reisemedizin: www.crm.de
– Auswärtiges Amt Suchbegriff Reisen und Gesundheit: www.auswaertiges-amt.de

Der Impfstoff baut einen zuverlässigen Impfschutz nach etwa zwei Wochen auf. Eine zweite Impfung nach sechs bis zwölf Monaten ist erforderlich, um einen Langzeitwirkung zu erzielen.  Es gibt auch Kombinationspräparate, die zusätzlich gegen Typhus oder Hepatitis B schützen.

Für Reisen in bestimmte Regionen Afrikas und Südamerikas sowie zu einzelnen Inseln in der Karibik können sich Last-Minutes-Reisen daher als schwierig erweisen. Manche Länder fordern vor der Einreise den Nachweis einer Gelbfieberimpfung, die bereits zehn Tage vor der Einreise erfolgt sein muss. Die Gelbfieber-impfung darf jedoch nur in dafür autorisierten Gelbfieberimpfstellen verabreicht werden.

Wochenblatt:  Beliebtes Ziel bei jungen Leuten ist Asien. Welcher Impfschutz ist hier wichtig?

Dr. Frieder Schaumburg: Neben den Standardimpfungen sollten Reisende sich gegen Hepatitis A, Typhus und Tollwut impfen lassen. Typhus wird durch fäkale Bakterien ausgelöst, die sich an bzw. in Lebensmitteln oder Trinkwasser befinden. Geimpft wird in der Regel mit einer Injektion, die drei Jahre lang Schutz bietet.

Tollwut kommt weltweit vor, insbesondere aber in Afrika und Asien wie Indien, China, Vietman, Laos, Kambodscha oder Indonesien. Zu 95 % wird Tollwut über den Biss eines infizierten Hundes oder über dessen  Verzehr übertragen. Katzen, Fledermäuse und wildlebende Fleischfresser wie Füchse sind ebenfalls mögliche Überträger. Zur Grundimmunisierung sind drei Impfungen notwendig.

Wochenblatt: Malaria kommt in vielen tropischen Regionen vor. Wie kann man sich schützen?

Dr. Schaumburg: Eine wirksame Impfung gegen Malaria gibt es bislang nicht. Mückenschutz ist die beste Prophylaxe. In Gebieten mit hohem Risiko wie in Afrika, bestimmten Gebieten Indiens, entlegenen Regionen am Amazonasbecken oder in Papua-Neuguinea kann eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe in Form von Tabletten sinnvoll sein. Ansonsten kann der Arzt ein Stand-by-Mittel zur Notfall-Selbstbehandlung verordnen.

Wochenblatt: Wie sieht der perfekte Schutz gegen Zecken und Mücken aus?

Dr. Frieder Schaumburg: Tragen Sie helle geschlossene Kleidung, die den Körper bedeckt. Feines Gewebe sollte mit Permethrin imprägniert werden, damit Moskitos nicht durchstechen können. Moskitonetze gegen nachtaktive Mücken sollten eine Lochgröße zwischen 1,2 und 1,5 mm haben. Ganz wichtig sind insektenabweisende Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden und den Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid) enthalten. Sie bieten für vier bis sechs Stunden Schutz gegen die meisten stechendem Insekten.  

Wochenblatt: Wann sollte mit der Reiseimpfung spätestens begonnen werden?

Dr. Schaumburg: Für Reisen in tropische und subtropische Länder unter extrem einfachen Bedingungen sollte der Impfschutz sechs bis acht Wochen vor Abreise erfolgen. Je nach Impfstatus auch eher. Je nach Reiseziel können mehrere Impfungen im Abstand von einigen Wochen notwendig sein. Bei Impfungen gegen Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, Tollwut und Hepatitis B ist ein zeitlicher Mindestabstand von 10 Tagen bis drei Wochen zum Abreisedatum erforderlich.

Wochenblatt: Darf jeder geimpft werden?

Dr. Schaumburg: Nein. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten möglichst keine Impfungen durchgeführt werden. Auch bei akuten fieberhaften Infekten, behandlungsbedürftigen Krankheiten, Allergien gegen Impfbestandteile oder einer Immunschwäche ist davon abzuraten. 

Im Einzelfall kann es weitere Gründe geben, warum nicht geimpft werden darf. Da jede Impfung unerwünschte Nebenwirkungen bereiten kann, muss individuell das Risiko einer Impfung gegen den Nutzen dafür abgewogen werden.
 
Gerlinde Lütke Hockenbeck

Den vollständigen Artikel finden Sie auf den Gesundheitsseiten in der Wochenblatt-Ausgabe 23 / 2017.

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