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Kommentar: Wenn Marketing zu weit geht

Wie heißt das neue Museum eigentlich? Vor den Eingängen prangt in sehr großen und sehr golden schimmernden Lettern: „LWL-Museum für Kunst und Kultur“. Dieser Titel sorgt für viele Fragen – und das nicht nur bei internationalen Gästen. Auf der Eröffnungspressekonferenz musste der frisch gewählte Landesdirektor Matthias Löb das Kürzel erst einmal den auswärtigen Pressevertretern erklären – und wurde nicht gehört. So berichtete die Tagesschau ungerührt über das „Landesmuseum für Kunst und Kultur“, der Deutschlandfunk über das „Neue Museum für Kunst und Kultur“ oder noch knapper über das „Westfälische Landesmuseum“.

Unter diesem Namen hat das Haus mehr als 100 Jahre lang unbehelligt gearbeitet. In Münster, Westfalen und weit darüber hinaus hat es sich damit im Wortsinn einen Namen gemacht. Das änderte sich vor einigen Jahren, als Marketing und Markenwahn auch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erfasste. Seinerzeit verordnete er seinen Einrichtungen, die alteingeführten Namen um das Kürzel LWL zu erweitern. Ohne Not wurde dafür sogar das „Westfälisch“ in den Namen geopfert.

Besonders rücksichtslos, um nicht zu sagen: obszön haben nun die LWL-Marketingstrategen an der Front des neuen Landesmuseums zugeschlagen. Sie haben tief in eine Lichtskulptur von Otto Piene aus dem Jahr 1970 eingegriffen, nur um ihre drei Buchstaben in überdimensionaler Größe unterzubringen – die nebenan ohnehin zwei Mal an der Wand prangen!

Bislang hat die Öffentlichkeit nicht erfahren, wer im LWL die Idee zu diesem Übergriff hatte. Niemand brachte den Mut auf, sich dazu zu bekennen. Die sonst so beredte LWL-Kulturverwaltung schwieg zur teils heftigen Kritik, und aus dem Landesmuseum hieß es: Der – kürzlich verstorbene – Künstler Otto Piene habe dem Logo zugestimmt.

Naja. Das klingt eher verlegen, aber nicht nach einem überzeugenden Argument. Die Großbuchstaben jedenfalls wirken klotzig, gefallsüchtig – und haben nichts mit „Kunst und Kultur“ zu tun.

Und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe? Der kommunale Dachverband ist kein marktorientiertes Unternehmen, sondern eine Verwaltungsbehörde öffentlichen Rechts. Sie hat bewiesen: „Die öffentliche Hand kann bauen“, wie es der neue Landesdirektor Löb auf den Punkt gebracht hat. Das Museum ist also die beste Werbung in eigener Sache. Marketing-Mätzchen und Eigenwerbeblöcke in Kunstwerken können die „LWLer“ sich und dem Publikum getrost ersparen.

Gisbert Strotdrees

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