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Krippenausstellung in Telgte

Genug am Rad gedreht?

Hobby- und Profikünstler aus Westfalen gewinnen der Weihnachtsgeschichte noch immer etwas Neues ab. Sie sorgen auf der Telgter Krippenausstellung alljährlich für Überraschungen. Auch dieses Mal wieder.

­Eine Idee von ­Christian Nachtigäller aus Telgte: Wer an der Kurbel dreht, bekommt per Dynamo und Lampe ein Krippenschattenbild zu sehen.

Wer vor Weihnachten noch nicht genug „am Rad gedreht“ hat, kann das in Telgte nachholen. In der dortigen Krippenausstellung ist eine Fahrradgabel auf den Kopf gestellt, eine Kurbel steckt auf dem Rad und wer kräftig daran dreht, dem geht ein Licht auf: In der aufleuchtenden Fahrradfunzel ist das Schattenbild der Weihnachtsgeschichte zu erkennen. Aber Achtung! Nicht aufhören zu kurbeln, sonst ist das Licht aus – und das Bild weg ...

Diese hintersinnige Installation ist einer von 130 Beiträgen der diesjährigen Krippenausstellung. Sie findet zum mittlerweile 78. Mal in Telgte statt. Schauplatz ist das zweiteilige „Religio – West­fälisches Museum für religiöse Kultur“.

90 Künstlerinnen und Künstler aus Westfalen

Trotz ihres erstaunlich hohen Alters hat die Krippenschau bis heute ihren Reiz nicht verloren. Sie lockt nach wie vor viele Tausend Besucher an. Für nicht wenige gehört der Rundgang an den Weihnachtstagen oder ein Besuch in der Zeit zwischen den Jahren zum festen Ritual, wie die Museumsleiterin Anja Schöne zu berichten weiß.

Mehr als 90 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Westfalen, die meisten aus dem Münsterland, sowie einige Schulklassen, Kindergruppen und einzelne Kinder und Jugendliche haben etwas zur diesjährigen Ausstellung beigesteuert. Sie steht unter dem Motto: „Zur Krippe her kommet“, eine Zeile aus dem allseits bekannten Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“. Für die Museums­leiterin stellt es „ein schönes Beispiel für Ökumene“ dar. Denn die Verse aus dem 18. Jahrhundert stammen vom katholischen Pfarrer Christoph Schmid. Der evangelische Organist und Lehrer Friedrich Hermann Eickhoff aus Gütersloh verband dann im 19. Jahrhundert die Melodie mit dem Liedtext.

Wasserfarbe, Lindenholz, Tuffstein und: Radkappen

Der besondere Reiz der Telgter Krippenschau liegt darin, dass Profi-­Künstler sich ebenso beteiligen wie Laien – „vorausgesetzt, deren Arbeit hat eine museumswürdige künstlerische Qualität“, wie Anja Schöne anmerkt. Mit vielen Ideen wird letztlich ein und dieselbe Geschichte jedes Mal neu und anders erzählt – und dazu noch mithilfe einer Vielzahl unterschiedlicher Materalien.

Für die derzeitige Schau ­wurde geklöppelt, emailliert, mit Wasserfarben hantiert, in Lindenholz geschnitzt oder aus Tuffstein modelliert. Figuren aus Pfeifen­reinigern steuerten die Kinder einer Grundschulklasse aus Bösensell im Münsterland bei. Eine andere Kindergruppe aus Münster fertigte aus Kunststoff-Plastik­flaschen, Radkappen, Vogelschutz­netzen und ausgedienten Plastik-­Blumenköpfen eine „Recycling-­Krippe“. Baumberger Sandstein und westfälische Eiche fehlen als „Bau­material“ ebenso wenig wie Speckstein, Batik, Emaille – oder eben die Reste eines alten Fahrrades.

Geschnitzte Kunst aus Polen

Zu Lindenholz greift der polnische Bildhauer Roman Sledz, dem eine kleine Sonderausstellung in Telgte gewidmet ist. Sledz stammt aus Malinowka, einem kleinen Dorf unweit von Lublin im südöstlichen Polen. „Seine Bildhauerwerke sind von großer Ausdruckskraft, expressiv geschnitzt und von großer Dramatik“, fasst die Museumsleiterin Anja Schöne das Besondere dieses Künstlers zusammen, dessen Werke in diesem Jahr durch Polen und Deutschland wandern.

Gut zu wissen
Die Krippenausstellung im „Religio – Westfälisches Museum für religiöse Kultur“ (Herrenstraße 1–2) in Telgte ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. An den Festtagen gelten besondere Öffnungszeiten: Am 24. und 31. Dezember geschlossen. Am 25. Dezember und 1. Januar jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 5 €, ermäßigt 4 €, Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre haben freien Eintritt.
Begleitprogramm: Am vierten Adventssonntag, 23. Dezember, gibt es um 15 Uhr eine öffentliche Führung.Am 30. Dezember lädt das Museum zum „Jahresausklang“. Von 11 bis 18 Uhr gibt es Eiserkuchen, außerdem sind die Mittwinterhornbläser des Heimatvereins Wilsum zu Gast.
Am 4. Januar findet eine Lesung mit musikalischer Begleitung statt. Das Motto lautet: „Jedem ­Anfang wohnt ein Zauber inne.
Weitere Informationen: Tel. (0 25 04) 9 31 20, www.museum-religio.de.