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Schonkost für den Darm

Es gibt Nahrungsmittel, die viele Menschen mit Magen-Darm-Problemen schlecht vertragen. Verantwortlich dafür sind oft Nahrungsbestandteile, die von Darmbakterien vergoren werden.

Die Lebensmittel auf diesem Bild gelten als FODMAP-reiche Produkte. Foto: Kofoth

Es gibt Nahrungsmittel, die viele Menschen mit Magen-Darm-Problemen schlecht vertragen. Verantwortlich dafür sind oft Nahrungsbestandteile, die von Darmbakterien vergoren werden.

Viele Menschen leiden – oftmals jahrelang – unter Verdauungsbeschwerden. Die Symptome reichen von Magenschmerzen und Völlegefühl über Sodbrennen bis hin zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfällen. Häufig ist die Ursache eine Unverträglichkeit auf einen bestimmten Nahrungsbestandteil, zum Beispiel eine Lactose-, Fructose- oder Sorbitunverträglichkeit, oder eine Unverträglichkeit des Getreidebestandteils Gluten. Stellt der Arzt keine derartigen Unverträglichkeiten fest, entlässt er den Patienten nicht selten mit der Diagnose „Reizdarm“.

Was heißt FODMAP?
FODMAP ist eine Abkürzung für: Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und / and Polyole. Die Begriffe bedeuten im Einzelnen:
Fermentierbar: Diese Stoffe können von den Bakterien im Dickdarm abgebaut werden.
Oligosaccharide: Das ist eine andere Bezeichnung für Mehrfachzucker. Dazu gehören Kohlenhydrate wie Fruktane, Ga­laktane, Frukto-Oligosaccharide und Galakto-Oligosaccharide. Sie sind etwa in Gerste, Roggen, Weizen, Erbsen, Fenchel, Johannisbrot, Knoblauch, Lauch, Linsen und Zwiebeln enthalten.
Disaccharide: Damit sind Zweifachzucker gemeint. Das einzige Disaccharid, das als FODMAP wirken kann, ist Lactose. Sie ist vor allem in Joghurt, Milch und Sahne zu finden.
Monosaccharide: Sie werden auch als Einfachzucker bezeichnet. Fructose oder Fruchtzucker ist das einzige Monosaccharid, das als ­FODMAP wirken kann. Es ist in größeren Mengen in Äpfeln, Birnen, Honig, Kirschen, Maissirup oder Spargel enthalten.
Polyole: Das sind Zuckeralkohole wie Sorbit, Mannit, Maltit und Xylit. Reich an Polyolen sind beispielsweise Äpfel, Birnen, Kirschen, Nektarinen, Pflaumen, Diätprodukte, Kaugummi und Süßstoffe.

Die australische Diätologin Dr. Sue Shepherd hat für Menschen, die unter dem Reizdarm-Syndrom leiden, die „Low-FODMAP-Diät“ entwickelt, also eine Ernährungsweise mit möglichst wenigen FODMAPs. Sie haben drei Gemeinsamkeiten:

  • Sie werden im Dünndarm nicht bzw. kaum aufgenommen, weil sie entweder zu groß sind, die Transportkapazitäten durch die Darmwand begrenzt sind, oder es fehlen Enzyme, um die Nährstoffe zu resorbieren.
  • Sie haben eine hohe Wasserbindungskapazität. Dies kann zu weichem Stuhl bzw. Durchfällen führen.
  • Sie werden durch Darmbakterien vergoren, was zu vermehrter Gasbildung führt.

Surch die stark verarbeiteten Lebensmittel in Fertigprodukten nehmen wir eine große Menge von Zuckeraustauschstoffen und Zuckeralkoholen auf, die auch zu den FODMAPs zählen. Das kann mit ein Grund dafür sein, dass heute so viele Menschen unter Darmbeschwerden leiden.

So wenig wie möglich

Schränken Blähungen, Bauchkrämpfe, Verstopfung oder Durchfall die Lebensqualität ein, dann ist es einen Versuch wert, die Low-FODMAP-Diät zu testen. Auch Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, kann diese Ernährungsform helfen. Dabei werden die Menge und Verzehr-Häufigkeit der Lebensmittel reduziert, die viele FODMAPs enthalten. Grundsätzlich enthält fast jedes Lebensmittel irgendein FODMAP. Es gilt also das Prinzip: so wenig wie möglich.
Wer die Diät testen möchte, sollte sich an folgenden Ablauf halten:

  1. Voraussetzung für die Diät ist, dass Verdauungsbeschwerden bestehen, die keiner medizinischen Handlung bedürfen. Zöliakie, also Glutenunverträglichkeit, Lactose- oder Fructoseintoleranz sowie eine Sorbitunverträglichkeit sollten vorher abgeklärt sein. Liegt eine solche Unverträglichkeit vor, kann es schon ausreichen, auf den auslösenden Nahrungsbestandteil zu verzichten
  2. Informieren Sie sich darüber, welche Lebensmittel FODMAP-reich und welche FODMAP-arm sind. Überlegen sie, wie Sie ihre Ernährungsgewohnheiten entsprechend umstellen müssen.
  3. Für sechs bis acht Wochen sollten Sie eine strenge Diät einhalten und so wenig FODMAPs wie möglich zu sich nehmen.
  4. Dabei ermitteln Sie die individuelle Toleranzschwelle einzelner Lebensmittel, indem Sie nach und nach FODMAP-Gruppen wieder einführen.

Die Diät kann jeder in Eigenregie durchführen. Da sie jedoch mit vielen Einschränkungen bei der Lebensmittelauswahl verbunden ist, ist die Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft anzuraten. Denn es ist auch darauf zu achten, dass nicht die Gefahr einer Mangelernährung und damit einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen, Vitaminen oder Mineralstoffen entsteht.

Hohe Erfolgsquote

Die Erfahrungen unter anderem von Dr. Sue Shepherd zeigen, dass die Diät bei etwa drei von vier Patienten mit Reizdarm-Syndrom zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führt. Ist das nicht der Fall, wurde die Diät möglicherweise nicht streng genug eingehalten. Oder für die Beschwerden sind andere Nahrungsbestandteile verantwortlich. Denkbar ist auch – wie bei vielen anderen Krankheiten –, dass die Psyche eine Rolle spielt. Sandra Kalter

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema sowie weitere Beiträge zur Darmgesundheit finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe, Folge 24, vom 11. Juni 2015.