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Kastenstände: Hinz will „praxisgerechte Lösung“

Nach einem OVG-Urteil in Sachsen-Anhalt sind Kastenstände in der Sauenhaltung in die Diskussion geraten. Foto: Schulze Lohoff

10.01.2017 . Ein OVG-Urteil hat die Diskussion um die Gestaltung der Kastenstände in der Sauenhaltung befeuert. Welche Schlüsse Hessens Landwirtschaftsministerin Hinz (Grüne) zieht, war auf der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal zu hören.

Hessens Landwirtschaftsministerin Petra Hinz setzt auf Tierwohl in den Ställen, „auch wenn es dafür struktureller Änderungen bedarf“. Bei der Eröffnung der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal versprach die Grünen-Politikerin allerdings, dass die Landesregierung die landwirtschaftlichen Betriebe bei diesem Weg unterstützen und zeitlich nicht überfordern werde. Mit Blick auf den Erlass aus ihrem Haus zur Umsetzung des Urteils des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Sachsen-Anhalt zur Breite von Kastenständen in der Sauenhaltung stellte Hinz fest, dass es ihr dabei wichtig sei, „dass wir praxisgerechte Lösungen finden“.

Schmal: Sofortige Umsetzung bedeutet das Aus

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Karsten Schmal, warnte indes, dass die sofortige Umsetzung des OVG-Urteils das Aus für die hessische Sauenhaltung bedeuten würde. Die seit 2010 von den Behörden akzeptierte Größe der Kastenstände mit einer Mindestbreite von 65 cm beziehungsweise 75 cm stehe zur Disposition.

Schmal forderte einen Bestandsschutz für die bestehenden Zuchtsauenställe beziehungsweise für notwendige Anpassungen, angemessene, praxistaugliche Übergangsfristen und ein entsprechendes Förderprogramm. „Wenn wir die regionale Produktion von Fleisch- und Fleischerzeugnissen in Hessen erhalten wollen, brauchen unsere Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit“, betonte der HBV-Präsident.

"Dänisches Modell" als Vorbild

Der Hessische Bauernverband mahnte in einem Positionspapier klare rechtliche Vorgaben hinsichtlich der Kastenstände im Deckzentrum an, angelehnt an das „dänische Modell“. Zudem forderte er bundesweit, besser europaweit einheitliche Regelungen. Mit dem Erlass des hessischen Landwirtschaftsministeriums sieht der HBV der Behördenwillkür Tür und Tor geöffnet.

Der Verband wies darauf hin, dass die Stimmung unter den Sauenhaltern vor dem Hintergrund einer langanhaltenden katastrophalen Erlössituation sehr schlecht sei. Die wirtschaftliche Lage lasse momentan keine weiteren Investitionen zu. Laut HBV müssten bei Umsetzung des Urteils schätzungsweise mehr als 8.000 Sauen in Hessen geschlachtet werden. AgE

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