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Globaler Landkauf im sehr großen Stil?

Ackerland ist ein knappes Gut. Weltweit sichern sich immer mehr Staaten und Unternehmen ihre Ländereien, sagen Kritiker. Doch wie viele tun es wirklich? Ein Bericht bietet erstmals belastbare Zahlen – und einige Überraschungen.

Ackerland zur Erzeugung von Nahrungsmittel steht bei Käufern aus Malaysia und den USA hoch in Kurs. Foto: Wobser

Ackerland ist ein knapper werdendes Gut. Weltweit sichern sich immer mehr Staaten und Unternehmen ihre Ländereien, sagen Kritiker. Doch wie viele tun es wirklich? Ein Bericht des Hamburger Leibniz-Instituts bietet seit heute erstmals belastbare Zahlen.

Seit dem Jahr 2000 haben ausländische Investoren weltweit rund 26,7 Mio. ha land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen erworben. „Damit befinden sich rund zwei Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in ihrem Besitz“, teilte das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (German Institute of Global and Area Studies – GIGA) mit Sitz in Hamburg mit. Das Institut hat – nach einem Probelauf von 2012 – heute den ersten Bericht über internationale Vertragsabschlüsse zum Kauf von Agrarflächen veröffentlicht. Das Zustandekommen des GIGA-Berichts wurde von der EU-Kommission, dem Entwicklungsministerium in Berlin sowie seinen Schwesterministerien in Frankreich und der Schweiz unterstützt.

Die vom Hamburger Institut ermittelte Zahl liegt um ein Mehrfaches unter den Zahlen, die bislang zum globalen "land-grabbing" in Umlauf waren. Vor einem Jahr etwa hatte die internationale Entwicklungsorganisation "Oxfam" mit einer Schätzung für Aufsehen gesorgt. Demnach hätten ausländische Investoren seit 2001 in Entwicklungsländern mehr als 220 Mio. ha Land erworben oder oder gepachtet.

Von Pachtflächen ist im neuen GIGA-Bericht nicht die Rede, sondern ausschließlich von Käufen. Der Bericht stützt sich auf 1549 Landkäufe mit auswärtiger Beteiligung seit dem Jahr 2000. Von diesen Käufen seien 1204 tatsächlich abgeschlossen, weitere 212 würden derzeit noch beraten und seien noch nicht unterzeichnet. Zur Datengrundlage gehören aber auch 97 Kaufverträge, die gescheitert sind, deren Vertragsabschluss zurückgezogen wurde oder über die keine weiteren Informationen vorliegen.

Begehrtes Land in Afrika und Osteuropa

Trotz dieser Unschärfe gibt die GIGA-Studie einen detailreichen Einblick in das Ausmaß und die Besonderheiten der Landkäufe mit auswärtiger Beteiligung. Die meisten solcher Kaufverträge wurden demnach seit dem Jahr 2000 für Ackerland in Afrika abgeschlossen. Dort umfassten 422 Abkommen mit auswärtiger Beteiligung eine Gesamtfläche von 10 Mio. ha. Erstaunlich stark treten internationale Investoren in Osteuropa auf – genannt werden 96 Verkäufen und 5,1 Mio. ha Land –, ferner in Südostasien.

Gestaffelt nach einzelnen Staaten ergibt sich allerdings ein etwas anderes Bild. Demnach wechselten seit 2000 die meisten Flächen in diesen Ländern in auswärtigen Besitz:

  • Indonesien,
  • Ukraine,
  • Russland,
  • Papua-Neu Guinea,
  • Brasilien,
  • Argentinien,
  • Äthiopien,
  • Ghana,
  • Süd-Sudan,
  • Marokko.

Begehrt sind offenbar besonders Nutzflächen in der Nähe dicht besiedelter Gegenden. „Dies führt unvermeidlich zu einem erhöhten Wettbewerb um Land, was neue Konflikte zur Folge hat“, heißt es in dem GIGA-Bericht.

Wer sind die Käufer?

Als Käufer treten vor allem private Gesellschaften sowie börsennotierte Unternehmen auf. Eher nachrangig sind Investmentfonds (9 % der Verträge, 9 % der betroffenen Agrarfläche) und staatliche oder staatsnahe Unternehmen (6 % der Verträge, 4 % der Flächen).

An der Spitze liegen Käufer aus Malaysia. Sie haben seit 2000 insgesamt 3,7 Mio. ha Land erworben. Käufer den USA liegen an zweiter Stelle mit weltweit 3,3 Mio. ha erworbenen Landes. Abgeschlagen in der Rangliste folgen Großbritannien (1,8 Mio. ha), Singapur (1,7 Mio. ha), Saudi-Arabien (1,4 Mio. ha), den Niederlanden und Indien (jeweils 1,3 Mio. ha), Hongkong (1,1 Mio. ha), China (1 Mio ha) und Argentinien (0,7 Mio. ha).

Sind auch deutsche Unternehmen aktiv?

Investoren aus Deutschland spielen laut GIGA-Bericht nur eine nachrangige Rolle. Unter allen untersuchten 1549 Käufen waren Deutsche seit dem Jahr 2000 an 26 Kontrakten beteiligt, die insgesamt rund 433.000 ha Agrarland umfasst. Ausdrücklich nennt der GIGA-Bericht ein relativ neues deutsches Unternehmen namens „Amatheon Agri“ mit Firmensitz in Berlin. Es habe sich auf die Region südlich der Sahara konzentriert und sei seit 2013 vornehmlich in Samiba, Uganda und Zimbabwe aktiv geworden. Gisbert Strotdrees