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Milchpreisvergleich: Wenig Grund zum Feiern

Wochenblatt-Chefredakteur Anselm Richard.

Steigende Kosten, verschärfte Auflagen, schrumpfende Erlöse: Viele Milchviehhalter fühlen sich wie im Hamsterrad. Je nach Molkerei und Milchmenge trifft der Strukturwandel die Landwirte aber unterschiedlich hart.

Spaß macht das nicht: Die Erzeugerpreise für Milch sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr wieder um rund 2,5 Cent/kg gefallen. Keine Katastrophe vielleicht, aber von einer ordentlichen Ertragslage sind die Milchbauern noch ein Stück weiter entfernt als zuvor. Viele fühlen sich wie im Hamsterrad und rennen steigenden Kosten und schärferen Auflagen hinterher, während die Erlöse schrumpfen. Auch im laufenden Jahr sieht es nicht besser aus.

Unterschiede im Milchgeld

Gleichwohl trifft es die Landwirte unterschiedlich hart. Je nach Liefermenge und Molkerei erhielten die Bauern zwischen 31 und 37,5 Cent je Kilogramm Milch. Wie auch in den vergangenen Jahren, setzte die niederländische Genossenschaft FrieslandCampina die Maßstäbe, was das Milchgeld angeht. Sie rangiert unangefochten auf Platz eins auf der Hitliste der besten Auszahler. Dahinter mit spürbarem Abstand die international aufgestellte skandinavische Kooperative Arla Foods. Unterschiedliche Erfahrungen machten die Mitglieder von Hochwald-Milch und dem Deutschen Milchkontor (DMK). Während Hochwald die akute Schwächephase anscheinend überwunden hat, lässt die Leistungsfähigkeit beim DMK nach einer kurzen Erholung wieder zu wünschen übrig. Die größte deutsche Molkerei verfehlte in allen Kategorien den Durchschnitt.

Noch schlimmer freilich hat es die Lieferanten der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (BMG) im vergangenen Jahr getroffen. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet und kann das Milchgeld nicht mehr bezahlen. Dafür bluten viele Bauern.

Steigende Ansprüche, fehlende Honorierung

Wie kommen die Milchviehhalter nun weiter? Bei weiter wachsender Produktion (+1,4 % selbst im Dürrejahr 2018) und fortwährendem Strukturwandel kristallisiert sich heraus, dass die Aufgaben immer anspruchsvoller werden. Handel und Milchwerke stellen unentwegt neue Anforderungen an die Landwirte, meist ohne dass diese angemessen vergütet würden: Gentechnikfreiheit, Weidehaltung, Nachhaltigkeits- und Tierschutzprogramme, jedes im Detail etwas anders ausgestaltet. Nicht zu vergessen: die Flut der Dokumentationspflichten, auch staatlicherseits.

Auf eine Branchenstrategie der Milchwirtschaft warten die Bauern nach wie vor. Gerade sie sind darauf angewiesen, dass die Milchverarbeiter endlich einmal gemeinsame Sache machen, die Landwirte mitnehmen und am Erfolg beteiligen – nicht nur Sprüche klopfen. Die jüngsten Vertragsabschlüsse mit dem Einzelhandel sprechen nicht für marktgestalterische Kraft. Dabei ist die Wahl des richtigen Abnehmers für die Bauern existenziell. Zwei oder mehr Cent Unterschied beim Milchpreis entscheiden schnell über die Kapitaldienstfähigkeit, über den Zuschlag bei Pachtflächen, über die Wettbewerbsfähigkeit. Kurz gesagt: über Sein oder Nichtsein.