Kommentar

Waldbesitzer erhalten "Flächenprämie" - alles nur Schaufensterpolitik!

Mit 100 €/ha sollen Waldbesitzer ihre Einnahmen- und Bestandesverluste kompensieren, meinen jedenfalls Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulze (SPD). Für die Waldbesitzer ist das nicht mehr als ein „Taschengeld“.

Nach zähem Ringen konnten sich das CDU-geführte Bundeslandwirtschaftsministerium und das SPD-geführte Bundesumweltministerium auf eine Flächenprämie für die geschädigten Forstbetriebseigentümer einigen – genauer gesagt auf einen Entwurf. Das Ergebnis: einmalig 100 € bzw. 120 €/ha, je nach Zertifizierung. Mit dieser Summe sollen die Waldbesitzer Einnahmen- und Bestandesverluste kompensieren, so das ambitionierte Ziel von Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulze (SPD). Für die Waldbesitzer ist das jedoch nicht mehr als ein „Taschengeld“.

Das dritte Jahr in Folge breiten sich die Waldschäden aus, immer mehr Baumarten leiden unter der Trockenheit und sterben flächig ab. Die Folge sind mitunter komplette Vorratsverluste, von Fichte, Kiefer oder Buche. Großspurig mit hunderten Millionen Euro Förderhilfen um sich zu werfen, aber keinerlei Lösung für die massenhafte Käferausbreitung parat zu haben, ist schlichtweg Schaufensterpolitik.
Landwirtschaftsministerin Klöckner hatte bereits im vergangenen Jahr 800 Mio. € für alle betroffenen Betriebe bundesweit ausgelobten, hieraus resultiert nun diese Flächenprämie. Sie lässt die Waldbauern keinesfalls aufatmen, sondern sorgt für Frust, denn die Summe von 100 € entspricht etwa dem Festmeterpreis für gesunde Fichte, vor dem Sturm Friederike – dem Beginn der jetzigen Kalamität. Dass diese Summe nun die Vermögensverluste pro Hektar kompensieren soll, wenn auch nur teilweise, ist ein Witz.

Gleiches gilt für das „Investitionsprogramm Wald“, das Zuschüsse für den Kauf zum Beispiel von Aufarbeitungstechnik vorsieht. Diese Zuschüsse kommen deutlich zu spät, die meisten Betriebe haben bereits investiert. Die Folge: Fördergelder werden nicht abgerufen – das erweckt den Anschein, man benötige sie nicht.
Die Waldbesitzer brauchen ehrlich gemeinte Unterstützung. Ist ein Mischwald mit mehreren klimastabilen Baumarten das Maß aller Dinge, sind Kulturkosten von 4000 €/ha der Betrag, mit dem Waldeigentümer für die Wiederbewaldung kalkulieren. Sicherlich stehen für die Wiederaufforstung eigene Fördertöpfe bereit, den Aufwand an diese Gelder zu gelangen, beklagen aber Waldbauern und Forstbeamte gleichermaßen als unverhältnismäßig. Vereinfachte Förderverfahren wären ein sinnvoller Ansatz, den Waldbesitzern unter die Arme zu greifen. Das sollte auch im Sinne von Frau Schulze sein, wenn sie die angepeilten Klimaziele tatsächlich erreichen will.

Zudem sollten beide Ministerinnen für mehr Verständnis der Bevölkerung werben. Wenngleich viele Forstbetriebe auf Monokulturen aus Fichte oder Kiefer gesetzt hatten, ist es nicht fair, die jetzigen Probleme als „hausgemacht“ abzustempeln – wie es weite Teile der Bevölkerung den Waldbesitzern vorwerfen. Schließlich haben die Betriebe das Holz produziert, was nachgefragt worden ist. So selbstverständlich wie der Wald als Freizeit- und Erholungsraum genutzt wird, werden die Waldbauern jetzt mit den klimabedingten Waldschäden und der Wiederaufforstung alleine gelassen. Das unterstreicht diese Förderpolitik.



Diskussionen zum Artikel

von Joachim Kellermann Von Schele

Leider auch hier: Mehr als Symbolpolitik kommt nicht aus Berlin

Sehr treffend kommentiert, danke sehr!

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