Bauernverband

„Wir Frauen bringen uns bei jedem Thema ein“

Ein Interview mit Susanne Schulze-Bockeloh aus Münster, die als erste Frau in den Vorstand des Deutschen Bauernverbandes nachrückt.

Frau Schulze Bockeloh, herzlichen Glückwunsch: Der Weg, dass Sie erste Vizepräsidentin des DBV werden, ist geebnet. Wir groß ist die Freude?

Bei uns Frauen ist die Freude sehr groß, bei mir persönlich natürlich auch. Dass fast 90 % der Delegierten der Satzungsänderung zugestimmt haben, zeigt: Ein Großteil der Mitglieder begrüßt, dass künftig eine Frau im DBV-Vorstand ist.

Hatten Sie Zweifel?

Ich habe im Vorfeld etliche Gespräche geführt, mit Vertretern und Vertreterinnen aus allen Bundesländern. Es gab viel Zustimmung und die Hoffnung war groß, dass es gelingt. Aber klar: Bei einer Wahl weiß man nie. Es war eine ehrliche Wahl, darüber freue ich mich.

Was haben Sie nun konkret vor?

Im September erfolgt die Kooptierung, dann kann die Arbeit im DBV-Vorstand beginnen. Trotz Gremienerfahrung werde ich meine Rolle im Vorstand sicher erst finden müssen. Klar ist für mich aber: Wir Frauen bringen uns bei jedem Thema ein, mit Kompetenz und dem weiblichen Blick. Dabei ist mir die Rückkopplung zu unserem Ausschuss wichtig.

Im Vorstand sitzen fünf Männer, die Sie mitnehmen und gegebenenfalls auch überzeugen müssen.

Alle haben sich gefreut, dass künftig eine Frau dabei ist. Das ist eine Grundvoraussetzung für gute Zusammenarbeit. Unser Engagement kann nur gemeinsam erfolgreich sein. Dazu gehört die Sichtweisen der Frauen mutig in die Diskussion einzubringen. Wer mich kennt, weiß: Ich sträube mich nicht, alle Themen anzusprechen, auch die unangenehmen.

Neben Ihnen soll es weitere Frauen in den DBV-Gremien geben. Wie soll das klappen?

Das ist erklärtes Ziel. Dazu müssen wir die Frauen konkret fragen, was sie brauchen und wo wir unterstützen können. Frauen schultern Familie, Kinder, Betrieb, oft noch die Versorgung der Altenteiler und sollen sich dann noch ehrenamtlich engagieren. Das gelingt nur, wenn wir das so leicht wie möglich machen. Im Fachausschuss tagen wir zum Beispiel immer hybrid, damit die Unternehmerinnen auch digital teilnehmen können.

Macht der WLV genug, um Frauen zu gewinnen?

Die letzte Landesverbandsausschusssitzung hat mich positiv gestimmt: Es waren viel mehr jüngere und weibliche Delegierte dabei. Heißt: Bei den vergangenen Orts- und Kreisverbandswahlen haben mehr Jüngere und mehr Frauen ein Ehrenamt übernommen. Das ist auch das Ergebnis der Arbeit und vieler Gespräche der vergangenen Jahre. Und es gibt schon gezielte Nachfragen, wann wir einen Fachausschuss für Unternehmerinnen auf Landesebene gründen. In Baden-Württemberg gibt es diesen schon. Das muss nun aufs ganze Bundesgebiet ausstrahlen. Engagierte Unternehmerinnen also gerne bei mir melden.

Noch einmal zurück zur Bundesebene: Bis wann wollen Sie die ersten sichtbaren Akzente setzen?

Die auf dem Bauerntag begonnene Diskussion zum „Zukunftsbauern“ werden wir intensiv weiterführen und sicher starke Impulse geben – und zwar ab sofort.

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