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Gewalt an Pferden

Wer tut so etwas?

Gewalttätige Übergriffe auf Pferde machen Halter und Züchter fassungslos. Wer tut so etwas? Was sind die Motive? Wie können sich Pferdehalter schützen? Kriminal- und Pferdexperten suchten kürzlich in Münster-Handorf nach Antworten.

"Pferderipper", "Fetischsammler" bis hin zu brutalen Gewalttätern machen sich an Pferden zu schaffen.

Pferderipper im Kreis Warendorf schlägt erneut zu“ – eine solche Schlagzeile versetzt Stallbesitzer und Pferdehalter in große Angst und Sorge. Von 2015 bis September 2016 wurden 280 Fälle von Gewalt gegen Pferde in Deutschland bekannt. Diese Zahl nannte die Journalistin Carola Schiller kürzlich bei einem Seminar zum Thema „Schutz vor Gewalt gegen Pferde“ in Münster-Handorf. Eingeladen hatten die Deutsche Reiterliche Vereinigung, das Westfälische Pferde­stammbuch und der Pferdesportverband Westfalen, gemeinsam mit dem „Aktionsbündnis Pro Pferd“. Der Verein mit Sitz in Schleswig-Holstein kümmert sich seit 2014 intensiv um das Thema und unterstützt die wissenschaftliche Aufbereitung.

Spätestens, wenn ein Pferd verletzt wurde, ist dies auch für die Polizei keine Bagatelle mehr, betonte Dr. Helga Ihm, Kriminalpsychologin beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Denn das Potenzial von Menschen, die Tiere quälten, ist bedeutsam für mögliche spätere Delikte, bei denen gewalttätige Verhaltensmuster auch gegen Menschen umgesetzt werden.

Wie sollten sich Pferdehalter verhalten?

„Persönliche Sicherheit hat Vorrang. Blinder Aktionismus empfiehlt sich nie“, betonte Ihm. „Rufen Sie die Polizei und notieren Sie auffällige Kennzeichen“, lautete ihr Rat. „Und verändern Sie den Tatort nicht. Viele Spuren, die wichtige Hinweise liefern können, werden sonst zerstört.“

Im Rahmen einer kriminalistischen Auswertung wurden 210 Fälle auf Tatbestandsmerkmale analysiert. Dies führte zur Identifizierung von fünf typischen Mustern, die auf unterschiedliche Tätergruppen schließen lassen. Die Expertin beschrieb diese wie folgt:

  • In 40 % der Fälle handelt es sich um sexuell motivierte Gewalttäter. Sie wählen meist nur Stuten aus. Die Tatausführung wirkt eher spontan, zuweilen sogar improvisiert. Im Genitalbereich der Pferde wird oft scharfe Gewalt angewendet.
  • Der klassische Zoophiler („Tierliebende“): Er verzichtet auf Gewalt und möchte nur Sex, wobei das Pferd gezielt ausgewählt wird.
  • Als „Jäger mit eigener Handschrift“ bezeichnete die Kriminalpsychologin solche Täter, die Pferde mit einer Waffe (Schusswaffe, Armbrust oder Pfeil und Bogen) aus der Distanz töten und eine „Trophäe“, etwa ein Körperteil, mitnehmen.
  • Der „Fetisch-Sammler“ hat keine Geschlechtspräferenz. Dessen Ziel sind bestimmte Gegenstände bzw. Körperteile. „Typisch ist beispielsweise, dass der Schweif fehlt“, erklärte die Expertin.
  • Der „klassische Gewalttäter“ lebt negative Emotionen aus wie Wut oder Rache. Die Fallanalyse ergab, dass es sich bei den Opfern meist um Wallache handelt, die massiv im Bereich Kopf/Rumpf geschlagen wurden.

Auch Frauen sind Täter

Oft ist von „dem Täter“ die Rede. Doch es kann sich auch um eine Täterin handeln, wie der schockierende Bericht von Antje Müllenschläder zeigte. 2015 hatte bei der Pferdehalterin ein 19-jähriges Mädchen zweimal versucht, den Stall anzustecken. Zudem hatte sie dem Pony Kopf und Beine abgeschnitten.

Wie können sich Pferdehalter vor so etwas schützen? Alles verriegeln? Bei einem Stallbrand würde das zu Problemen führen. Regional bieten polizeiliche Beratungsstellen zur Kriminalprävention gute Unterstützung. „Auch unregelmäßige Kontrollen am Stall helfen“, informierte Schiller. Ihre grundsätzliche Empfehlung: „Melden Sie die Fälle beim Aktionsbündnis. Und sprechen Sie miteinander. Die Kommunikation zwischen Pferdehaltern ist mit der wichtigste Präventionsfaktor.“

Einen ausführlicheren Beitrag lesen Sie im aktuellen Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, folge 48, vom 29. November 2018.