Umbau der Sauenhaltung – jetzt wird’s ernst!

Seit dem 9. Februar gelten in Deutschland die Regelungen der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die vor allem Sauenhalter hart treffen.

Mit der Veröffentlichung der Verordnung im Bundesgesetzblatt beginnt für Sauenhalter ein neues Zeitalter: Viel Bewegung für die Sauen, 5 m²/Sau im Deckzentrum und 6,5 m² in der Abferkelbucht. Was gilt es dabei zu berücksichtigen? Wie lassen sich die Platzvorgaben realisieren? Und was kostet das Ganze?

Abstocken oder halten?

Dazu stellte Stallbauexperte Bernhard Feller von der Landwirtschaftskammer NRW im Wochenblatt-Forum drei Alternativen für einen Betrieb mit 252 Sauen vor.
Abstocken: Die geringsten Investitionskosten fallen beim Umbau von Deck- und Abferkelstall im bestehenden Gebäude an. Hier kalkuliert Feller mit 160  000 €. Dafür ist kein Bauantrag notwendig. Doch reduziert das den Bestand zwangsläufig auf 168 produzierende Sauen. Die jährlichen Investitionskosten plus entgangene Deckungsbeiträge belaufen sich auf 362 €/Sau.
Halten und auf Zeit spielen: Betrieben mit ungewisser Zukunft rät der Experte, zunächst nur das Deckzentrum durch Neubau einer Arena zu erweitern. Die Investition von 115  000 € kostet rund 46 €/Sau/Jahr. Vorteil: Der Bestand bleibt erhalten. Und der Betrieb gewinnt zwölf Jahre Zeit, bis Umbaukonzept und Bauantrag für den Abferkelbereich vorliegen müssen.
Deckzentrum und Abferkelbereich neu: Soll der Bestand dauerhaft erhalten bleiben, muss der Stall durch Neubauten im Deck- und Abferkelbereich erweitert werden. Das verursacht dem Experten zufolge Investitionen von bis zu 420  000 €. Die Kosten liegen bei 167 €/Sau/Jahr – knapp die Hälfte der Abstockungs-Variante. Durch eine angeschleppte Arena anstelle einer baulichen Erweiterung des Deckzentrums können laut Feller noch etwa 4 €/Sau/Jahr eingespart werden.

Knackpunkt Ferkelnest

Als großen Knackpunkt bezeichnete Feller das Ferkelnest. Künftig müssen alle Ferkel gleichzeitig ungehindert ruhen können. Die Vorgabe bezieht sich auf abgesetzte Ferkel. Das bedeutet: Ferkelnester werden künftig kritische Größen von über 1 m² erreichen – je nach Wurfgröße auch mehr. Für Sauen steigt somit die Wärmebelastung.
Besonders betroffen sind Biobetriebe. Aufgrund der langen Säugezeit muss das Bio-Ferkelnest auf bis zu 1,5 m² erweitert werden.
Und das Schlimmste: Für diese Regelung gibt es keine Übergangsfrist. Sie tritt sofort in Kraft.
Details zu den neuen Paragrafen werden in den nächsten Wochen durch Ausführungshinweise geregelt. Das sind Handlungsempfehlungen der Bundesländer an die Veterinärverwaltung. Genehmigungen und Kontrollen sollen so bundeseinheitlich erfolgen.


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