Strohdusche: Kein System von der Stange

Eine automatische Strohverteilung reizt viele Schweinehalter – trotz hoher Investitionskosten. Umso wichtiger, dass die Technik optimal zum Betrieb passt.

Ein System von der Stange wollte Philipp Eickholt auf keinen Fall haben. Deshalb stellte der Agrarstudent sich seine eigene automatische Strohverteilung zusammen. Vor zwei Jahren ergänzte er den heimischen Betrieb im Münsterland um einen Maststall für 1400 Tiere. Damals plante er, an einem Ringelschwanz-Programm teilzunehmen.

Daher tüftelte er mit Genossenschaftsberater Andreas Koch ein passendes Konzept für seinen Stallbau aus – inklusive Strohdusche. Das Besondere: eine Hochdruckvernebelung gegen Staub und Hitze. Aus dem Programm ist leider noch nichts geworden. Mit Außenklima wäre das einfacher. Dennoch profitiert Eickholt heute von seiner professionellen Stalleinrichtung. „Die Tiere sind sehr ruhig und bringen gute Leistungen“, bestätigt Erzeugerring-Berater Josef Raming.

Erzeugerring-Berater Josef Raming begutachtet die Strohventile in Eickholts Stall. (Bildquelle: Schulze Lohoff)

Besonderheiten im Stall

Die strukturierten Buchten mit Breifutterautomaten bieten Platz für jeweils 58 Schweine. Besonders wichtig war dem Junglandwirt ein flexibles System, um das Raufutter zu verteilen. Sich auf bestimmte Mengen oder Zeiten festlegen? Alles auf Stroh auslegen? Lieber nicht. „Wer weiß, vielleicht verfüttern wir auf Dauer auch gehäckselte Möhren oder Eicheln“, gibt Eickholt zu bedenken. Daher besorgte er bei einem Stahlhändler große Rohre mit 80 mm Durchmesser und montierte sie selbst.

Landwirt Philipp Eickholt studiert Agrarwirtschaft in Soest. (Bildquelle: Schulze Lohoff)

24 Strohventile

Mit der Firma Witte-Lastrup holte sich Eickholt einen Spezialisten für Rohrkettenförderung ins Boot. Eine endlos umlaufende Förderkette schickt aktuell Häckselstroh im Slalom zu 24 Abwurfstellen im Stall. Für jedes pneumatisch gesteuerte Ventil kann der Landwirt eine individuelle Zeit programmieren. Problembuchten bekommen so mehr. Die Anlage füttert aktuell fünfmal täglich, vor allem am Vor- und Nachmittag, wenn die Schweine besonders aktiv sind.

Dank Ökospalten mit nur 7 % Schlitzanteil bleibt das Raufutter in der Mitte der Bucht eine Weile liegen. Diesen Bereich halten die Tiere von sich aus sauber. (Bildquelle: Schulze Lohoff)

30 Ballen pro Jahr

Draußen befüllt Eickholt das Raufuttersystem über eine Annahme der Firma Pumpe mit Stopfschnecke. Dafür hat er Großballen aus gehäckseltem Stroh eingelagert. Ein Doppelschwert am Boden des Behälters lockert das Material mit kreisenden Bewegungen auf. Die Quaderballen dürfen nicht länger als 1,3 m sein. Beim Auflösen explodieren sie förmlich und der Behälter ist schnell voll. Eickholts Jahresbedarf liegt bei etwa 30 Ballen.

Die Annahme für Strohballen steht draußen am Giebel des Stalls. (Bildquelle: Schulze Lohoff)

Gegen Staub und Hitze

Strohdusche und Wasservernebelung (Bildquelle: Schulze Lohoff)

Zurück im Stall: Knapp 1 m neben den Strohventilen sitzen Düsen der Firma HDT, die mit 130 bar Wasser vernebeln. Bei schlechter Strohqualität helfen sie Eickholt, den Staub zu binden. Aufgrund der guten Ernte in den letzten Jahren hatte er damit zum Glück noch keine Probleme. Aber auch im Hochsommer ist die Technik Gold wert. Die Stalltemperatur lässt sich um bis zu 4 °C senken. Jetzt ist der halbe Stall damit ausgerüstet. Eine Erweiterung würde rund 5 €/Mastplatz kosten. Teuer sind vor allem die Hochdruckschläuche. „Neue Düsen könnte ich näher an die Zuluft setzen, um noch gleichmäßiger zu kühlen“, überlegt Eickholt.

Die eigentliche Strohanlage hat ihn dank hoher Eigenleistung pro Mastplatz nur etwa 26 € netto gekostet. Das liegt allerdings über zwei Jahre zurück. Aufgrund gestiegener Preise dürfte ein ähnliches Vorhaben mittlerweile deutlich teurer sein.

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