Berufsverband Rindermast

Stimme für Rindermäster

Der Berufsverband Rindermast hat sich vor einem Jahr gegründet mit dem Ziel, ein zentrales Sprachrohr für die deutsche Rindermast zu sein. Was hat der Verein erreicht und was sind die nächsten Ziele?

Auf die deutsche Rindermast kommt viel zu: „Dass eine Veränderung eintritt ist unumstritten. Aber wir müssen diese mitgestalten und unsere Chance nutzen, als Praktiker gehört zu werden“, betonte Fokke Stöver, Bullenmäster und erster Vorsitzender des Berufsverbands Rindermast (BVRM). Der Verein hat sich vor einem Jahr gegründet und inzwischen 122 Rindermäster als Mitglieder und bündelt rund 35 000 Bullen. Außerdem gehören noch fünf Fördermitglieder dazu. „Kommendes Jahr hoffen wir auf doppelt so hohe Zahlen“, erklärte Matthias Lambers, Geschäftsführer des Verbands, bei der gestrigen Mitgliederversammlung.

Entwicklung und Ziele

Besonders freuen sich die Mitglieder, dass im Juni 2021 drei Mäster in die Borchert-Kommission berufen wurden. „Wir haben echt gekämpft, um mit in den Gremien zu sitzen und sind stolz, dass wir das als so junger Verband geschafft haben“, betonte Stöver. Auch die Mitgliedschaft im Verband Rind und Schwein gehört zu den Meilensteinen. Für 2022 hat sich der BVRM ambitionierte Ziele gesetzt. Zu den internen gehören unter anderem, Organisation und Abläufe zu straffen, kürzere Reaktionszeiten zu wichtigen Themen, Arbeitsgruppen zu bilden und Mitarbeiter einzustellen. Aber auch die externen Ziele stellte der Vorsitzende vor:

  • Bekanntheitsgrad erhöhen,
  • Weitere Mäster überzeugen und als Mitglieder gewinnen,
  • Finanziellen Spielraum erhöhen (über mehr Mitglieder und entsprechende Beitragszahlungen),
  • Politisches Netzwerk in Berlin erweitern: „Wir wollen Cem Özdemir treffen und unsere Sichtweisen vorstellen“, erklärte Stöver.
  • Zukunftskommission Landwirtschaft: „Wir wollen die Fortsetzung der Arbeit einfordern.“ Der Vorsitzende hofft, dass die Ampel-Koalition das Borchert-Konstrukt weiter mitnimmt und nicht alle Arbeit umsonst war. Der Verband hatte die Kommission auf zwei Praxisbetriebe eingeladen. Diese Besuche mussten corona-bedingt abgesagt werden. „Wir wollen diese aber unbedingt nachholen“, sagte Stöver.
  • Haltungsform-Stufe 3: Der BVRM will die Vertragskonstrukte und Rahmenbedingungen der verschiedenen Unternehmen vergleichen. „Ich rate allen, nicht vorschnell zu unterschreiben, sondern Risiken und Chancen für den Betrieb auszuloten", so Stöver.
  • Initiative Tierwohl (ITW) Rindfleisch: Der Verband will die Einführung begleiten und offene Fragen aus Mästersicht klären. „Gerade die Abrechnung der Boni und Zuschläge muss noch geklärt werden“, führte Stöver aus. Außerdem sei noch offen, ob sich Mäster vertraglich an einen Schlachthof binden müssten oder ihre Bullen trotzdem frei vermarkten können.

Varianz in der Ausschlachtung

Die Mitglieder des BVRM haben jederzeit die Möglichkeit sich mit Themen an den Vorstand zu wenden. Dabei ist das Thema Ausschlachtung aufgekommen. Bullenmäster Bernd Telgmann, selbst auch vom ersten Gründungstag mit im Verein, stellte Auslöser für Abweichungen bei den Ausschlachtungen der Bullen vor. Punkte, die Mäster selber beeinflussen können, sind unter anderem:

  • Fütterung: Werden die Bullen bei vollem oder leerem Trog verladen?
  • Verladen und Transportdauer: Das Verladen muss möglichst ruhig verlaufen, sodass sich die Tiere nicht aufregen. Bei der Transportlänge gilt: Je kürzer, desto besser für die Ausschlachtung.
  • Absprache mit Händler und Schlachthof: Tiere müssen möglichst direkt geschlachtet werden.

Abweichungen in der Ausschlachtung können aber auch von Seiten des Schlachthofs verursacht werden, erklärte Telgmann. Diese sind für Landwirte nicht zu beeinflussen. Dazu gehören:

  • Wartezeiten der Tiere bis zur Schlachtung: Die Verweildauer darf nicht zu lange sein.
  • Schnittführung am Schlachthof.
  • Ver- und Bearbeitung der Schlachtkörper am Schlachtband.

„Eine Ausschlachtungsdifferenz von 1,5 bis 2 % kann 70 € Verlust pro Tier bedeuten!“, warnte Telgmann seine Berufskollegen. „Das sind 2000 € pro Zug (28 Tiere) und bedeutet bei 300 geschlachteten Tieren im Jahr rund 22 000 € Verlust.“ Um diesem Problem entgegenzuwirken riet er: „Wiegt eure Tiere lebend zur Kontrolle der Schlachtunternehmen!“

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