Sonnenblumen- statt Sojaschrot?

Kann Sonnenblumenextraktionsschrot eine Alternative zum herkömmlichen Sojaschrot sein? Das wurde am Zentrum für Tierhaltung und Technik in Iden (Sachsen-Anhalt) untersucht.

Schweine brauchen hochwertiges Futtereiweiß, deshalb ist der Einsatz von Sojaextraktionsschrot (SES) seit Jahren weit verbreitet. Allerdings stehen die Sojabohnenimporte aus Nord- und Südamerika in der Kritik: Knackpunkte sind unter anderem der hohen Anteil gentechnisch veränderter Ware (GVO-Ware) und die fortschreitende Landnutzung (Urwaldrodung) für neue Anbauflächen.

In Deutschland wächst daher der Druck auf die Tierhalter, Alternativen zum hohen Sojaeinsatz zu entwickeln. Zudem spielt die GVO-freie Fütterung bei fast allen großen Handelsunternehmen mittlerweile zumindest für einen Teil ihrer Eigenmarken eine Rolle. Ob sie irgendwann quasi zum Standard wird, wie bei der Milch, bleibt aber abzuwarten.

Soja-Alternativen gesucht

Auf jeden Fall tun die heimischen Landwirte gut daran, sich mit Soja-­Alternativen zu beschäftigen. Hier kommen in erster Linie verschiedene heimische Eiweißfutter in­frage, die aber leider nur begrenzt verfügbar sind: Der Rapsanbau ­beispielsweise ist durch die Fruchtfolge limitiert, der Einsatz von Rapsextraktionsschrot (RES) durch die wirtschaftliche Vorzüglichkeit in Milchkuhrationen, in welche das meiste RES geht. Körnerleguminosen wie Erbsen und Bohnen lassen sich prinzipiell gut in der Schweinefütterung einsetzen. Ihr Anbauumfang ist aber trotz attraktiver Förderung bislang regional begrenzt.

Als mögliche weitere Komponenten für eine sojareduzierte und/oder GVO-freie Schweinefütterung bieten sich daher Sonnen­blumen­extraktionsschrote an. Diese können beim Proteingehalt und bei der Verdaulichkeit allerdings nicht mit üblichem Hochprotein-(HP)-Sojaschrot mithalten.

Diese Lücke soll jetzt ein HP-Sonnenblumenextraktionsschrot aus geschälter Saat füllen, bei welchem durch mehrmaliges Sieben ein höherer Nährstoffgehalt erreicht wird. Das Produkt mit dem Namen „Sunpro 46“ wurde am Zentrum für Tierhaltung und Technik der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Iden näher unter die Lupe genommen und in der Schweinemast getestet.

Wenig Lysin, viel Methionin

Das im Versuch eingesetzte Futtermittel wurde im Labor untersucht. Dabei wurde der angegebene Rohprotein­gehalt von 46 % erreicht. Betrachtet man die essenziellen Aminosäuren, fällt auf, dass Sunpro 46 gegenüber Sojaextraktionsschrot nur etwa die Hälfte an Lysin, aber das eineinhalbfache an Methionin enthält. Diese Unterschiede lassen sich jedoch problemlos über freie Aminosäuren ausgleichen. Da es sich um ein Extraktionsschrot aus geschälter Saat handelt, ist auch der Rohfasergehalt mit 7,6 % relativ niedrig.

Von Nachteil bei diesem Produkt ist allerdings der hohe P-Gehalt (1,54 %) beim Einsatz in Betrieben mit hohem Viehbesatz und der damit nötigen P-reduzierten Fütterung. Lösungen könnten hier in einer Kombination mit Körnerleguminosen (diese enthalten wenig P) und einem Verzicht auf phosphorhaltige Mineralfutter bei gleichzeitig erhöhtem Phytaseeinsatz bestehen. Ausreichend Substrat für das Enzym ist mit 8,9 g phytingebundenem P je kg Futter jedenfalls vorhanden.

Versuch mit vier Varianten

Im Idener Versuch wurden vier Futterkonzepte mit – bis auf Phosphor – gleichwertigen Inhaltsstoffen verglichen:

  • Kontrollvariante A mit über die Mastdauer geringer werdendem Sojaschroteinsatz als Eiweißquelle.
  • Mischung B, bei der Sojaschrot durch Sunpro 46 ausgetauscht wurde.
  • Bei Variante C wurde ein Teil des Sonnenblumenextraktionsschrotes durch Erbsen ersetzt, um den Phosphorgehalt leicht zu senken.
  • Dieses galt auch für Fütterungsvariante D, bei der zusätzlich auf den Einsatz von mineralischem Phosphor verzichtet, im Gegenzug aber der Phytase­zusatz verdoppelt wurde.

In die Untersuchung wurden 192 Mastschweine einbezogen. Es handelte sich dabei um eine übliche Mastkreuzung mit Piétrainvater. Die Tiere wurden zufällig auf die vier Varianten verteilt und parallel in vier identischen Stallabteilen gemästet, deren technische Ausstattung eine Erfassung der Einzel­tier-Futteraufnahme ermöglichte. Die Auswertung dieses Merkmals ergab jedoch keine Unter­schiede zwischen den vier Fütterungs­konzepten.

Schmeckt's den Schweinen?

Ein Ver­zehrs­rückgang durch eine geschmackliche Störung, die immer mal wieder beim Einsatz von Sonnenblumenextraktionsschrot diskutiert wird, war nicht festzustellen – auch nicht im Vormastbereich bei einer Einmischrate von mehr als 16 %. Im Gegenteil: Die Zunahmen in der Gesamtmast waren mit annähernd 900 g je Tier und Tag gut (Übersicht 1). Auch hier zeigten sich ­keine Unterschiede zwischen den Fütterungsvarianten, was für eine gleich gute Verwertung von Sojaschrot und Sonnenblumenextraktionsschrot spricht.

Im Bereich der Fleischleistungszahlen konnten ebenfalls keine Unterschiede zwischen den Gruppen erkannt werden. Alle Varianten wiesen zum Beispiel im Punkt Muskelfleischanteil (nach FOM-Nadelklassifizierung) Werte von gut 60 % auf. Und dies bei gleichen Schlachtgewichten und einer einheitlichen Ausschlachtung von etwa 79 %. Die Fleischqualität war in allen vier Versuchsvarianten gut.

Der Futterpreis entscheidet

Die biologischen Leistungen in den verschiedenen Versuchsgruppen unterschieden sich also nicht. Doch wie steht es um die Ökonomie? Hier sind die Futterkosten entscheidend: Weil Sonnenblumenschrot teurer ist als herkömmliches Sojaschrot, steigen die Futterkosten durch den Austausch aktuell etwa um 3,50 bis 4 € pro Tier.

Im Vergleich zu GVO-freiem Sojaschrot schneidet Sunpro 46 dagegen derzeit leicht besser ab (0,20 bis 0,80 €/Tier). Es bleibt jedoch abzuwarten, welcher Marktpreis sich längerfristig für Sunpro 46 herausbilden wird. Außerdem sollte eine GVO-freie Fütterung natürlich mit deutlich höheren Schlachterlösen einhergehen. Das wäre dann gegen­zurechnen.

Zusätzlich stellt sich noch die Frage der Phosphorbilanz. Für deren Berechnung wurden die analysierten P-Werte der Futtermittel herangezogen. Durch den Austausch von Soja- durch Sonnenblumenextraktionsschrot stiegen die P-Ausscheidungen um rund 16 % in Variante B (Übersicht 1). Die Kombination von Sunpro und Erbsen (Variante C) landet bei 108 %, während das Fütterungskonzept D mit der höheren Phytasezulage und der damit einhergehenden Mineralfutteranpassung in der P-Bilanz sogar knapp unterhalb der Kon­trollgruppe A landet.

Sonnenblumenschrot auch für Ferkel

Zusätzlich zum Einsatz bei Mastschweinen wurde in der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden auch die Eignung von Hochprotein-Sonnenblumenextraktionsschrot in der Ferkelfütterung untersucht. Aufzuchtferkel stellen schließlich deutlich höhere Ansprüche an das Futterprotein bzw. die darin enthaltenen Aminosäuren. Viele Futtermittel, wie Rapsschrot oder Körnerleguminosen können nicht in den Größenordnungen eingesetzt werden wie beim Mastschwein.

Im Versuch kamen zwei verschiedene Futtermischungen zum Einsatz, jeweils nach dem DLG-Standard für Ferkelfutter konzipiert. Der einzige Unterschied bestand im Proteinfuttermittel: Während in der Kontrollgruppe ausschließlich Sojaextraktionsschrot eingesetzt wurde, enthielt die Versuchsgruppe ausschließlich das HP-Sonnenblumenschrot „Sunpro 46“ mit knapp 5 % Mischungsanteil im Ferkelaufzuchtfutter I (FAZ I, bis 21. Aufzuchttag) und gut 15 % im FAZ II. Die Aminosäurengehalte wurden über freie Aminosäuren auf Basis praecaecaler Verdaulichkeit ausgeglichen.

Insgesamt wurden mit beiden Futtermitteln sehr hohe Zunahmen erzielt (siehe Übersicht 2). Auch die Ferkel, die mit dem Sonnenblumenextraktionsfutter gefüttert wurden, nahmen im Verlauf der Aufzucht im Mittel deutlich über 500 g pro Tag zu. Mit der sojabasierten Ration waren die Zunahmen allerdings etwa 30 g höher. Die Steigerung war ausschließlich der höheren Futteraufnahme zu verdanken (850 statt 800 g/Tier und Tag). Damit erreichten beide Gruppen eine fast identische Futterverwertung. Sie brauchten also gleich viel Futter für 1 kg zusätzliches Körpergewicht.

Da die höheren Gewichte nur durch höhere Futteraufnahmen erzielt wurden, lagen die Futterkosten je Ferkel in der Kontrollgruppe mit ­Sojaschrot höher: Wird – wie im Versuch – herkömmliches Sojaschrot gefüttert, verteuert sich die Aufzucht bei aktuellen SES-Preisen um etwa 0,50 €/Ferkel. Setzt man GVO-freies Sojaschrot ein, liegen die Futterkosten etwa um 1 €/Ferkel über denen der mit Sunpro 46 gefütterten Gruppe. Demgegenüber stehen die höhere Verkaufsgewichte der Sojagruppe. Diese Ferkel waren im Schnitt 1,2 kg schwerer und brachten im Verkauf mehr Geld.

Je nachdem, wie die Zusatzgewichte abgerechnet werden, ergeben sich daraus Mehrerlöse von 0,60 €/Ferkel (bei 0,50 € Zuschlag je kg Ferkelgewicht über 30 kg) bis 0,90 €/Ferkel (bei 0,75 €/kg Zusatzgewicht). Die Idener Versuchsferkel wurden mit 0,50 €/kg Gewichtszuschlag abgerechnet. Hier stand die Sojagruppe also am Ende betriebswirtschaftlich minimal besser da (0,50 €/Ferkel höhere Futterkosten, aber 0,60 € höhere Erlöse) als die Sunpro-46-Ferkel. Im Vergleich mit dem teureren GVO-freien Sojaschrot hat das HP-Sonnenblumenextraktionsschrot allerdings leicht die Nase vorne.

Insgesamt wurde das eingesetzte HP-Sonnenblumenschrot von den Ferkel gut gefressen und verdaut. Ein Einsatz in der Ferkelaufzucht ist also auf jeden Fall möglich.


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