Weniger Jungsauen, mehr Endstufensperma

SNW-Generalversammlung: Topigs zuversichtlich

Immer weniger Sauenhaltung bedeutet auch sinkenden Umsatz für Zuchtunternehmen. Doch Topigs bleibt optimistisch. Das veranschaulichte die Generalversammlung der Schweineerzeuger Nord-West.

Nur noch 1 Mio. Sauen in Deutschland bis 2025 – das ist die Prognose des Zuchtunternehmens Topigs-SNW aus Senden. Trotzdem verbreitete Geschäftsführer Eduard Eissing auf der Versammlung der Schweineerzeuger Nord-West eG (SNW) vergangene Woche Mittwoch vorsichtigen Optimismus: „Mittlerweile ist der Bestandsabbau ein europaweites Phänomen. Wir sind aber schon krisenerprobter als andere Länder und – zum Beispiel in Sachen Tierwohl – immer einen Schritt voraus.“ So könne sich das Blatt bald wieder wenden.

Jahresüberschuss halbiert

Trotzdem muss Topigs den Fakten ins Auge sehen: Der Jungsauenverkauf brach im vergangenen Jahr um 12 % ein. Immer mehr Sauenhalter steigen aus, senken die Remontierungsrate oder stornieren kurzfristig ihre Bestellung. Folglich halbierte sich der Jahresüberschuss der SNW 2021 im Vergleich zum Vorjahr nahezu.

27 Mio. für Forschung

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, investiert Topigs-Norsvin weltweit 27 Mio. € pro Jahr in Forschung und Entwicklung. „Für uns rücken Robustheit und Sozialverhalten immer mehr in den Fokus“, stellte Projektmanagerin Stephanie Nuphaus klar. „Tageszunahmen kann jeder.“

Gerade erforscht sie mit ihren Kollegen, ob es eine Erblichkeitsrate für sogenannte Opfertiere gibt. Also die Tiere, die sich von anderen beißen lassen und besonders zu Ohrrandnekrosen oder Schwanzverletzungen neigen. Die Zuchttiere bei Topigs stehen dank Kamerasystem und künstlicher Intelligenz permanent unter Beobachtung. Der Computer kann die Beziehung aller Schweine untereinander haarklein auswerten. Der Aufwand ist beträchtlich: Für einen aktuellen Mastversuch wurden 10 km Datenkabel verlegt.

Fleisch zu teuer für Verbraucher

Auch bei der Fleischqualität sei noch viel Luft nach oben, versicherte Nuphaus. Doch der feinmarmorierte Iberduroc – ein erster Ansatz in diese Richtung – findet noch nicht gerade reißenden Absatz. „Für teures Fleisch fehlt den meisten gerade eben doch das Geld“, resümierte SNW-Vorstand Ludger Overhues.

Schlachthöfe und Lebensmitteleinzelhandel in der Kritik

Für Diskussionsbedarf bei den anwesenden Landwirten sorgte auch die mangeldnde Vertragstreue seitens Lebensmitteleinzelhandel und Schlachthöfen, etwa für die Initiative Tierwohl. Vor einem Jahr war die Euphorie groß. Jetzt herrscht Ernüchterung.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erntete harrsche Kritik. Die versammelten Schweinehalter waren sich einig: Wenn schon das Label des Handels keine Abnahme garantiert, wird das auch der fünfstufige Plan der Bundesregierung nicht.

Aufsichtsrat der SNW

  • Neu in den Aufsichtsrat der SNW wählte die Versammlung Sauenhalter Dirk Schulz aus Dülmen.
  • Otger Buß schied aus Altersgründen aus.
  • Christina Heinker wurde wiedergewählt.

Weniger Jungsauen, mehr Sperma

Die Schweineerzeuger Nord-West kamen 2021 auf folgendes Ergebnis:

  • 2,75 Mio. € Bilanzsumme
  • zu 97 % von Eigenkapital gedeckt (2,67 Mio. €)
  • 26  597 € Bilanzgewinn
  • 33  297 € Jahresüberschuss (2020 noch 60  325 €)

So lief es beim Tochterunternehmen Topigs-SNW GmbH:

  • 136  352 Jungsauen verkauft, davon lassen sich 60  082 Sauen zur Eigenremontierung zählen
  • etwa 25 % Marktanteil bei den Jungsauen
  • 1,59 Mio. Tuben Endstufensperma verkauft, aktuell entfallen 53 % auf den Eber TN Tempo

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