Haltungsformkennzeichnung

Milch: Handel prescht vor

QM+ und Initiative Tierwohl Rind für Haltungsform 2 sind eingetütet. Doch nun spricht der Handel vermehrt über Haltungsformen 3 und 4.

Von diesem Jahr an will der Handel auch Trinkmilch mit Haltungsform-Stufen kennzeichnen. „Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil Tierwohlmilch im Regal des Lebensmitteleinzelhandels erhöht“, erklärte Klaus Rufli von QM-Milch beim DBV-Fachforum Milch am Montag. QM-Milch hat das QMilch-Programm entwickelt, welches in das vierstufige Haltungsformsystem des Handels eingeordnet werden kann. In Stufe 1 findet sich künftig der QM-Standard, in Stufe 2 QM+, das am 1. April an den Start gehen soll. Zum 1. Juli sollen voraussichtlich die Kriterien für QM++ (Haltungsform 3) stehen, sagte Rufli.

Wettrennen um Haltungsformen

Edeka, Aldi und Co sind zuletzt mit Ankündigungen für höhere Haltungsstufen in die Medien gegangen. „So kündigte Aldi an, dass bis 2030 seine gesamte Milch aus den Stufen 3 und 4 stammt“, sagte Rufli. Doch was genau bedeutet „seine Milch“? Denn in den Fußnoten hält Aldi fest, dass es um den Umsatz in Deutschland mit Trinkmilch der Eigenmarken geht – Marken­artikel und internationale Spezialitäten ausgeschlossen. Daraus ergeben sich für Rufli einige Fragen:

  • Warum spielen für Aldi Haltungsformen nur auf dem deutschen Markt eine Rolle?
  • Warum nur auf Trinkmilch, nicht auf Yoghurt, Käse usw.?
  • Warum sind ausländische Milcherzeugnisse ausgenommen?
  • Der Handel möchte künftig auf Haltungsform 1 verzichten. Was heißt das für deutsche Milchviehhalter?

„Einen Nutzen haben die Kuh­bauern, die sich an die neuen Gegebenheiten anpassen können, für ­alle anderen entsteht ein großes Fragezeichen“, so Rufli.

Bauern sollen sich gedulden

Dass viel auf die Milchviehhalter zukommt, weiß auch Dr. Ophelia Nick, Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Sie betonte, dass die Ampel-Regierung mit Hochdruck an der Kennzeichnung von Lebensmitteln arbeite. Dennoch bat sie um mehr Geduld. „Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Standards jetzt gesetzt werden und so schnell sind wir nicht“, erklärte Nick.

Außerdem riet sie den Milchviehhaltern mit Haltungsform 1 oder ganzjähriger Anbindehaltung, sich früh Gedanken für Veränderungen zu machen. Zu der Finan­zierung der Transformation könne sie aber noch nichts sagen. Ziel sei jedoch, möglichst alle Milchbauern mitzunehmen. DBV-Vizepräsident Karsten Schmal wies darauf hin, dass, um alle mitzunehmen, das Baurecht geändert werden müsse. Momentan seien Neubauten nicht bezahlbar. Das betreffe vor allem kleine Betriebe.

Handel will Transformation der Landwirtschaft jetzt

Der Handel will die Transformation unbedingt voranbringen. „Verbraucher wollen Tierwohl“, sagte Mario Elbers von Aldi Nord. Allerdings brauche der Handel einen Schulterschluss mit allen Beteiligten. Generalsekretär und Moderator Bernhard Krüsken fragte direkt nach, wie die Preiserhöhung von 3 Cent/l Trinkmilch, die gefühlt 15 Cent/l hinter der Marktentwicklung liegen, mit dem Schulterschluss zusammenpassen? Elbers dazu: „Das ist marktwirtschaftlicher Konsens den wir haben. Wir gehen klassisch in die Ausschreibungen.“

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