Serie: Premiumprodukt Kalbfleisch

Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch: Alles unter Kontrolle

Handel und Verbraucher haben großes Vertrauen in die Kälbermast. Aber warum ist das so? Eine bedeutende Rolle spielt die Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch.

Die Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch (KDK) besteht seit mehr als 20 Jahren. Wer sind die Mitglieder?

Schlindwein: Landwirte, Vermarkter, Deutscher Bauernverband (DBV) und das Unternehmen SGS Germany haben die KDK gemeinsam im Jahr 1998 gegründet.

Averbeck: Zum Verband gehören 130 Kälbermäster mit 360 Stallstandorten. Zusammen haben sie etwa 180  000 Stallplätze und decken 85 % der deutschen Kälberschlachtungen ab. Außerdem gehören die drei Vermarkter Westfleisch, Brüninghoff und Bahlmann dazu. Mit der Mitgliedschaft haben sie sich verpflichtet, nur deutsches Kalbfleisch zu vermarkten. Der Bundesverband der Kälbermäster ist ebenfalls vertreten.

Warum wurde die Kontrollgemeinschaft gegründet?

Schlindwein: Der Verband hat sich aus der Krise des Hormonskandals vor etwa 30 Jahren heraus entwickelt. Die Kälbermäster wollten das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. Sie haben damals ihre Lehre gezogen.

Die Kälbermast galt lange als Problemfeld in der Tierhaltung. Das sieht heute völlig anders aus. Daran hat die KDK einen wesentlichen Anteil. Wie hat sie das ­gemacht?

Schlindwein: Die Kälbermäster lagen nach dem Hormonskandal in der Asche und sind dann praktisch wie ein Phönix aufgestiegen. Die Bauern wollten ihre Produktionsweise wirklich verändern und sind in die Offensive gegangen.

Mit der KDK ist die Diskussion um die Fütterung entstanden. Seit 2008 ist es Pflicht, auch Kälbern für die Mast von hellem Fleisch Raufutter ad libitum neben dem Milchaustauscher zu füttern. Außerdem hat sich die Gruppenhaltung der Tiere aus der KDK heraus entwickelt. Und ganz aktuell haben sich die Kälbermäster in einer Selbstverpflichtung dazu bekannt, in Neu- und Umbauten weiche Gummiböden einzubauen. Das alles passiert zu wirtschaftlichen Gunsten der Kälbermäster und zu Gunsten von Tierwohl.

Averbeck: Wir können mit einem strengen Melde-, Dokumentations- und Kontrollprogramm nachweisen, dass deutsches Kalbfleisch von bester Qualität und frei von Hormonen oder Mastmitteln ist. Wir verpflichten unsere Betriebe zu zusätzlichen Prüfverfahren, die von unabhängigen Instituten vorgenommen werden.

Wer wird kontrolliert?

Schlindwein: Mast-, Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe werden kontrolliert. Betriebe, die sich uns anschließen, gehen freiwillig weit über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus. Das Lebensmittelprüfsystems Qualität und Sicherheit (QS) stellt zusätzliche Anforderungen an die Herkunft von Futtermitteln, an Tierschutz- und Hygienebestimmungen. Das Zertifizierungsunternehmen SGS führt die Qualitätssicherheitskontrollen in unserem Auftrag auf den Betrieben durch.

Wie sehen Kontrollen auf den Betrieben aus?

Averbeck: Jede Mastgruppe auf jedem Betrieb wird mindestens einmal auf verbotene Substanzen, wie natürliche und künstliche Hormone oder Leistungsförderer, untersucht. Bei 10 % der aufgestallten Mastgruppen erfolgt ein zweiter und bei 1 % ein dritter Kontrollgang. Wir haben eine Datenbank mit den Aufstallungseinheiten der Landwirte. Diese Datenbank spuckt uns einen Schlüssel mit Ohrmarken aus. Die zugehörigen Kälber lassen wir beproben.

"Nirgendwo anders sind die Auditoren der SGS so häufig auf den Betrieben."- Theresa Averbeck

Wann und wie werden die Proben genommen?

Schlindwein: In unserem Rückstandskontrollprogramm nimmt die SGS Haar-, Urin- und Blutproben von den Kälbern.

Averbeck: Die Proben müssen im letzten Mastdrittel, möglichst nah am Schlachttermin, genommen werden. Die Kälber sind dann etwa sechs bis sieben Monate alt. Nach der Beprobung stellen wir ein Zertifikat aus.

Was besagt das Zertifikat?

Averbeck: Mit KDK-Zertifikat ausgezeichnet bedeutet, dass die Mastgruppe mit bester Qualität am Programm teilnimmt. Das Zertifikat ist zehn Tage nach der Entnahme der Proben fertig. Es kommt mit den Kälbern beim Schlachthof an. Kälber ohne Zertifikat werden nicht an den Mitgliedsschlachthöfen geschlachtet.

Was macht die KDK aus?

Schlindwein: Wir sehen uns in einer Bündlerfunktion und sind auch der einzige Bündler in der Kälbermast. Unsere Hauptaufgaben sind die Absatzsicherung und -förderung von Kalbfleisch sowie die Qualitätssicherheit. Wir pflegen die QS-Datenbank. Das ist auch in unserer Satzung festge­halten.

Welche Grundsätze hat der Verband?

Averbeck: Wir wollen das Vertrauen in die heimische Erzeugung stärken. Die Kälber müssen alle deutscher Herkunft sein, nach dem Prinzip „5 mal D“: Kälber der KDK werden in Deutschland geboren, gemästet, ge­schlachtet, zerlegt und verarbeitet.

Mit „5 mal D“ schaffen wir die Grundlage für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und Vertrauen in die heimische Produktion. ­Außerdem sind alle Mäster QS-geprüft. Das ist ein entscheidender Unterschied gegenüber anderen Marktteilnehmern.

"Mit dem Prinzip "5 mal D" können wir bessere Preise erzielen." - Dr. Bernhard Schlindwein

Haben die Produkte der KDK einen Vorteil in der Vermarktung gegenüber der ausländischen Konkurrenz?

Averbeck: Von unseren Hauptwettbewerbern auf dem deutschen Markt, den Niederländern, können wir uns mit „5 mal D“ preislich abheben. Allein, dass es einer Vereinigung möglich ist, eine Preisdifferenz zu schaffen, ist schon ein Erfolg.

Was sind positive und was sind negative Beispiele in der Vermarktung?

Schlindwein: Paradebeispiele für eine gute Zusammenarbeit sind die Edeka Rhein-Rhur und Bauerngut. Beide vermarkten deutsches Kalbfleisch. Als Negativbeispiele sind einige Händler zu nennen, die mit Regionalität und Nachhaltigkeit werben, aber überhaupt nicht danach handeln. Zum Teil listen sie sogar deutsches Kalbfleisch aus und kaufen nur über den Preis ein.

Was macht die KDK aktuell, um deutsches Kalbfleisch zu bewerben?

Schlindwein: Wir haben mit Westfleisch, Bahlmann und Brüninghoff drei Vermarkter als Mitglieder. Das sucht bislang erst mal seines Gleichen. Mit ihrer Mitgliedschaft haben die drei vereinbart, für deutsches Kalbfleisch zu stehen.

Averbeck: Außerdem betreiben wir Marketing, werben im Lebensmitteleinzelhandel und forcieren Absatzförderung für Kalbfleisch.

Stichwort Bullenkälber. Was wollen Sie als KDK tun?

Schlindwein: Unsere Herausforderung für die Zukunft ist, Gesundheit und Qualität der Bullenkälber zu fördern. Wir müssen noch enger mit den Milchviehbetrieben und Viehvermarktern zusammenarbeiten und bessere Konzepte entwickeln.

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