WLV-Ausschuss Milchwirtschaft

Kälbergesundheit im Fokus

Milchviehhalter und Kälbermäster tauschen bisher nur wenig Informationen untereinander aus. Ein Projekt soll beide Seiten zusammenbringen.

Der übliche Werdegang eines männlichen Holstein Frie­sian-Kalbs sieht so aus: Das Bullenkalb bleibt für 14 Tage, von 2022 an für 28 Tage (wir berichteten), auf dem Milchviehbetrieb. Dann verkauft der Landwirt das Tier und es geht entweder direkt oder über einen Händler zum Kälbermastbetrieb. „Genau diese Zeit zwischen Milchviehbetrieb und Kälbermastbetrieb ist momentan eine Blackbox“, erklärte Prof. Dr. Marc Boelhauve von der Fachhochschule Südwestfalen beim WLV-Ausschuss für milchwirtschaftliche Fragen am Montag.

Neues NRW-Projekt zur Kälbergesundheit

Kälbermäster kennen momentan zwar das Gewicht des Kalbes bei der Ankunft, haben aber keine Informationen über das Geburtsgewicht oder die Zunahmen. „Genau hier wollen wir mit dem NRW-Projekt „Kälbergesundheit-Leistung-Lieferkette“ ansetzen“, sagte Boelhauve. Das Projekt soll voraussichtlich diese Woche bewilligt werden und im September starten.

Dreh- und Angelpunkt des Projekts wird ein Kälbermäster aus NRW, der Tiere von mehr als 100 Milchviehbetrieben bekommt. Im Rahmen des Projekts sollen aber auch die weiblichen Tiere, die auf den Milchviehbetrieben bleiben oder den Betrieb später verlassen, beobachtet werden. „Außerdem wollen wir Kälber bei unterschiedlichen Verweildauern (14/28/42 Tage) auf den Herkunftsbetrieben untersuchen. Das haben wir unabhängig von der neuen Tierschutztransportverordnung beschlossen“, skizzierte der Professor den Projektinhalt.

Milchviehhalter und Kälbermäster sollen sich austauschen

Er betonte in dem Zusammenhang: „Umso länger die Kälber auf dem Herkunftsbetrieb bleiben, desto wichtiger ist es, dass die verschiedenen Akteure sich unterhalten.“ Denn gerade die ersten Lebenswochen sind für Kälber entscheidend: „In den ersten 40 Tagen findet noch ­eine Zellvermehrung statt, danach nur noch eine Zellvergrößerung.“ Das bedeutet, dass die Stoffwechselkompetenz eines Tieres vor allem von den ersten Lebenswochen abhängt. Für eine gute Kälbergesundheit sind folgende Faktoren wichtig:

  • Kolostrum frühzeitig und in ausreichender Menge verabreichen,
  • Material, das mit Kolostrum in Kontakt kommt, gründlich reinigen,
  • Zusätzliche Eisenversorgung der Kälber.

Von einer guten Kälbergesundheit können alle Seiten, Milchviehhalter sowie Mäster, profitieren, betonte Boelhauve.

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