Bürokratie

Agrarbüro: Struktur, Planung und Konsequenz helfen

Milchviehhalter Johannes Meiners führt das Büro gemeinsam mit seiner Mutter. Disziplin und eine genaue Aufgabenverteilung sind ihm wichtig.

Familie Meiners aus Freren, Emsland, hält ihre Kühe und Jungvieh auf drei verschiedenen Betriebsstandorten. Das ist mit hohem büro­kratischen Aufwand verbunden: Die Kälber kommen auf dem Hauptbetrieb zur Welt. „Dann melden wir sie bei HIT an, nach drei Monaten wechselt die weibliche Nachzucht auf den Pacht­betrieb. Wir müssen die Tiere ­also bei HIT umbuchen“, erklärt Johannes Meiners.

Zum Besamen kommen die Rinder wieder auf den Hauptbetrieb, tragend gehen sie zu einem anderen Betrieb und zum Kalben kommen sie wieder zurück. Das bedeutet, bis zur ­ersten Laktation muss Familie Meiners jedes Tier schon fünfmal bei HIT umbuchen. „Das erfordert viel Disziplin! Meine Mutter macht das Ummelden immer direkt nach dem Umstallen. Das ist wichtig, sonst bleibt das liegen“, ist Meiners überzeugt.

Aufgaben verteilen

Zum Hof gehören 120 Milchkühe plus weibliche Nachzucht und ein extra Schweinemastbetrieb. Die Aufgaben im Büro sind genau verteilt: Die Mutter des 31-Jährigen ist von Beruf Steuerfachangestellte und ist für Überweisungen und die Buchführung verantwortlich. Sie bucht auch selbst.

In den Aufgabenbereich von Johannes Meiners fällt alles rund um die Düngung, Rationsberechnungen und Futterkontrakte. Er selbst geht täglich vormittags ins Büro. „Die Bürozeiten sind entscheidend. Arbeit aufschieben hilft nicht“, erklärt er. Wöchentlich verbringt er etwa vier Stunden am Schreibtisch, seine Mutter ebenfalls.

Beratungsring macht Düngebedarfsermittlung

Ausgelagert haben die Milchviehhalter die Düngebedarfsermittlungen und Flächenanträge. Dafür ist der Beratungsring Altkreis Lingen zuständig. „Gerade die Düngedokumentation mit dem Programm ENNI ist wahnsinnig aufwendig geworden. Da kann kein Landwirt die Übersicht behalten. Auch für uns Beratungsringe nimmt die Bürokratie überhand. Wir müssen uns ständig fortbilden, um überhaupt Schritt halten zu können“, ärgert sich Gert Borcherding vom Beratungsring über die bürokratischen Anforderungen.

Meiners ist sich sicher, es hilft nur, immer dranzubleiben, ansonsten wächst einem die Bürokratie über den Kopf. „Für mich sind Struktur, genaue Planung, Aufgabenverteilung und Konsequenz der einzige Weg, den Durchblick zu behalten.“ Er betont auch, dass positive Erlebnisse wichtig sind. „Bei den Überweisungen sieht man immer die Zahlen, wenn die schlecht sind, macht das etwas mit einem.“

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