Wildtiere: Vorsicht bei „Findelkindern“

Scheinbar hilfsbedürftige Wildtiere lösen bei den meisten Mitbürgern Mitleid aus. Doch nicht immer braucht ein Tier menschliche Hilfe.

„Wildtiere, die ihr ganzes Leben in Freiheit verbringen, leiden unter enormem Stress, wenn sie wegen einer Verletzung in die Obhut von Menschen gelangen.“ Darauf hat Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK), anlässlich des Welttierschutztages in der vergangenen Woche hingewiesen.

Generell benötigen längst nicht alle aufgefundenen Tiere die Hilfe von Menschen. Nur Kranke oder Verletzte sowie verwaiste Jungtiere sind wirklich hilfsbedürftig, informiert die Tierärztekammer weiter. Die Haltung und Pflege von Wildtieren erfordere auf jeden Fall viel Erfahrung und Wissen sowie geeignete räumliche Möglichkeiten.

Auf die eigene Art prägen

Eine Behandlung solcher Tiere macht nur Sinn, wenn sie danach mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder selbstständig in freier Wildbahn überleben und am Re­produktions­geschehen der Art teilhaben können. Unselbstständig in Menschen­hand geratene Jungtiere, die am Fundort sicher nicht von den Eltern versorgt werden und für die keine artgleiche Adoption gefunden werden kann, sind so aufzuziehen, dass sie auf die ­eigene Art geprägt werden und nicht auf den Menschen.

Bevor man also ein verletztes Wildtier mit nach Hause nimmt, sollte man sich im Vorfeld darüber informieren, ob es in der ­Umgebung zum Beispiel eine Wildtier­station oder Tierschutzvereine gibt, die sich mit der Pflege von Wildtieren auskennen. Denn anders, als von vielen Menschen angenommen, kann nicht jede Tierarztpraxis diese aufwendige Fürsorge leisten.

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