Wildgänse richtig verwerten

Grau-, Nil- und Kanadagänse haben jetzt Jagdzeit. Und gerade die Stoppelfelder eignen sich gut für die Lockjagd. Doch wie lassen sich die erlegten Gänse am besten verwerten?

Berufsjäger Rainer Wiese (links) und sein Auszubildender Lukas Hennekeuser. (Bildquelle: Petercord)

Allein der Gedanke ans Rupfen mag manchen Grünrock von der Jagd auf Wildgänse abhalten. Aber das mühselige Rausreißen der Federn ist auch gar nicht nötig. Denn verwertet wird in der Regel nur die Brust, eventuell noch Schenkel und Leber. „Um an diese Teilstücke zu gelangen, muss die Gans nicht gerupft werden“, betont Rainer Wiese, Berufsjäger aus Xanten im Kreis Wesel. An einer jungen Nilgans, die Wieses Auszubildender Lukas Hennekeuser frisch erlegt hat, demons­triert der Berufsjäger, wie er in Minutenschnelle die Gänsebrust herauslöst.

Keine drei Minuten

Nachdem mit dem Messer ein Loch in die Haut geschnitten wurde, lässt sich bei frisch erlegten, quasi noch warmen Gänsen die Haut mit beiden Händen auseinanderziehen und so die Brust freilegen. Bereits ein paar Stunden nach dem Erlegen wird die Verarbeitung deutlich schwieriger, muss ein Messer zur Hilfe verwendet werden. „Daher Flugwild stets frisch verwerten“, lautet die Empfehlung Wieses. Alternativ lässt sich die Brust auch zusammen mit dem Kamm als ganzes Stück lösen. Bei den Schenkeln geht der Berufsjäger ähnlich vor, also Haut lösen, Schenkel freilegen und mittels Messer am Hüftgelenk abtrennen.

„Verwerten lässt sich jede Gans, unabhängig von der Art“, betont Wiese. Gerade bei ausgewachsenen Gänsen ist natürlich nicht bekannt, wie viele Flugstunden diese schon hinter sich haben. „Vorsichtshalber drehen wir das Brustfleisch dann durch den Fleischwolf und verwenden das Gehackte beispielsweise zur Herstellung von Würstchen“, so der Praktiker.

Tipps für die Lockjagd

Stoppelfelder eignen sich hervorragend für die Lockjagd auf Wildgänse. Dazu wird über mehrere Tage beobachtet, auf welchen Feldern sich die Gänse tagsüber aufhalten. Dies tun sie meistens mitten im Feld, denn Gänse sind sehr wachsam und bevorzugen weit einsehbare Flächen. Die Jäger verwenden dann „Gänseliegen“. Dabei handelt es sich um flache Liegen in Tarnfarbe, die zusätzlich mit Stroh getarnt werden. „Dazu das Stroh vom jeweiligen Feld verwenden“, rät Wiese. Denn leichteste Farbveränderungen bekommen die Gänse sofort mit. Da diese gegen den Wind einfliegen, werden die Liegen – drei bis fünf im Abstand von jeweils 3 m – mit dem Wind aufgestellt. Zusätzlich wird mit Gänseattrappen hinter den Jägern ein „Lockbild“ aufgebaut. Dies kann U-förmig sein. Alternativ verteilt Wiese insgesamt 60 bis 80 Lockvögel in zwei kleinen Trupps schräg hinter den Liegen. „Wichtig ist, dass bei mindestens drei Viertel der Gänse-Attrappen der Kopf unten ist“, betont er. Denn „Kopf oben“ signalisiert den anfliegenden Gänsen „Achtung“. Die Schussentfernung beträgt maximal 30 m. „Wenn man die Ruder (Füße) der Gans erkennen kann, ist diese nah genug“, lautet der Tipp des Praktikers. Alternativ helfen kleine Stöckchen im Feld zur Abschätzung der Entfernung. „Bei der Flintenmunition reichen Schrotstärken von 3 mm dann vollkommen aus“, betont Wiese.

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