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Aufforstung schützt Klima

Waldbauerntag in Werl

Waldbauerntag Nordrhein-Westfalen als „Gipfel der Betroffenheit“ zur Lage der Waldeigentümer: Umfangreiche Hilfe ist dringend notwendig. Nur umfassende Aufforstung und Holznutzung sichern Kohlenstoffspeicherung als Klimaschutz.

Welche Baumarten sollen den Wald der Zukunft bilden? Die Auswahl ist komplizierter als gedacht: Trockenheits- und Hitzetoleranz sind ebenso gefragt wie Widerstandsfähigkeit gegen Frost. Und das Holz muss gut zu verwerten sein.

Volles Haus und große Sorgen: Beim Waldbauerntag NRW am Mittwoch der vergangenen Woche in Werl (Kreis Soest) war die Erregung vielen Teilnehmern anzumerken. Dr. Philipp Freiherr Heereman hatte es als Vorsitzender des Waldbauernverbandes schon zu Beginn der Veranstaltung auf den Punkt gebracht: „Vom Holzverkauf kann niemand mehr leben; die Einkünfte brechen weg.“ Das Treffen sei der „Gipfel der Betroffenheit“.

Keine Denkverbote

Angesichts der prekären Situation dürfe es keine Denkverbote geben, verlangte Heereman. Die Ökosystemdienstleistungen, die Wald­eigentümer erbringen, tragen zum Klimaschutz bei. Deshalb sei es richtig, dies auch als Basis für neue Einkunftsarten zu berücksichtigen. Überdies sichere nur die stoffliche Nutzung des gewachsenen Holzes, zum Beispiel in der Bauwirtschaft, die dauerhafte Kohlenstoffspeicherung. Wald einfach sich selbst zu überlassen, helfe dagegen gar nicht weiter. Zusätzlich merkte er an: 90 % des tatsächlich genutzten Holzes ist Nadelholz. Das werde in der öffentlichen Diskussion nicht selten vergessen.

In der Beurteilung der Bedeutung des Waldes ist Guido Halbig vom Deutschen Wetterdienst mit Heereman einig. Der Meteorologe erklärte unumwunden: Aus klimapolitischer Sicht ist eine umfassende Aufforstung zu empfehlen. Zuvor hatte Halbig ausführlich erklärt, wie sich das Klima bis heute schon verändert hat: Die Zahl der Sommertage (mehr als 25 °C) steigt genauso wie der Mittelwert der Temperaturen über die Jahrzehnte hinweg, wobei einzelne Jahre zweifellos Ausnahmen machen können.

Schwierige Baumartenwahl

Das Wetter- bzw. Klimageschehen ist ausgesprochen komplex. So scheint möglich, dass sich der sogenannte Jetstream, ein globales Starkwindband, zunehmend abschwächt. Dadurch werden Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer oder gar ortsfest, sie bewegen sich nicht weiter. Das könnte einer der Gründe für den Hitze- und Dürresommer 2018 in Deutschland sein.

Der Erhalt und der Ausbau der Wälder ist für den Klimaschutz wichtig, betonte auch der Wetter­experte. Die Auswahl der Zukunftsbaumarten stellt sich jedoch komplizierter dar als oft angenommen. Die „neuen“ Bäume müssen nicht nur trockenheits- und hitzetolerant sein, sondern auch mit starken Frösten gut umgehen können. Diese Eigenschaften kombinieren bei Weitem nicht alle Alternativen zur Brotbaumart Fichte, von den Nutzungsmöglichkeiten einmal ganz abgesehen.

Dr. Holger Weimar vom Thünen- Institut für internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie in Hamburg betonte unter anderem, dass das heimische Nadelholzangebot normalerweise nicht einmal ausreicht, um den Bedarf zu decken. Die stoffliche Verwendung von Laubholz (zum Beispiel beim Bau) lässt immer noch zu wünschen übrig. Möglicherweise können neue Technologien dafür sorgen, dass mehr Laubholz diesen Weg findet und nicht nur in Öfen und anderen Feuerungsanlagen verbrannt wird (Stichwort: Bio­raffinerien).

„Nicht an unserer Seite“

Die Besorgnis und den Ärger vieler Waldbauern bekam Dr. Heinrich Bottermann in Werl zu spüren. Der Staatssekretär im Düsseldorfer Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hatte berichtet, dass das Land NRW rund 9 Mio. € Fördermittel bereitstellt, um den betroffenen Betrieben unter die Arme zu greifen. Ohne Räumung der Schadflächen gebe es keine ­Wiederaufforstung und ohne Wiederauffors­tung und Bestan­despflege keine ausreichende CO2-Bindung und keine positiven Effekte auf Luftreinhaltung und Wasserqualität.

Den Waldeigentümern reichten diese Bekenntnisse aber nicht. Die Hilfen seien nicht ausreichend, um auch nur annähernd die Kosten zu decken, geschweige denn die auflaufenden Verluste. Ein verärgerter Waldeigentümer formulierte kurz und knackig so: „Sie sind nicht an unserer Seite!“

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