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Vier tote Wisente im Gehege

Drei Wisent-Kühe und ein Kalb sind in der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“, einem rund 20 ha großen Areal bei Bad Berleburg, Kreis Siegen-Wittgenstein, nach Rangkämpfen verendet. Die Kühe waren erst seit Juli in der Herde.

Rangordnungskämpfe – wie hier unter Jungbullen – haben zum Tod von drei Kühen und einem Kalb in der „Wisent-Wildnis“ bei Bad Berleburg geführt.

Dieses Mal sorgt nicht die frei lebende Wisentherde im Rothaargebirge für Schlagzeilen, sondern der Tod von vier Tieren in der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“. Das rund 20 ha große Areal bei Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein wurde als „Guckloch in das Artenschutzprojekt“ der freigesetzten Wisente eingerichtet, um interessierten Besuchern Vertreter dieser Wildart sichtbar zu machen.

Tod durch Rangkämpfe

Doch wie der Trägerverein „Wisent-Welt-Wittgenstein“ am Donnerstag vergangener Woche meldete, sind drei Wisent-Kühe und ein Kalb in dem Besucherareal „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ verendet. Bei den drei Kühen handelt es sich um die drei Tiere, die Anfang Juli aus Donaumoos/Bayern in das Gehege gekommen waren. Wie der Verein mitteilt, sind bei allen drei Kühen „die Todesursachen offenkundig auf Rangkämpfe innerhalb der Herde zurückzuführen“. Dafür hätten die äußeren und inneren Verletzungen gesprochen.

Wie es in der Meldung weiter heißt, hatten zwei der drei verendeten Kühe erst kurz zuvor ein Kalb zur Welt gebracht. Aufgrund des Todes der Mutterkuh habe eines der beiden Kälber keine Überlebenschance gehabt. „Das zweite Kalb konnte als Flaschenaufzucht gerettet werden.“„Rangkämpfe von Kühen untereinander, zwischen Bullen sowie zwischen Kühen und Bullen kommen bei Wisenten immer wieder vor“, heißt es in der Meldung weiter. Literaturangaben zufolge seien rund 20 % der Todesfälle in der Wisent-Population auf Rangkämpfe zurückzuführen.

Die drei Kühe aus Donaumoos waren im Juli in das Besucherareal integriert worden, um die dortige Wisent-Herde zu vergrößern und genetisch zu bereichern. Die neuen Wisente seien gut aufgenommen worden, heißt es seitens des Trägervereins. Die Gruppe habe unter ständiger Beobachtung der Wisent-Ranger gestanden. Schon nach wenigen Stunden habe die neu zusammengesetzte Herde eine Hierarchie und soziale Stabilität entwickelt. Dies sei auch in den kommenden Wochen bis in den September hinein so geblieben.

Warum sich dann die Rangkämpfe entwickelt hätten, sei unklar. Der Tod der drei Kühe und des Kalbes verteile sich auf den Zeitraum 11. bis 24. September, teilte Dr. Michael Emmrich, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Wisent-Verein, auf Nachfrage des ­Wochenblattes mit. Der Verein unterstreicht, dass die folgenreichen Auseinandersetzungen nicht vorhersehbar und daher nicht zu verhindern gewesen seien. „Wir bedauern den Verlust der Tiere sehr, aber auch das ist Teil des natürlichen Verhaltens.“ Insgesamt besteht die Herde im Besucherareal jetzt noch aus acht Tieren.

Zweifel am Monitoring

Mit vier Todesfällen innerhalb kürzester Zeit in einem überschaubaren Gehege dürfte dieser Fall nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa ziemlich einzigartig sein. Selbst enge Beobachter der Wisent-Szene und Befürworter des Projektes sind bestürzt, sprechen gar von Skandal.

Dass gleich drei führende Kühe innerhalb kürzester Zeit bei Rangkämpfen getötet wurden, ohne dass dies am Verhalten voraus- oder absehbar war, lasse Zweifel an der Betreuung innerhalb des Geheges aufkommen.

Verwunderlich ist auch, warum der Verein erst jetzt über die verendeten Wisente informierte – immerhin handelte es sich um ein Drittel der Herde. Warum hat der Verein nicht gleich auf den Tod der einzelnen Kühe hingewiesen? Die Unterstützer und Freunde des Projektes müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes „vor den Kopf gestoßen fühlen“.

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