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Borkenkäfer

Dauerstress in den Forstbetrieben

Wegen des anhaltenden Borkenkäferfraßes läuft die Krisenbewältigung auf Hochtouren.

Die Pheromonfallen dienen nur zur Überwachung des Borkenkäfers, nicht für dessen Bekämpung.

Die massiven Schäden in den Wäldern setzen sich auch in diesem Jahr in bislang unbekanntem Ausmaß weiter fort. Nachdem die Rekorddürre im vergangenen Jahr und schwere Stürme bis in das Frühjahr hinein die Gesundheit der Wälder nachhaltig beeinträchtigt haben, fressen Borkenkäfer in einer nie dagewesenen Anzahl unter der Rinde der Bäume und bringen ganze Waldgebiete in Gefahr. Die aktuelle Situation verlangt den Forstbetrieben alles ab. Auch die staatlichen Forstbetriebe in Thürignen und Sachsen stoßen an ihre Grenzen.

Juni-Befallsmenge gegenüber 2018 vervierzigfacht

Auffallend sind derzeitig die teilweise extrem hohen wöchentlichen Käferfangzahlen in Wäldern Thüringens. Die Revierförster melden regelmäßig mehr als 10 000 Buchdrucker pro Falle und Woche, in Einzelfällen werden bis zu 20 000 Käfer in einer Falle pro Woche gezählt. Die landesweite Juni-Stehendbefallsmenge ist gegenüber 2018 um das Vierzigfache gestiegen. Was zusätzlich Sorge macht: Auch der Kupferstecher, wie auch der Kiefern- und Lärchenborkenkäfer verursachen durch ihren Fraß erhöhte Schadholzmengen.

Betroffene Waldbesitzer dürfen in der Käferbekämpfung nicht nachlassen

Die Thüringer Forstexperten empfehlen allen betroffenen Waldbesitzern, die Stehendbefallssuche sofort auch auf das Bestandesinnere auszudehnen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass mit den pheromonpräparierten Borkenkäferkastenfallen keine nennenswerten Käfermengen abgeschöpft und damit der Schädling „bekämpft“ werden kann. „Diese Kastenfallen dienen ausschließlich der Überwachung des Käferfluges in Bezug auf den Ort, den Zeitpunkt, die Flugrichtung und die Schwarmintensität“, sagte Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Hohe Kosten, sinkenden Erlöse

Die Krise trifft die Forstbetriebe gleich mehrfach: Nicht nur werden Wälder durch die Schäden entwertet und müssen aufwendig und zu hohen Kosten wieder verjüngt werden. Das massenhaft auf den Markt gespülte Schadholz hat auch die Holzpreise einbrechen lassen, während die Kosten für die Sanierung der Wälder steigen. Um zusätzliche Schäden zu verhindern, sind Waldeigentümer gleichzeitig gezwungen, zu hohen Kosten und geringen Erträgen von Borkenkäfer befallene Bäume einzuschlagen und abzutransportieren. Geschieht dies nicht, fallen noch mehr Bäume den gefräßigen Käfern zum Opfer.

Zuerst die "großen" Wälder schützen

Hinzu kommt, dass die für die Aufarbeitung von Käferholz nötigen Ressourcen wie Arbeitskräfte, Maschinen und Transportkapazitäten nur noch in begrenztem Umfang verfügbar sind.
Vordringliche Aufgabe für Sachsenforst ist der Schutz der großen zusammenhängenden Waldgebiete. Abgestorbene Bäume, die nicht mehr durch Borkenkäfer befallen werden können, verbleiben im Wald. Wichtige Investitionen in Waldwege oder Erholungseinrichtungen müssen zurückgestellt werden.