Pferd & Pferdesport

Mikroplastik in Reitböden

Synthetische Fasern auf Reitplätzen tragen dazu bei, dass Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Das Problem und dessen Lösungen zeigt eine Broschüre des Umweltministeriums Baden-Württemberg auf.

Nicht nur auf Kunstrasenplätzen finden sich synthetische Stoffe. In den 1980er Jahren kam ein schwäbischer Tüftler auf die Idee, dem Sand auf seinem Reitplatz „textile Zuschlagstoffe“ beizumischen, also synthetische Vliesstücke oder -fasern, die die Eigenschaften und die Haltbarkeit des Reitbodens verbessern.

Synthetik in sechs von zehn Reitplätzen

Mittlerweile beinhalten geschätzt 60 % aller in Deutschland vorhandenen Reitplätze nach Angaben von Reitplatzbauern 1–5 % Synthetik. Dabei wird eine Vielzahl synthetischer Stoffe, die anderswo als Abfall anfallen, als Zuschlag verwendet, zum Beispiel Teppichschnitzel, Geotextilien, Vlieshäcksel oder Teppichbodenstanzreste aus der Automobilindustrie. Sie können Flammschutzmittel und andere Stoffe wie PCB, PFT, PAK, Quecksilber, Blei, Cadmium und Eisen enthalten.

Mikroplastik gelangt in die Umwelt

Hinzu kommt, dass die synthetischen Zuschlagstoffe nicht auf dem Reitplatz bleiben. Durch die mechanische Trittbelastung der Hufe werden sie zerkleinert und zerrieben. Mit den Pferdehufen oder Reitstiefeln werden sie in den Stall oder ins Freie getragen. Auch durch Wind und Regen gelangen sie in die Umwelt und ins Abwasser. Zudem bleiben sie an den Pferdeäpfeln hängen und landen auf diesem Weg im Kompost.

Wie die Zeitschrift „Pferdebetrieb“ berichtete, haben Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin alle Laborstudien der vergangenen Jahrzehnte ausgewertet, die sich mit der Auswirkung von Mikroplastik im Boden auf Mikroorganismen beschäftigen. Es zeigte sich, dass besonders die kleinsten Plastikpartikel – kleiner als 0,1 mm – schon bei Konzentrationen unter 10 mg/kg Boden den Stoffwechsel, die Fortpflanzung und das Wachstum von Bodenorganismen schädigen. Bei Regenwürmern verbleiben Partikel, die größer als 0,05 mm sind, im Darm. Kleinere Partikel werden ausgeschieden.

Broschüre: Mikoplastik und die Alternativen

„Mikroplastik im Spiel – Was Sportvereine und Aktive tun können“ lautet der Titel einer Broschüre, die das Umweltministerium in Baden-Württemberg herausgegeben hat. Sie gibt einen kleinen Einblick in die Mikroplastik-Problematik: Neben Kunststoffrasenplätzen werden dabei auch die synthetischen Zuschlagstoffe bei Reitböden thematisiert. Zudem zeigt die Broschüre auf, wie Vereine und ihre Mitglieder nachhaltiges Handeln in ihrem Sportbetrieb verankern können und welche Alternativen es neben reinem Sand unter anderem bei Reitböden gibt.

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