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Zoff bei „Land schafft Verbindung“

Richtungsstreit, Machtkämpfe, Abspaltung: Nach den bundesweiten Protesten von „Land schafft Verbindung“ knirscht es im Organisationsteam. Eine Gruppe hat sich abgespalten und plant eine neue Demo am 26. November in Berlin.

Nach internen Quererleien gibt es jetzt zwei Gruppen.

Es war eine gewaltige Entwicklung: Am 1. Oktober gründete Maike Schulz-­Broers die Facebookgruppe „Land schafft Verbindung“. Drei Wochen später, am 22. Oktober, strömten Zehntausende Menschen mit Tausenden Schleppern in mehrere deutsche Innenstädte. Sie machten auf die existenzbedrohende Situation vieler Landwirte aufmerksam und wünschten sich Gespräche mit der Politik. Die Proteste gaben der Branche neuen Elan.

Das ist mindestens ins Stocken ­geraten: Im Organisationsteam von „Land schafft Verbindung“ herrscht ein heftiger Richtungsstreit und eiskalter Machtkampf.

Schwere Vorwürfe

Ein gewisses Grundrauschen gab es in der Facebookgruppe seit ihrer Gründung: Mal verließen Personen aus gesundheitlichen Gründen das Orgateam, wirkten aber trotzdem weiter. Mal gab es heftige Diskussionen über den Ausschluss einiger Teilnehmer oder das Abschalten der Kommentarfunktion. Seit vergangener Woche hat der Streit aber ein neues Niveau erreicht. Bei Facebook und Whats­App gab es heftige Anfeindungen gegen Maike Schulz-Broers, zum Teil in scharfer Wortwahl.

Im Kern werfen die Kritiker der Initiatorin der Bewegung zwei Dinge vor:

  • Sie habe eine Nichtregierungsorganisation wie Greenpeace gründen wollen, mit ihr an der Spitze.
  • Sie habe wichtige Informationen verschwiegen – beispielsweise, dass sie sich am Montagabend vergangener Woche mit der Spitze des Deutschen Bauernverbandes zu einem Gespräch getroffen habe.

Gegenüber dem Wochenblatt räumt Maike Schulz-Broers Fehler ein. „Das Treffen mit dem DBV hätten wir kommunizieren müssen“, sagt die Landwirtsfrau aus der Lüneburger Heide. Sie betont, dass ihr die Unabhängigkeit zu Verbänden und Parteien sehr wichtig ist.

Jetzt zwei Gruppen

Kritiker wollten Maike Schulz- Broers ausschließen. Das ist ihnen aber nicht gelungen. Konsequenz: Es gibt jetzt zwei Initiativen. Und zwar „Land schafft Verbindung – das Original“ um Maike Schulz-Broers, Marcus Vianden, Sarah Dreilich, Andrea Knecht und Christian Teppe. Und „Land schafft Verbindung – Deutschland“, wo unter anderem Johanna Mandelkow, Thomas Andresen, Henriette Struß, Ruth Boßmann und Frank Schmidt mitwirken. Viele Mitglieder der neuen Gruppe kommen aus Norddeutschland. Auf Facebook hatte „Das Original“ zuletzt mehr als 21  000 Mitglieder, „Deutschland“ mehr als 4000.

In beiden Facebookgruppen stellt sich das jeweilige Orgateam seit ­einigen Tagen vor. Ihre Ziele sind ähnlich. Doch augenscheinlich sind sich viele Personen aus den beiden Orgateams spinnefeind. Nach außen wirkt die Branche gespalten. Das spiele den Kritikern der Landwirtschaft in die Karten, bemängeln viele Mitglieder der Gruppen. Nach anfänglicher Funkstille liefen am Wochenende Gespräche, die Gruppen anzunähern und zu versöhnen.

Zu klären gibt es noch genug, zum Beispiel das Logo. Während Schulz-Broers die Rechte bei sich sieht, erklärt ein Mitglied des Orgateams der abgespalteten Gruppe gegenüber dem Wochenblatt, dass die Rechte bei dem Gestalter lägen – und dieser sei im neuen Team. „Zudem haben nur wir den Zugriff auf die Internetseite landschafftverbindung.de sowie die WhatsApp-Gruppen“, sagt das Orgateammitglied, das nicht genannt werden möchte. Ziel sei, Vereinsstrukturen mit Wahlen in den Bundesländern und auf Bundesebene zu etablieren.

Neue Demo in Berlin

Die neue Gruppe „Deutschland“ plant eine weitere Kundgebung mit Sternfahrt am 26. November in Berlin am Brandenburger Tor. ­Ansprechpartnerin ist Johanna Mandelkow. Angemeldet seien 2000 Traktoren und 5000 Teilnehmer. Offen ist, ob so viele Landwirte kommen. In der Facebookgruppe kritisierten einige die lange Anreise. Sie schlagen eine Staffelfahrt bis Berlin vor.Klar ist, dass die Gruppe „Das Original“ nicht mitmacht. Gegenüber dem Wochenblatt distanziert sich Maike Schulz-Broers ausdrücklich von der Demo.

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