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Wird das Land immer teurer?

Flächenknappheit und die Flucht in Sachwerte lassen die Bodenpreise weiter steigen. Welchen Anteil daran landwirtschaftsfremde Investoren haben, wird unterschiedlich beurteilt. Foto: Quinckhardt

Der landwirtschaftliche Bodenmarkt rückt stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit / Sachverständigen- und Berater-Fachtagung in Göttingen

Haben die Spekulanten jetzt auch den deutschen Bodenmarkt im Griff? Zumindest die Angst davor geht um unter den Landwirten. Seit Jahren zeigt sich eine steigende Tendenz bei den Kaufpreisen land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Der Bodenmarkt stand deshalb auch im Mittelpunkt der Sachverständigen- und Beratertagung am Mittwoch in Göttingen. Veranstalter war der Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen (HLBS).

Nur keine Panik!

Dr. Theodor Seegers stellte in Göttingen die Ergebnisse einer neuen Studie vor, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom von-Thünen-Institut erstellt wurde. Der Ministerialbeamte wies darauf hin, dass danach die Aktivitäten außerlandwirtschaftlicher Investoren zwar zugenommen haben, aber insgesamt auf niedrigem Niveau liegen. Allein das Interesse daran und die mediale Aufmerksamkeit seien gestiegen. Extrem- und Negativbeispiele prägten das Bild außerlandwirtschaftlicher Investoren in der Öffentlichkeit.

Die amtliche Statistik belegt, dass die Kaufwerte seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts gerade in den neuen Bundesländern stark gestiegen sind. Der Bodenpreisboom erklärt sich nach Seegers aber schon dadurch, dass die Marktaussichten für landwirtschaftliche Erzeugnisse langfristig sehr positiv sind. Außerdem gibt es angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Tendenz zur Flucht in Sachwerte, die noch verstärkt wird durch niedrige Fremdkapitalzinsen.

Positiv, aber nicht risikolos

An weiter steigende Preise für landwirtschaftliche Immobilien glaubt auch der Makler Dirk Meier Westhoff, der von Beckum im Kreis Warendorf aus Käufer und Verkäufer zusammenbringt. Vieles spreche dafür, dass die globalen Trends, die das Interesse an landwirtschaftlichen Flächen steigen lassen, auch in Deutschland ihren Niederschlag finden. Völlig risikolos seien aber auch Engagements in Grund und Boden nicht, warnte Meier Westhoff. Wenn eine Finanz- oder Währungskrise Deutschland und Europa in eine Rezession treibe, könne wieder ein „Käufermarkt“ mit stark fallenden Preisen entstehen.

Zahlen sind verfügbar

Bei rund 30 % der Geschäfte mit landwirtschaftlichen Grundstücken sind seit Langem nichtlandwirtschaftliche Investoren beteiligt. Das ist die Erkenntnis von Reinhard Krumbholz, der Vorsitzender des Oberen Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Niedersachsen istGestiegen ist dagegen der Anteil überregional tätiger Käufer, nicht zuletzt aus Dänemark und den Niederlanden. Deutschland scheint danach , was die Entwicklung der Grundstückspreise angeht, noch Entwicklungspotenzial zu haben.

Eindringlich warb Gerhard Krumbholz bei den Beratern und Sachverständigen dafür, die ohnehin verfügbaren und verlässlichen Informationen über die Bodenpreise zur Orientierung zu nutzen.

Auch für den Bodenmarkt gilt: Transparenz sorgt dafür, dass die Geschäfte einen realen Hintergrund haben. Die spekulative Komponente wird dadurch nicht ausgeschaltet, aber begrenzt. ri

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in Wochenblatt-Folge 46/2011.