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Kreisverbandstag in Ahlen

"Wir brauchen klare, langfristige Regeln"

Für AGCO-Chef Martin Richenhagen ist die Bauernmilliarde ein „billiger Trick“ seitens der Politik. Klare, langfristige Regeln sowie vernünftige Preise hält er für Punkte, die den westfälischen Landwirten wirklich helfen würden.

AGCO-Chef Martin Richenhagen (l.) und Anselm Richard (r.). Thema: Die Herausforderungen der westfälischen Landwirtschaft aus globaler Sicht.

Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen, Chef des Landmaschinenkonzernes AGCO, nahm vergangenen Freitag beim Verbandstag des Kreisverbandes Warendorf in der Stadthalle Ahlen kein Blatt vor den Mund. Eines der Kernprobleme in der deutschen Landwirtschaft ist seiner Ansicht: „Zwischen den Machern, den Landwirten und den Verhinderern, der Politik wird zu wenig geredet.“

Im Dialog mit Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben Chefredakteur Anselm Richard vertiefte Richenhagen das Thema Kommunikation – sowohl zwischen Landwirtschaft und Politik, als auch zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Hier einige Punkte, die Richenhagen kritisch sieht:

  • Julia Klöckner reagierte auf die Demonstrationen der Landwirtschaft mit einer Ankündigung der Bauernmilliarde. Auf dem Verbandstag wurde allerdings schnell klar, dass dies nicht der von den Landwirten gewünschten Reaktion entspricht. Dieser Meinung ist auch Richenhagen. Er sieht in der Maßnahme einen „billigen Trick“ und kritisierte, dass das Geld nicht in sinnvolle Maßnahmen fließe. Klare Regeln zur Düngung und Tierhaltung seien angebracht – und das für die nächsten 20 Jahre, nicht nur für die nächsten Monate. Trotzdem hätten die Demonstrationen ein Handeln in der Politik ausgelöst – nur noch nicht das Richtige. „Nun müssen wir der Politik erklären, was genau wir brauchen.“
  • Die Vorstellungen und Anforderungen der Gesellschaft verändern sich. „Die Gesellschaft wird immer mehr von NGOs und den Medien beeinflusst“, so Richenhagen. Seiner Meinung nach ist es wichtig, sich die Forderungen der Gesellschaft genau anzuhören. Daraufhin sind die Wissenschaft und die Landwirtschaft gefordert, Lösungen und Kompromisse herauszuarbeiten, so der Vorschlag von Richenhagen. Zudem forderte der AGCO-Chef die Landwirte dazu auf, mehr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit und der schon laufenden Imagekampagne, „Landwirtschaft - mag doch jeder“, zu zeigen. „5000 € sollte meiner Meinung nach ein normaler westfälischer Landwirt beitragen. Das ist ihr Marketing!“, sagte er. Aus seiner Sicht ist es die Aufgabe der Landwirte, das Vertrauen der Gesellschaft zu gewinnen und ihr zu zeigen: Die Bauern wollen auch weiterhin Naturschützer sein.
    Einem Gesellschaftsvertrag sieht der Unternehmer positiv entgegen. Seiner Meinung nach muss ein solcher Vertrag die Aspekte Tier- und Umweltschutz einbeziehen. Zudem müsse die Landwirtschaft nach ihrer Leistung bezahlt werden – eine Umsatzrendite von 10 % hält er dabei für angebracht.

Kein Vergleich zu Amerika

Nach Einschätzung des AGCO-Chefs ist die Politik in den Vereinigten Staaten näher an der Landwirtschaft. „Auch hier in Deutschland brauchen wir eine Landwirtschaftsministerin, die ihren Job nicht an das Umweltministerium abgibt, sondern sich selbst engagiert und den Diskurs vorgibt“, kritisierte der geborene Kölner die Regierung. Subventionen gibt es in Amerika demnach keine, nur eine Art Ernteversicherung, die in Katastrophenjahren greift. Anstelle der deutschen Subventionen wünscht sich Richenhagen vernünftige Preise für die Landwirte.

Richenhagen berichtete, dass es in den USA zwei Arten von Lebensmittelmärkten gibt. Die, die Produkte mit schlechter Qualität für Billigpreise verkaufen und die, die Produkte höherer Qualität mit besseren Tier- und Umweltbedingungen verkaufen. Der Trend ginge zu den höherwertigen Produkten. Diese würden nach Richenhagens Einschätzung in naher Zukunft die Mehrheit übernehmen.

Während die deutsche Gesellschaft sich viele Gedanken bezüglich Produktionstechniken macht, verlassen sich die amerikanischen Bürger laut dem Manager auf die Ergebnisse der Wissenschaft. Die Diskussionen um die Gentechnik und den Glyphosat-Einsatz würden die Amerikanern daher anders als die Deutschen aufnehmen. Nach Richenhagen sehen die amerikanischen Bürger damit aktuell keine Probleme, da bisher weder durch gentechnische Produkte noch durch den richtig angewandten Glyphosat-Einsatz Schäden entstanden sind.

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