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Fachsymposium Landwirtschaft

Vom Landwirt zum Waldbauern

„Wir haben auch etwas Busch“, antworten häufig junge Landwirte auf die Frage, ob sie auch Wald besitzen. Dabei bietet der Forst viele Möglichkeiten für den eigenen Betrieb.

Waldbauern der nächsten Generation: Für sie steckt im "Bauernwald" viel Potential.

Wie viel Gewinn sich mit Weizen, Gerste oder Silomais je Hektar erzielen lässt, kann jeder Agrarstudent reflexartig beantworten. Wie viel Geld Eichen- oder Kiefernholz aus dem eigenen Wald erlöst, erzeugt hingegen häufig ein Achselzucken. Welches Potential im „Bauernwald“ steckt, war in dieser Woche Thema bei den Agrarstudenten der Hochschule Osnabrück.

Immer weniger Bezug zum Wald

Nicht nur „urbane“ Waldbesitzer verlieren den Bezug zu ihrem Wald, auch für viele Landwirte ist der eigene Wald ein unbekanntes Wesen. Dementsprechend wird er häufig vernachlässigt, nicht gepflegt und trägt kaum zum jährlichen Betriebsergebnis bei.

Holz und Horste

Mit einer durchschnittlichen jährlichen Nutzung von 3 bis 5 fm/ha ist Forstwirtschaft eine sichere Einnahmequelle, ist sich Dr. Georg Berkemeier sicher. Der Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, räumt aber ein, dass sich beispielsweise mit dem Anbau von Mais mehr Geld verdienen lässt. Der Revierbeamte wies die Studenten aber auf die Ökosystem- und Naturschutzleistungen hin, die der Wald außerdem liefert. Seiner Aussage nach ist der Wald heute Rückzugsort vieler Arten, die in der freien Landschaft keinen Lebensraum mehr finden. Diese Leistungen könnten sich beispielsweise über Vertragsnaturschutz oder Ökopunkte zu Geld machen lassen.

Forst und Feld

„Wald ist wertvoll“ betonte auch Torsten Wiebke. Der Förster ist Mitarbeiter der Onlineplattform wald-wird-mobil.de und stellte sogenannte Agroforst-Systeme vor. Sie sind eine Kombination von land- und forstwirtschaftlichen Anbauten. Sorgfältig ausgewählt, könnten beide Kulturen voneinander profitieren, schätzte Wiebke ein. Als Beispiel zeigte der gelernte Forstwirt einen Weizenacker mit dem gleichzeitigen, reihenweisen Anbau von Nussbäumen.

Trends erkennen

Die Osnabrücker Studenten interessierten sich außerdem für die Regeln der Verkehrssicherung, aktuelle Preise beim Waldverkauf und die Möglichkeit, Wald zu pachten. Angelehnt an die Fruchtfolge auf dem Feld wurde auch die Baumartenwahl diskutiert. Besonders sie ist mit Umtriebszeiten von 100 Jahren und länger für viele der jungen Landwirte schwer greifbar. Woher wissen, was in der übernächsten Generation am Markt gefragt ist?

„Die Baumartenwahl erfordert ein Stückweit den Blick in die Glaskugel“, gab Dr. Berkemeier zu. Nichtsdestotrotz ließen sich Trends frühzeitig erkennen: Wegen des Bergbaus wurden in seinem Revier lange Zeit Kiefern für die Nutzung als Grubenholz angepflanzt. Mit dem Rückgang des Kohleabbaus in der Region haben seine Vorgänger begonnen Bau- und Möbelholz auf die Fläche zu bringen.

Die Organisatoren und Refenrenten des Symposiums Johannes Wulf, Angelika Dauermann, Prof. Dr. Michael Währisch, Dr. Georg Berkemeier, Torsten Wiebke und Marcel Röwer (v.l.).

Waldbauern und Bauern mit Wald
Dr. Georg Berkemeier, Förster bei Wald und Holz NRW, betreut den Forstbetriebsbezirk Ibbenbüren-Tecklenburg. Sein Revier ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Trotz der großen Anteile landwirtschaftlicher Nutzflächen in seinem „Beritt“ haben nur 4% der Waldbesitzer landwirtschaftliche Wurzeln. Bundesweit gehört 11% der Waldfläche Landwirten, ergänzte Torsten Wiebke von „wald-wird-mobil.de“.