Vom Hasen auf den Menschen

Ich habe einen toten Hasen von der Straße aufgenommen, wie schon so viele zuvor. Dass mir dieses Tier fast das Leben kosten würde, damit habe ich nicht gerechnet“, berichtet Carsten Vogt*.

Der Hase hatte Tularämie und diese bakterielle Infektion an den Jäger und Nebenerwerbslandwirt aus Ostwestfalen übertragen. Vornehmlich tritt Tularämie – auch Hasenpest genannt – bei Hasen und Kaninchen auf. Doch auch Menschen können daran erkranken. Wenige Bakterien reichen aus, um eine Infektion auszulösen, die lebensbedrohlich werden kann.

Vogt möchte seine Erkrankung nicht an die große Glocke hängen. Doch der Waidmann hat sich entschlossen, von seinem Leidensweg zu erzählen, um Leute vom Land über die Erkrankung zu informieren. Denn wer ländlich wohnt, kann immer auf einen toten Hasen oder ein totes Kaninchen stoßen. Dann sollte jeder wissen, dass er sich vor einer Infektion schützen muss und wie das geht.

Wunde an der Hand

Carsten Vogt hatte an dem besagten Dienstag im Juli 2015 nur eine kleine Wunde am Nagelbett, als er den Hasen anfasste. Aber diese Verletzung reichte aus, damit die Erreger vom toten Hasen in seinen Körper eindringen konnten. „Nach fünf Tagen bekam ich hohes Fieber und Schüttelfrost. Ich habe darauf getippt, dass ich eine Grippe bekomme“, erinnert sich der Jäger. Am Montag nach dem Kontakt stellte der Hausarzt neben den grippeähnlichen Symptomen fest, dass die Nierenwerte schlecht waren, und verschrieb ein Breitbandantibiotikum. Trotzdem trat keine Besserung ein.

Am Mittwoch telefonierte Vogt, der vor Schwäche inzwischen nicht mehr alleine gehen konnte, noch einmal mit dem Hausarzt. Dieser fragte ihn, ob er Kontakt zu Tieren gehabt hätte. „Dann ist mir eingefallen, dass ich den toten Hasen aufgenommen hatte – ausnahmsweise ohne Handschuhe, weil im Auto keine mehr lagen“, erzählt der 45-Jährige. Daraufhin wurde noch einmal sein Blut untersucht und tatsächlich Tularämie diagnostiziert. Nun konnte gezielt ein Antibiotikum eingesetzt werden. Tags darauf verbesserte sich der Zustand des Jägers bereits. „100%ig fit bin ich aber auch fast vier Monate nach der Infektion noch nicht“, berichtet Vogt. Er rät allen, die tote oder kranke Hasen oder Kaninchen treffen, Sicherheitsmaßnahmen zu beachten.

Die Übertragung von Tularämie auf den Menschen erfolgt über den Kontakt verletzter Haut oder Schleimhaut mit infektiösem Tiermaterial, über den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Wildbret sowie durch Einatmen erregerhaltiger Staubpartikel oder Tröpfchen, erklärt Dr. Michael Schürmann, Kreisveterinär des Kreises Lippe.

Nur mit Handschuhen

Um sich vor einer Infektion zu schützen, sollten insbesondere Jäger Folgendes beachten:

  • Tote Hasen und Kaninchen nur mit Einweghandschuhen anfassen.
  • Dieses Wild ist auf der Jagd getrennt von anderen Wildarten zu transportieren.
  • Scheinbar kranke Tiere gehören nicht auf die Strecke.
  • Beim Abbalgen und Zerlegen des Wildkörpers sind Mundschutz, Einweghandschuhe und möglichst Schutzkleidung zu tragen. Das Fell ist anzufeuchten.
  • Bei der Zubereitung des Wildbrets sollte das Hasenfleisch gründlich durcherhitzt werden, um mögliche Keime abzutöten. Darüber sollten Jäger auch all diejenigen informieren, an die sie ihr Wildbret abgeben.
  • Tularämie-Bakterien sind kälteresistent. Der Erreger kann in gefrorenem Hasenfleisch bis zu drei Jahre überdauern. Daher gilt auch für Tiefkühlware das Durcherhitzen.
  • Fallwild, also natürlich verstorbenes oder verunfalltes Wild, ist unschädlich zu beseitigen. Am besten wird es in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht oder zumindest tief ins Erdreich vergraben. Das „In-den-Mist-Stopfen“ ist keine Lösung, weil auf diesem Weg beim Ausbringen die Erreger weiter verbreitet werden.
  • Bei Verdacht auf Hasenpest, also sichtbar erkrankte Hasen oder tote Hasen mit Organveränderungen, kann deren Untersuchung durch das zuständige Veterinäramt veranlasst werden.

Wichtig ist zu wissen, dass nicht jeder tote Hase Tularämie hat. Gerade im Herbst sind auch andere Krankheiten verbreitet. Prö


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