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Kreisverbandstag Ruhr-Lippe und Ennepe-Ruhr

Landwirtschaft im Klimawandel: Was kommt auf die Bauern zu?

Volles Haus in Schwerte: Das Thema Landwirtschaft im Klimawandel sorgt für dicht besetzte Stuhlreihen beim Kreisverbandstag Ruhr-Lippe und Ennepe-Ruhr. Eine Umwidmung der Agrarzahlungen für den Klimaschutz geht den meisten dann aber doch zu weit.

Nachdenkliche Minen: Die Landwirte an der Ruhr stellen sich den Klimadiskussionen.  

Den größten Applaus des Abends gab es gleich zu Anfang. Noch ging es nicht um Starkregen und Sonnenstunden. Vielmehr richtete Dirk Kalthaus, Kreisverbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr/Hagen, die Grüße seines erkrankten Kollegen Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender Ruhr-Lippe aus. Kalthaus dankte seinem Freund und Verbandskollegen für dessen wegweisende Arbeit und richtete über die anwesende Familie die besten Genesungswünsche aus. Der Saal unterstützte ihn mit kräftigem Applaus an den Vorsitzenden, der sich nach einem Eingriff wieder auf dem Weg der Besserung befindet.

Weideland den Wölfen?

Dass Landwirte vom Kaliber eines Hans-Heinrich Wortmann dringender denn je gebraucht werden, zeigten die Themen die folgen sollten. „Wir betreiben Pflanzenschutz, um unsere Kulturpflanzen zu schützen und sie gesund zu halten, aus keinem anderen Grund“, stellte Dirk Kalthaus klar. „Wenn wir dies nicht mehr machen können, weil es politisch gewollt ist, sollte unsere Politik aber auch Antworten darauf haben, wie ausreichend Lebensmittel für unsere Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden sollen.“ Die Bauern jedenfalls, so Kalthaus, werden in diesem Fall nicht mehr ausreichend erzeugen können.

Zumal die Kommunen nicht müde werden, den Landwirten Flächen für Wohnungs- und Gewerbegebiete zu entziehen. In den Jahren 2011 bis 2017 hat das Ruhrrevier 8720 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren, bilanzierte Kreisgeschäftsführer Heinz-Wilhelm Büscher. Das entspreche einem Verlust von mehr als 1200 ha pro Jahr.

Die Landwirtschaft im Revier sei auf dem Rückzug. „Wenn die Entwicklung so weiter geht“, sagte Büscher, „überlassen wir das Weideland den Wölfen, die Bachtäler den Bibern und die Ackerflächen den Logistikern.“ Oder wie es der Vorsitzende Kalthaus einordnete: „Geringere Erträge, die ohne Pflanzenschutz nicht zu vermeiden sind, und die Entnahme wertvoller landwirtschaftlicher Flächen passen nicht zueinander.“

Bauerntag in Münster

Sein Unverständnis äußerte Kalthaus auch mit Blick auf die erneute Verschärfung der Düngeverordnung. Das Landwirtschaftsministerium spiele mit der Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe. Aus diesem Grund werde der WLV am 27. März einen Bauerntag in Münster durchführen. „Wir wollen hier der Öffentlichkeit und der Politik verdeutlichen, dass unsere Betriebe große Sorgen um ihre Zukunft haben“, ermutigte Kalthaus seine Berufskollegen.

Von links nach rechts: Moderator Marcus Arden (top agrar), Dr. Tim Peters, Heinz-Wilhelm Büscher, Dr. Horst Gömann, Dirk Kalthaus und Dieter Hagedorn.


Was tun gegen Wetterextreme?

Mildere Winter mit wachsender Kahlfrostgefahr, häufigere Starkregenereignisse, Sommer mit Dürren und anhaltender Trockenheit: Der Meteorologe Dr. Tim Peters von der Provinzial-Versicherung und Dr. Horst Gömann, Berater bei der Landwirtschaftskammer NRW, zeichneten ein besorgniserregendes Bild. Extreme Wetterlagen werden in den kommenden Jahren zunehmen und Konsequenzen für den Ackerbau in Nordrhein-Westfalen haben.
Kammerexperte Gömann empfahl:
- breitere Fruchtfolgen mit einem Mix aus früh-, mittel- und spätreifen Sorten ohne eine Vernachlässigung der Winterhärte.
- Bodenschadverdichtungen vermeiden durch standortgerechte Bodenbearbeitungszonen.
- Und nicht zuletzt: Eine langjährige organische Düngung steigert das Durchhaltevermögen der Ackerkulturen.
Der Meteorologe Dr. Tim Peters erwartet, dass die Sommertemperaturen in den nächsten Jahrzehnten um mehr als 2 °C in Deutschland steigen werden. Die Folgen der Klimaänderung seien überwiegend negativ und kostenintensiv.
Über die Frage, welchen Beitrag die deutschen Landwirte bei der Vermeidung von Klimagasen leisten können, gingen die Meinungen auseinander. Michael Thews, SPD-Politiker und stellvertretender Vorsitzender im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages, warb für die Klimaschutzpläne der Umweltministerin Svenja Schulze. Mit Geld für Anpassungsmaßnahmen und zusätzlichen Qualitätsstandards sollen die Landwirte nach seiner Ansicht ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Agrarzahlungen der EU gelte es in diesem Sinne umzuverteilen.
Der Widerspruch kam prompt. Und zwar in Form mehrerer Wortmeldungen aus dem Saal und in Person von Dieter Hagedorn, Vorsitzender des WLV-Ausschusses Pflanzenbau. Hagedorn warnte vor neuen „Bürokratiemonstern“, beklagte fehlende politische Planungssicherheit und stellte eins klar: „Wir Landwirte wollen keine neuen Hilfsprogramme, sondern verlässliche Märkte.“