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Vitale Bienen, guter Raps

Der Wert der Bienen für die Erträge auf dem Acker wird häufig unterschätzt. Gute Rapserträge zum Beispiel sind ohne sie nicht möglich. Mit einigen Kniffen lassen sich die fleißigen Insekten wirkungsvoll unterstützen.

Bienenstöcke am Rand eines Rapsfeldes: Rapsanbauer und Imker sind aufeinander angewiesen und können sich gegenseitig sehr viel helfen. Foto: Borgmann

An vielen Rapsschlägen stehen im Moment Bienenstöcke, die Bienen sammeln Nektar. Dabei bestäuben sie auch die Rapsblüte und fördern so die Ertragsleistung.

Die Insekten sind aber sehr empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen. Für einen Landwirt ist es einfach, etwas für die Bienen zu tun. Entsprechende Hinweise gab in der vergangenen Woche beim Feldbegang des Ortsverbandes Wadersloh Imkermeister Heinrich Schnitker.

Konfliktfeld Pflanzenschutz

„Mir ist völlig klar, dass ihr Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen müsst, um mit gesunden Pflanzen ordentliche Erträge zu erzielen“, führt Heinrich Schnitker aus. Er hofft darauf, dass bei der Anwendung einige Regeln beachtet werden:
Falls Pflanzenschutzmittel mit Bienenschutzauflage eingesetzt werden müssen, sollten es nur Mittel sein, die wenigstens eine B4-Bienenschutzauflage haben. Das sind von den Mitteln mit Bienenschutzauflage die, die nach Aussage des Imkers als Erstes als nicht bienengefährlich bezeichnet werden dürfen. Andere Präparate können aus Sicht des Imkers nicht infrage kommen.

Die Pflanzenschutzmaßnahme muss nach Ende des Bienenflugs begonnen werden und bis spätestens 23 Uhr abgeschlossen sein. Eine feste Definition für „Ende des Bienenflugs“ gibt es nicht. Die Aktivität ist abhängig von Tageslänge, Temperatur und Windstärke. Verlässliche Hinweise gibt es aber bestimmt bei einem Imker vor Ort.

Dass das Zeitfenster für die Maßnahmen auf großen Rapsschlägen sehr klein ist, sieht Heinrich Schnitker auch. Er stellt aber fest: „Bei der Blütenbehandlung benetzte Bienen kommen wegen der verklebten Flügel nicht nach Hause.“ Wenn die getroffenen Bienen es doch noch bis zum Bienenstock schaffen, lassen die „Wächterbienen“ diese wegen der veränderten Duftnote nicht einfliegen. Das führt auch zum Tod der Ausgestoßenen.

Bienen sind „blütenstetig“. Wenn eine ergiebige Nahrungsquelle gefunden ist, fliegen alle „Trachtbienen“, die Bienen eines Volkes, die den Honig einsammeln, zu dem gleichen Feld. Diese Eigenschaft führt zwangsläufig zu sehr großen Schäden, wenn es zu einem Unfall kommt.

Unbekannt war den meisten Besuchern die Gefährdung der Bienen durch die Abschlussbehandlung im Weizen. Denn dieser ist eigentlich für die Bienen nicht attraktiv, da er keinen Nektar bildet. Ist der Weizen jedoch von Blattläusen befallen, ist der Honigtau in der nahrungsarmen Zeit interessant. So fliegen die Bienen verstärkt in den Weizen, um hier zu ernten. In dieser Situation ist es besonders schwierig, die Pflanzenschutzmaßnahme bienenschonend durchzuführen, da diese wegen der langen Tage und der sommerlichen Temperaturen lange unterwegs sind.

Hilfe durch die Landwirte

Nach Meinung von Schnitker können Landwirte die Imker in vielerlei Hinsicht unterstützen. „Die beste Förderung ist ein richtig guter Raps.“ Die Erfahrung hat den 62-Jährigen gelehrt, dass nur ein gut entwickelter Raps einen guten Honigertrag bringt. „Auf total festgefahrenem Boden brauche ich die Bienenstöcke gar nicht aufzustellen.“ Rapsanbauer schätzen die Bestäubungsarbeit der Bienen sehr. Nach Aussage von Schnitker braucht es drei Bienenvölker, um 1 ha Raps komplett zu bestäuben. Da in NRW etwa 60.000 ha Raps angebaut werden, müssten die hiesigen Imker 180.000 Bienenvölker halten.

Das ist aber nicht der Fall und führt zu der Feststellung, dass Rapsertrag verschenkt wird, weil es zu wenig Bienen gibt.
Ein besonderes Anliegen ist dem Imkermeister das Anlegen von Bienenweide. Auf einer der selbst bewirtschafteten Flächen sät er jedes Jahr, wenn kein Nachtfrost mehr zu erwarten ist, eine Blühmischung aus. Diese sollte keine Kreuzblütler enthalten, da sich sonst Rapsglanzkäfer und andere Raps­schädlinge vermehren. Etliche Landwirte waren sofort bereit, auf Uferrandstreifen auch Bienenweiden anzulegen, sahen aber Schwierigkeiten in den einzuhaltenden frühen Saatterminen.

Große Unterstützung erhofft sich Schnitker bei dem Thema Zwischenfrüchte. Er erklärte, dass zur Zeit der Getreideernte relativ wenige Pflanzen in der Natur blühen. Die Bienen finden folglich wenig Nektar. Deshalb wünscht sich der Imker, dass die Zwischenfrüchte möglichst früh in die Erde kommen. Eine Phacelia etwa beginnt schon sechs Wochen nach der Aussaat zu blühen und stellt für vier Wochen eine hervorragende Bienenweide dar. Richtig begeistert ist Schnitker vom Ramtillkraut. Die Pflanze stammt von den Hochlagen der Tropen und es erschließt sich nicht sofort, warum dieser Exot in Zwischenfruchtmischungen enthalten sein muss. Der Imker sieht sie aber gerne darin, da die Bienen sie sehr ausdauernd befliegen. Die intensiv gelb blühende Pflanze ist extrem trockenresistent und kann Unkraut gut unterdrücken.

Ein gleichzeitig ausgebrachter, blühfreudiger gewöhnlicher Buchweizen (Fagopyrum esculentum) ergänzt das Nahrungsangebot bis Anfang Oktober. „Danach muss Schluss sein“, so der Imkermeister. Gerade im vergangenen Jahr seien viele Zwischenfrüchte sehr spät gesät worden und die Bienen erst Mitte Dezember zur Ruhe gekommen. „Die Bienen fliegen so lange wie sie Nahrung finden und die Temperaturen es zulassen“, erklärt Schnitker. „Mitte Dezember waren sie total abgearbeitet. Das sind ganz schlechte Startbedingungen für den nächsten Frühling“, stellt er fest. Der Zusammenhang zwischen Zwischenfrucht­art und -saatzeitpunkt in diesem und Bestäubungsleistung der Bienen im folgenden Jahr war bei dem Feldbegang nicht jedem geläufig. Martin Borgmann

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