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"Vielzahl von Gefährdungsursachen"

Das Bundesumweltministerium legt Zahlen zum Rückgang einzelner Vogelarten seit 1990 vor und beantwortet die Frage nach den Ursachen.

Der Rebhuhnbestand in Deutschland ist seit 1990 sehr stark zurückgegangen. Foto: Stemmer

In Deutschland ist der Bestand der Feldlerche zwischen 1990 und 2013 um 35 % geschrumpft, der Bestand des Kiebitz um 80 %, der des Rebhuhns sogar um 84 %. Diese Zahlen finden sich in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen). Vogelarten der Agrarlandschaft hätten die stärksten Bestandseinbußen hinnehmen müssen, heißt es in der Antwort der Staatsekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesumweltministerium.

In der Europäischen Union sei die Vogelpopulation zwischen 1980 und 2010 um rund 300. Mio. Brutpaare zurückgegangen. Wie sich diese Zahl zum (geschätzten) Gesamtbestand verhält, geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums nicht hervor.

Von "stark abgenommen" bis "stabil"

Das Papier stellt Ergebnisse des europäischen „Farmland Bird Index“ vor, das die Veränderung der Vogelartenbestände zwischen 1980 und 2014 in vier Stufen klassifiziert hat. Eine „starke Abnahme“ wird demnach unter anderem für Ortolan, Haubenlerche, Schwarzstirnwürger und Rebhuhn diagnostiziert, eine „moderate Abnahme“ für Arten wie Turmfalke, Rauchschwalbe, Uferschnepfe, Grauammer oder Feldsperling. Moderat zugenommen hätten hingegen Arten wie Weißstorch, Saatkrähe, Theklalerche, Einfarbstar und Dorngrasmücke. Als stabil haben sich im genannten Zeitraum die Bestände von Kuhreiher, Triel, Kurzzehenlerche, Neuntöter, Steinsperling und Schwarzkehlchen erwiesen.

Auf die Frage nach den Ursachen verweist das Papier auf „eine Vielzahl von Gefährdungsursachen“. Eine detaillierte Analyse sei derzeit in Planung. Die Autoren der "Roten Liste der Brutvögel" führten die folgenden Faktoren an:

  • Veränderungen des Lebensraumes,
  • Verringerung des Nahrungsangebotes, insbesondere durch den Rückgang der Insektenbiomasse, und
  • direkte Verfolgung.

Ein vom Umweltbundesamt beauftragtes Forscherteam sei nach Auswertung von „mehreren hundert Studien“ zum Ergebnis gekommen, dass „viele Feldvogelarten durch eine zunehmende Einschränkung der Verfügbarkeit an Nahrung und Bruthabitaten in Ackerlebensräumen gefährdet“ würden.

Der Einsatz von Breitbandherbiziden und -insektiziden stelle „einen relevanten Einflussfaktor“ dar. Gefragt nach dem Einsatz von Neonikotinoiden, heißt es in der Antwort des Bundesumweltministeriums: „Es ist nicht sinnvoll, die Auswirkungen einzelner Wirkstoffe oder Produktgruppen isoliert von der gesamten Praxis des Pflanzenschutzmitteleinsatzes zu sehen.“ Ein aktuelles Forschungsvorhaben widme sich der Frage des Monitorings ökologischer Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln.

Versiegelung in den Städten

Im Bereich von (städtischen) Siedlungen habe die Versiegelung von Flächen sowie die Gestaltung und Art der Bepflanzung städtischer Grünflächen auf die Entwicklung des Vogelbestandes „erheblichen Einfluss“. Auf diesen Grünflächen kämen „eher verbreitete, meist nicht bestandsgefährdete Arten“ vor. Gleichwohl mangele es den Vögeln auch dort an Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten.

Der Rückgang von Vogelarten in der Agrarlandschaft, so heißt es an anderer Stelle in der Antwort aus dem Bundesumweltministerium, erfordere eine „Weiterentwicklung“ der EU-Agrarpolitik, eine „zielgerichtete Förderung und Unterstützung naturverträglicher Bewirtschaftungsformen sowie „die Abschaffung naturschädigender Subventionen“. Für den städtischen Siedlungsraum fehlen Vorschläge.

Attacken in der "Vorbemerkung"

Die Antwort auf ihre "Kleine Anfrage" an die Bundesregierung hatte die Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke schon vorab selbst gegeben. In ihrer "Vorbemerkung der Fragesteller" heißt es: "Hauptgrund für das Artensterben ist die industrielle Agrarlandschaft", die Ursachen lägen "in den ausgeräumten Agrarlandschaften", dem "massiven Einsatz von Pestiziden" und "dem Verlust von Offenlandschaft und intakten Grünland". Str.